Menschen suchen am Strand von Capbreton in Frankreich, an dem im November 2019 zahlreiche Kokainpäckchen angeschwemmt wurden. | Bildquelle: AFP

Kokspäckchen angespült Frankreichs "weiße" Strände

Stand: 12.11.2019 20:45 Uhr

Es klingt skurril: An der französischen Atlantikküste landen seit Wochen Pakete mit Koks am Strand. Woher das berauschende und äußerst gefährliche Strandgut stammt, ist bislang ein Rätsel.

Von Sabine Wachs, ARD-Studio Paris

Der Strand von Lacanau, knapp 40 Kilometer nordöstlich von Bordeaux, ist mit grauen Gittern abgesperrt. Ein großes Schild mit einem gelb-roten Warndreieck und der Aufschrift "Gefahr! Betreten verboten" wurde am Gitter angebracht. Polizeifahrzeuge rollen über den Strand.

In Lacanau und an vielen anderen Stränden der französischen Atlantikküste werden seit Wochen große, weiße Päckchen angespült - reines Kokain.

Bereits rund 870 Kilo angeschwemmt

"Ich habe ein Päckchen gefunden, hier am Strand, und wusste nicht, was das ist", erzählt Spaziergängerin Martine der Zeitung "Le Parisien": "Es lagen viele solcher Päckchen herum und wir hatten schon gemutmaßt, dass das Drogen sein könnten. Dann erst haben wir die Polizisten gesehen. Wir haben sie gerufen und sie haben das Paket mitgenommen."

870 Kilogramm Koks wurden nach Angaben aus Ermittlerkreisen seit dem 18. Oktober an den französischen Atlantikstränden sichergestellt. Die Päckchen haben die Größe eines Schuhkartons, sind in Plastikfolie gewickelt, Diamant steht auf einigen geschrieben. Ihr Gewicht variiert zwischen einem und zehn Kilogramm.

Ein etwas anderer Strandbesuch

Das berauschende Strandgut lockt viele Menschen an die Strände: "Wir suchen hier die Pakete mit dem Mehl", scherzt ein Spaziergänger. Mehr als 800 Kilo Koks an französischen Stränden, das sei doch völlig absurd.

Die Polizei und die Staatsanwaltschaft können über die angespülten Drogen überhaupt nicht lachen und warnen vor den Koks-Päckchen. "Das Rauschgift in den Paketen ist extrem gefährlich, denn es ist extrem rein. Niemand sollte die Drogen konsumieren. Eine tödliche Überdosis wäre die Folge", erklärt Philippe Astruc, der zuständige Staatsanwalt.

Hohe Haftstrafen für Drogenbesitz

Außerdem warnt er die Bevölkerung davor, die Päckchen einfach einzupacken. Einem 17-Jährigen aus Lacanau wurde das schon zum Verhängnis. Die Polizei verhaftete den Jugendlichen mit fünf Kilogramm Kokain, die er am Strand gefunden hatte. Wer mit Drogen in solchen Mengen erwischt wird, dem drohen im Extremfall bis zu zehn Jahre Gefängnis.

Noch ist völlig unklar, woher das Kokain stammt, das seit Wochen an die französische Atlantikküste geschwemmt wird. Die Ermittler vermuten, es könne bei einem Sturm von Bord eines Schiffes gespült worden, oder bei einem Schiffsunglück ins Meer gelangt sein.

Petri High - Koks als Strandgut an französischen Atlantikstränden
Sabine Wachs, ARD Paris
12.11.2019 19:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 13. November 2019 um 08:15 Uhr.

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