Polizisten in Nizza riegeln den Tatort ab. | Bildquelle: AFP

Tote und Verletzte bei Angriffen Höchste Terrorwarnstufe in Frankreich

Stand: 29.10.2020 15:47 Uhr

Frankreich kommt nicht zur Ruhe: Bei weiteren Angriffen mutmaßlicher Islamisten gibt es Tote und Verletzte. In Nizza erstach ein Mann drei Menschen. Andernorts wurden Angreifer von Sicherheitskräften gestoppt.

Neue Angriffe mutmaßlicher Islamisten schockieren Frankreich. Bei einer Messerattacke in Nizza sind nach Angaben der Polizei drei Menschen getötet worden. Auch in der Nähe der südfranzösischen Stadt Avignon hat offenbar ein Islamist Passanten bedroht, der Mann wurde von der Polizei erschossen. Und am französischen Konsulat in Dschidda in Saudi-Arabien griff ein Mann einen Sicherheitsbeamten an. Der Täter wurde festgenommen. Die französische Regierung rief die höchste Terrorwarnstufe aus.

In der größten Kirche der Mittelmeer-Stadt Nizza seien drei Menschen mit einem Messer getötet worden, teilte die Polizei mit. Sechs weitere wurden verletzt. Nizzas Bürgermeister Christian Estrosi twitterte, der mutmaßliche Täter sei festgenommen worden. Er sei bei der Festnahme verletzt und ins Krankenhaus gebracht worden.

Friederike Hofmann, ARD Paris, über den Messerangriff in Nizza: Frankreich ruft höchste Terrorwarnstufe aus
tagesschau24 16:00 Uhr, 29.10.2020

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Mann war offenbar Einzeltäter

Nach ersten Kenntnissen handelte der mutmaßliche Angreifer allein. Estrosi zufolge gleicht die Tat einem terroristischen Anschlag. "Ohne Zweifel" passe die Art und Weise zu dem Mord am Geschichtslehrer Samuel Paty vor wenigen Tagen.

Der Angreifer habe bei seiner Festnahme mehrfach "Allahu Akbar" ("Gott ist groß") gerufen, sagte der Bürgermeister. Die Geste des Mannes habe "keinen Zweifel" gelassen.

Macron besucht Tatort

Die französische Anti-Terror-Staatsanwaltschaft zog die Ermittlungen an sich. Staatspräsident Emmanuel Macron traf am Nachmittag in Nizza ein, um den Tatort zu besuchen. Er wollte unter anderem mit Sicherheitskräften sprechen.

Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin hatte mehrfach vor einer hohen Terrorgefahr im Land gewarnt. Vor zwei Wochen war der Lehrer Paty in einem Vorort von Paris enthauptet worden. Er hatte im Unterricht über Meinungsfreiheit die umstrittenen Mohammed-Karikaturen verwandt, die manche Muslime als Blasphemie werten. Das Verbrechen hatte im ganzen Land Entsetzen ausgelöst. Es waren Zehntausende auf die Straße gegangen, um sich solidarisch zu zeigen.

Religionsvertreter fordern Ende der Gewalt

Papst Franziskus bekundete den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl. "Es ist ein Moment des Schmerzes in einer Zeit der Verwirrung. Terrorismus und Gewalt können niemals akzeptiert werden", schrieb Vatikansprecher Matteo Bruni. Das katholische Kirchenoberhaupt bete, dass die Gewalt aufhöre.

Mehrere Islamverbände verurteilten den Messerangriff. Der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, erklärte: "Wer Mord und Terror über die Menschen bringt, der hat sich an der Menschheit vergangen, der hat sich an Gott vergangen - der hat Verrat an unser aller Zivilisation und den Werten jeder Religion begangen, der hat gegen Koran und den Propheten gehandelt."

Auch Türkei verurteilt den Angriff

Mehrere Staaten wie Spanien, Italien, die Niederlande und Russland sicherten Frankreich ihre Solidarität im Kampf gegen Extremismus zu. Auch Bundeskanzlerin Merkel zeigte sich entsetzt.

Die Türkei verurteilte die Messerattacke als grausamen Angriff. Das Außenministerium in Ankara erklärte, der mutmaßlich islamistische Angriff in der Kirche Notre-Dame widerspreche allen religiösen, menschlichen oder moralischen Werten. Die Beileidsbekundung Ankaras erfolgt nach tagelangen diplomatischen Spannungen zwischen der Türkei und Frankreich.

Angreifer bei Avignon erschossen

Der Hörfunksender Europe 1 meldete, auch der Angreifer nahe der Stadt Avignon habe "Allahu Akbar" gerufen. Der Mann habe in dem Ort Montfavet mehrere Menschen mit einer Pistole bedroht, teilten die Behörden mit.

Die Polizei erschoss den Mann. Weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht genannt.

Attacke auf Konsulat in Saudi-Arabien

Bei dem Angriff auf das französische Konsulat im saudi-arabischen Dschidda wurde ein Wachmann verletzt. Der einheimische Täter sei festgenommen worden, teilte die französische Botschaft in dem Land mit. Der Wachmann sei ins Krankenhaus gebracht worden, Lebensgefahr bestehe nicht.

Die Botschaft rief alle Franzosen in Saudi-Arabien zu erhöhter Wachsamkeit auf. Einen Hinweis auf den Hintergrund der Attacke gab es zunächst nicht. Paris hatte zuvor Warnungen für Franzosen in der Türkei, in Bangladesch und Indonesien ausgesprochen. Hintergrund sind die Spannungen zwischen Frankreich und vielen muslimischen Ländern wegen der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen. 

Mit Informationen von Marcel Wagner, ARD-Studio Paris

Mehrere Tote in Kirche in Nizza
Marcel Wagner, ARD Paris
29.10.2020 11:01 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Oktober 2020 um 12:00 Uhr.

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