Griechenland mit der Insel Lesbos und die Türkei mit den Städten Istanbul und Izmir

Zwischen Ayvalik und Lesbos Sechs Türken auf der Flucht ertrunken

Stand: 29.07.2018 14:18 Uhr

16 Türken haben vergeblich versucht, mit einem Boot nach Lesbos zu fliehen. Sechs von ihnen ertranken, als das Boot kenterte. Das Unglück wirft viele Fragen auf.

Von Michael Lehmann, ARD-Studio Athen

Auch Stunden nach dem Unglück sind nur wenige Details über die 16 Menschen bekannt, die von der türkischen Provinzstadt Ayvalik aus mit einem Boot auf die griechische Seite zur Insel Lesbos flüchten wollten. Einem Bericht des Fernsehsenders CNN zufolge soll es sich um türkische Staatsbürger handeln.

Nach dem Kentern ihres Bootes ertranken sechs von ihnen, darunter angeblich drei Kleinkinder. Die türkische Küstenwache habe neun Menschen gerettet, eine Person werde vermisst.

Angeblich handelt es sich um Gülen-Anhänger

Da es sich um den Fluchtversuch von Gülen-Anhängern handeln soll, ist der Fall für die türkische Polizei und die Behörden extrem sensibel. Anhängern der Gülen-Bewegung sollen für den Putschversuch gegen den jetzigen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan verantwortlich sein. Sie werden seitdem in der Türkei wegen Terrorunterstützung verfolgt.

Auf griechischer Seite hat die Küstenwache zu dem Unglück keine weiteren Informationen. Das Boot soll sich aber definitiv noch in türkischen Gewässern befunden haben.

Unglück angesichts des Wetters rätselhaft

Die Überfahrt von Ayvalik nach Lesbos ist nicht die kürzeste, die es auf die griechischen Inseln gibt. Viele Flüchtlinge wählten in den vergangenen Jahren kürzere Routen nördlich von Lesbos. Da dieser Ort auf türkischer Seite aber relativ streng kontrolliert wird, könnten die türkischen Gülen-Anhänger bewusst als Startpunkt für ihren Fluchtversuch einen weniger auffälligen, aber weiter von Griechenland entfernten Ort bevorzugt haben. Warum ihr Boot verunglückte, scheint rätselhaft. Zurzeit ist in der Ägäis relativ ruhiges Sommerwetter.

Vor gut einer Woche war am Grenzfluss Evros im Nordosten Griechenlands eine türkische Mutter mit drei kleinen Kindern tödlich verunglückt. Sie war in der Türkei aus dem Staatsdienst entlassen worden und wollte ebenfalls mit einem Schlauchboot nach Griechenland flüchten. Der Vater der Familie und einige andere Türken konnten sich ans griechische Ufer retten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk24 am 29. Juli 2018 um 12:00 Uhr.

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