Eine Frau schwenkt eine französische Flagge aus einem Fenster in Saint-Mande in der Nähe von Paris, Frankreich. | Bildquelle: REUTERS

Trotz Rekord bei Infektionszahlen Frankreich will Lockdown vermeiden

Stand: 11.09.2020 20:47 Uhr

Obwohl die Zahl der neuen Corona-Fälle in Frankreich auf ein Rekordhoch gestiegen ist, möchte die Regierung neue Ausgangsbeschränkungen unbedingt umgehen. Premier Castex fordert stattdessen, bestehende Regeln einzuhalten.

Angesichts der massiv gestiegenen Corona-Infektionszahlen will die französische Regierung alles tun, um einen neuen landesweiten Lockdown zu verhindern. Premierminister Jean Castex sagte nach einer Krisensitzung unter Leitung von Präsident Emmanuel Macron, es werde vorerst keine "allgemeinen Ausgangsbeschränkungen" geben. Stattdessen rief er die Behörden in besonders betroffenen Städten wie Marseille und Bordeaux sowie im Überseegebiet Gouadeloupe auf, bis Montag örtlich begrenzte Maßnahmen vorzuschlagen. 

Frankreich ist von der Pandemie schwer getroffen. Am Donnerstag wurden binnen 24 Stunden knapp 10.000 neue Infektionen verzeichnet - dies ist die höchste Zahl seit Beginn der Corona-Krise. Und auch heute lagen die Neuinfektionen laut Gesundheitsminister mit 9.406 auf hohem Niveau. Allerdings gibt es - wie in vielen anderen Ländern auch - deutlich mehr Tests als noch im Frühjahr. Castex sprach von einer "deutlichen Verschlechterung" der Situation. Der Corona-Warnwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche ist im Landesschnitt mit 72 Fällen deutlich überschritten.

Premier appelliert an Verantwortungsbewusstsein

Viele Franzosen hatten die Verhängung strengerer Regeln erwartet - etwa regionale Ausgangsbeschränkungen oder Schließungen von Restaurants. Stattdessen appellierte Castex nun vorrangig an das Verantwortungsbewusstsein seiner Landsleute. Er mahnte unter anderem, Abstandsregeln und Quarantänen einzuhalten. "Das Virus zirkuliert mehr und mehr in Frankreich. Das Morgen hängt von Ihnen ab, von uns."

Castex kündigte an, dass die Quarantänezeit für Corona-Kontaktpersonen von 14 auf 7 Tage verkürzt wird. Außerdem gelten nun insgesamt 42 Départements als Risikogebiete. Zuvor waren es knapp 30. Das heißt, dass die Behörden vor Ort die Möglichkeit haben, Maßnahmen zu ergreifen, die das öffentliche Leben einschränken. Zu diesen sogenannten roten Zonen zählen etwa der Großraum Paris und weite Teile der Mittelmeerküste.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. September 2020 um 20:00 Uhr.

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