Ein afghanischer Sicherheitsmann hält vor einem Gefängnis seine Waffe bereit nach einem Angriff in der Stadt Dschalalabad | Bildquelle: dpa

Viele Tote in Afghanistan IS bekennt sich zu Gefängnis-Anschlag

Stand: 03.08.2020 16:55 Uhr

Alle haben gehofft, dass zum Opferfest die Waffen schweigen. Doch dann stürmte die Terrormiliz "Islamischer Staat" ein Gefängnis im Osten Afghanistans - mindestens 39 Menschen starben.

Von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu-Delhi

18 Stunden lang hätten sich afghanische Sicherheitskräfte mit den Extremisten Feuergefechte geliefert, nun sei die Lage wieder unter Kontrolle, sagt der Sprecher des Gouverneurs von Nangarhar, einer Provinz im Osten des Landes.

Videoaufnahmen verschiedener Nachrichtenagenturen zeigen die Gefechte, bei denen in der Nacht von Sonntag auf Montag mindestens 39 Menschen getötet und mehr als 40 Menschen verletzt worden sind. Zeugen berichten, wie Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) ein Gefängnis stürmten.

1000 Häftlinge konnten fliehen

"Sie haben eine Autobombe gezündet, dabei sind viele Menschen verletzt worden", erzählt ein Passant. Niemand hätte helfen können, weil es unmittelbar danach weitere Explosionen gegeben habe, außerdem heftige Feuergefechte zwischen den Extremisten und dem Wachpersonal. "Zum Glück sind unsere Soldaten schnell eingetroffen", berichtet der Zeuge.

Nach Angaben von Provinzsprecher Khugyani sind rund 2000 Häftlinge in dem Gefängnis in Dschalalabad gewesen, mehrere Hundert davon Anhänger des IS. Ungefähr 1000 Insassen hätten fliehen können. Doch die meisten seien inzwischen wieder gefasst worden.

Khugyani bedauert, dass es so viele Opfer gegeben habe: "Neben einigen Insassen sind auch Zivilisten, Kinder und Wachmänner getötet worden." Nach Angaben eines Krankenhaus-Sprechers schweben von den mehr als 40 Verletzten viele in Lebensgefahr.

Terrormiliz bekennt sich zu Anschlag

Der "Islamische Staat Khorasan" bekannte sich zu der Tat. Das ist ein Zweig des Islamischen Staates, der in Afghanistan und anderen Ländern in Südasien aktiv ist. Dabei hatte der afghanische Präsident Aschraf Ghani erst im vergangenen November bei einer Pressekonferenz stolz gesagt: "Noch vor einem Jahr hätte niemand daran geglaubt, aber heute ist es offensichtlich, wir haben den ‚Islamischen Staat‘ ausgelöscht."

Damals hatten sich zahlreiche Kämpfer ergeben. Aber bis heute reklamiert der sogenannte "Islamische Staat" in Afghanistan zahlreiche Attentate für sich. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen befinden sich noch etwa 2200 IS-Kämpfer in Afghanistan.

Taliban und Regierung vereinbarten Waffenruhe

Wegen des islamischen Opferfestes herrscht zwischen einer weiteren extremen Gruppierung im Land - den radikal-islamischen Taliban - und der afghanischen Regierung gerade eine dreitägige Waffenruhe. Beide Seiten sagen, sie seien bereit, bald in Verhandlungen zu treten, um Friedensgespräche zu beginnen. Das war eigentlich schon längst vorgesehen.

Ende Februar hatten die USA und die Taliban ein Abkommen unterzeichnet, das vorsieht, dass Amerika zunächst die Truppen reduziert und bald vollständig abziehen wird. Im Gegenzug hatten die Taliban garantiert, dass sie Friedensgespräche führen würden und die Gewalt im Land reduzieren wollten.

Langfristiges Ziel ist es, ein Abkommen auf den Weg zu bringen, das zum Frieden in Afghanistan führen soll. Bislang allerdings haben nicht einmal die ersten gemeinsamen Gespräche zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban stattgefunden.

Viele Tote und Verletzte bei Angriff auf Gefängnis in Afghanistan
Silke Diettrich, ARD Neu-Delhi
03.08.2020 14:42 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 03. August 2020 um 17:36 Uhr.

Darstellung: