Steigende Infektionszahlen Landesweiter Lockdown in Frankreich?

Stand: 26.02.2021 18:18 Uhr

Die Lage verschlechtert sich zusehends, die Rufe nach einem landesweiten Lockdown in Frankreich werden lauter. Doch die Regierung zögert - und will die Maßnahmen lieber lokal verschärfen. Notfallmediziner schlagen Alarm.

In Frankreich mehren sich Forderungen nach einem landesweiten Lockdown. Das Land werde um neue Beschränkungen nicht herumkommen, sagte Philippe Juvin, der die Notfallabteilung des Pariser Georges-Pompidou-Krankenhauses leitet, dem Sender BFM TV. "Ich verstehe nicht, worauf wir warten."

Die Lage in den Krankenhäusern im Großraum Paris sei sehr angespannt. "Wir kommen dem Höhepunkt der Epidemie immer näher", sagte der Notfallmediziner Juvin. "Für jeden Tag, der vergeht, ohne dass eine Entscheidung gefällt wird, ist ein hoher Preis zu zahlen." Juvin verwies auf eine Studie, nach der 13.000 Menschenleben hätten gerettet werden können, wenn der Lockdown, der in Frankreich von März bis Mai 2020 verhängt wurde, eine Woche früher gekommen wäre. Die Studie zeigt auch, dass bei einer Verschiebung der Maßnahmen um eine Woche möglicherweise 53.000 weitere Menschen gestorben wären.

"Verstärkte Überwachung" von 20 Regionen

Frankreichs Ministerpräsident Jean Castex schloss angesichts der wieder steigenden Infektionszahlen schärfere Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus nicht aus. Denkbar wären ab Anfang März etwa Lockdowns an den Wochenenden in Paris und anderen besonders betroffenen Departements, erklärte er am Donnerstagabend. Ein landesweiter Lockdown stehe aber nicht zur Debatte.

Castex ordnete für 20 Regionen eine "verstärkte Überwachung" des Infektionsgeschehens an. Wenn sich die Situation dort verschlechtere, könnten die Corona-Beschränkungen nochmals verschärft werden. Betroffen sind neben der Region Paris vor allem Gebiete im Norden und Südosten des Landes.

Paris will strikten dreiwöchigen Lockdown

In der Hauptstadt Paris denkt die Stadtverwaltung nach eigenen Angaben über die Verhängung eines strikten dreiwöchigen Lockdowns nach. Dies solle geschehen "mit der Perspektive, danach alles wieder öffnen zu können". Dazu könnten dann auch Restaurants, Bars und Kultureinrichtungen zählen.

Gesundheitsminister Olivier Veran erklärte, im Verlauf der letzten Woche habe Frankreich sämtliche Fortschritte eingebüßt, die es in den zwei Wochen davor bei der Bekämpfung der Pandemie gemacht habe. Grund sei die Ausbreitung der ansteckenderen Virusmutationen. Allein am Donnerstag seien etwa 25.000 Neuinfektionen bestätigt worden, 3000 mehr als vor einer Woche.

Hälfte der Infektionen mit britischer Mutation

Regierungschef Castex sagte, dass rund die Hälfte der Corona-Infektionen in Frankreich inzwischen auf der erstmals in Großbritannien aufgetretenen Mutante des Virus beruhe. Da diese Mutante ansteckender sei als die ursprüngliche Variante des Coronavirus drohe jederzeit ein "neues epidemiologisches Aufflammen". Die Entwicklung "erlaubt uns derzeit keine Lockerungen", so Castex.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Februar 2021 um 17:00 Uhr in den Nachrichten.

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