Screenshot CNN

Syrischer Überläufer liefert Fotos an Medien Tausende Häftlinge zu Tode gequält?

Stand: 21.01.2014 10:52 Uhr

In syrischen Gefängnissen sollen internationalen Rechtsexperten zufolge Tausende Häftlinge systematisch gefoltert und zu Tode gequält worden sein. Dem britischen "Guardian" sowie dem Sender CNN liegt ein Bericht von Human Rights Watch vor, der sich auf Aussagen eines nach eigenen Angaben übergelaufenen syrischen Polizei-Fotografen stützt.

Dieser habe demnach rund 27.000 Bilder von 11.000 toten Häftlingen auf Datenträgern aus dem Land geschmuggelt, die er selbst fotografiert haben will. Insgesamt werteten die Autoren des Berichts etwa 55.000 Fotos aus.

Den Bericht verfassten der frühere Chefankläger des Kriegsverbrechertribunals für Sierra Leone, Desmond de Silva, der Ankläger im Prozess gegen den früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic, Geoffrey Nice, sowie David Crane, der den liberianischen Präsidenten Charles Taylor angeklagt hat. Sie stuften die Aussagen des Überläufers sowie die Fotos als authentisch ein.

Häftlinge hatten keine Augen mehr

Die Bilder seien "ein direkter Beweis für Tötungen im industriellen Ausmaß" durch die Regierung von Staatschef Baschar al Assad, sagte de Silva dem "Guardian". Es dokumentiere zudem den direkten Zusammenhang von Folter und Gefangenentötung. "Das ist die Art von Indizien, nach der jeder Staatsanwalt sucht und auf die jeder Staatsanwalt hofft", sagte Crane.

Im Bericht werden die Foltermerkmale gezeigt und beschrieben - hier die Zeichen einer Strangulation am Hals eines Mannes.
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Im Bericht werden die Foltermerkmale benannt - hier die Zeichen einer Strangulation am Hals eines Mannes.

Einige der toten Häftlinge auf den Bildern hätten keine Augen mehr, andere seien augenscheinlich stranguliert oder mit Elektroschocks getötet worden, wie es in dem Bericht hieß. Viele Gefangene seien ausgemergelt gewesen, andere zeigten Spuren von Schlägen mit Stangen oder anderen Gegenständen.

Der Überläufer blieb aus Sicherheitsgründen anonym, wurde in den Medien als "Caesar" bezeichnet. Er gab den Experten zufolge an, dass die Leichen der in Gefangenschaft Gestorbenen ins Militärkrankenhaus gebracht wurden, um dort fotografiert zu werden. Dies sei seine Aufgabe gewesen. Den Familien sollte anhand der Fotos der Tod ihres Angehörigen dokumentiert werden, ohne dass sie die Leiche zu Gesicht bekommen hätten. Auf dem Totenschein, der ihnen ausgehändigt wurde, sei stets eine natürliche Todesursache wie Herz- oder Atemwegsversagen angegeben gewesen. Die Opfer seien in anonymen Massengräbern verscharrt worden.

Die Autoren stellten das Material nach eigenen Angaben den Vereinten Nationen, Regierungsvertretern und Menschenrechtsgruppen zur Verfügung.

Vorwürfe wegen Kriegsverbrechen

Überlebende, die USA und andere westliche Regierungen werfen dem syrischen Staatschef Assad schon länger vor, beim Kampf gegen die Rebellen Kriegsverbrechen begangen zu haben. Der Machthaber weist dies von sich und hat wiederholt erklärt, gegen Terroristen vorzugehen. Die Aufnahmen dürften den Druck auf Assad kurz vor Beginn einer Friedenskonferenz im schweizerischen Montreux erhöhen.

Sollte es je zu einem Verfahren vor dem Internationalen Strafgericht (IStG) gegen Assad und seine Handlanger kommen, könnten "Caesars" Unterlagen zu wichtigen Beweisen werden.

Der syrische Bürgerkrieg hatte im März 2011 mit Protesten gegen die Regierung begonnen. Am Mittwoch soll in der Schweiz eine Friedenskonferenz beginnen, die Vertreter der Regierung und der Opposition an einen Tisch bringen will.

Das Erste zeigt heute Nacht um 00:20 Uhr die Dokumention "Die Terrorfront in Syrien" eines Rechercheteams von "Report München".

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