leere Café-Tische in Paris

Frankreich lockert Coronaregeln Endlich wieder ins Café

Stand: 28.05.2020 20:55 Uhr

Seit 55 Tagen gilt eine strikte Ausgangssperre in Frankreich. Doch Dienstag nach Pfingsten dürfen überall wieder Cafés, Restaurants oder Bars öffnen. Und auch dem Sommerurlaub steht nichts mehr im Wege.

 Von Sabine Wachs, ARD-Studio Paris

Sehnlichst haben viele Menschen in Frankreich auf weitreichende Lockerungen gewartet. Dass die Ankündigungen von Premierminister Philippe dann aber tatsächlich diese Erwartungen erfüllen werden, hatte wohl kaum einer zu hoffen gewagt. Denn auch nach den ersten vorsichtigen Lockerungen vom 11. Mai galten strikte Beschränkungen. Zum Beispiel durften sich die Menschen nur mit triftigem Grund mehr als 100 Kilometer von ihrem Wohnort entfernen. Ab 2. Juni ist das nun passé, kündigt der Premier an.

"In dieser zweiten Etappe der Lockerungen wird die Freiheit endlich wieder zur Regel, Verbote werden wieder zu Ausnahmen.“

Französische Corona-App startet

Pünktlich zu den Lockerungen kommt in Frankreich eine Corona-Warn-App mit dem Namen "StopCovid" heraus. Die Bürger können sie ab dem Wochenende auf freiwilliger Basis auf ihre Handys laden.
In Deutschland hat sich die Entwicklung einer ähnlichen Anwendung verzögert, sie wird frühestens für Mitte Juni erwartet.
Die französische App warnt Nutzer, wenn sie sich in der Nähe von Corona-Infizierten aufgehalten haben. Dafür wird die drahtlose Bluetooth-Technologie genutzt. Nach der französischen Datenschutzbehörde Cnil stimmte auch das Parlament der App mehrheitlich zu.

Soziales Leben kann wieder anlaufen

Im Klartext heißt das, dass in Frankreich ein großer Teil des sozialen Lebens unter strikten Hygienemaßnahmen wieder anlaufen kann. Bars, Cafés und Restaurants dürfen ab 2. Juni wieder öffnen. Auch im Großraum Paris, der nun nach dem im Land üblichen Ampel-Warnsystem als "orange" gekennzeichnet ist, denn das Virus zirkuliert hier noch etwas stärker, als im Rest des Landes, dürfen die Gastronomen immerhin ihre Stühle raus stellen und die Terrassen öffnen.

"Die Touristenunterkünfte, Jugendherbergen und Campingplätze können ab dem 2. Juni wieder öffnen", sagte Philippe. "Außer in den Départements, wo das Virus noch nicht ganz so eingedämmt ist und unter Einhaltung der Hygienevorschriften. Ab dem Wochenende dürfen im ganzen Land Parks und Gärten öffnen und ab dem 2. Juni werden alle Strände wieder geöffnet."

Sommerurlaub steht nichts mehr im Weg

Einem Sommerurlaub am französischen Atlantikstrand oder an der Côte d’Azur steht also nichts im Wege, solange die Infektionszahlen nicht mehr in die Höhe schnellen. Deutsche und andere ausländische Touristen allerdings müssen sich noch bis Mitte Juni gedulden.

"Innerhalb von Europa gehen die Infektionszahlen zurück", so Philippe. "Das gilt für Frankreich und alle anderen Länder. Und deshalb sind wir auch dafür, dass ab dem 15. Juni die innereuropäischen Grenzen wieder geöffnet werden und Einreisende aus EU-Ländern nicht in Quarantäne müssen." 

Grenze zu Deutschland soll am 15. Juni öffnen

Noch dürfen nämlich nur die Menschen nach Frankreich einreisen, die einen triftigen Grund haben. Vor allem an der deutsch-französischen Grenze führt das seit Mitte März zu massiven Problemen. Die deutsch-französische parlamentarische Versammlung, die zeitgleich zur Rede des Premierministers tagte, forderte daher auch, die Grenze zwischen Frankreich und Deutschland sofort zu öffnen. Sowohl das Infektionsgeschehen, als auch die Lockerungen seien auf beiden Seiten ähnlich. Außerdem setzen Frankreich und Deutschland nun auch ähnliche Parameter an, wenn es darum geht, Lockerungen langsamer durchzuführen, oder Beschränkungen wieder zu verschärfen:

"Die Entwicklung der Pandemie wird unter anderem am Faktor der Infizierten Personen pro 100.000 Einwohner gemessen", erklärte Frankreichs Gesundheitsminister Olivier Véran. "Infizieren sich mehr als 50 Menschen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche, dann werden wir regional Maßnahmen ergreifen. Das handhaben auch unsere Nachbarländer, wie zum Beispiel Deutschland so."

Zusammen mit Premierminster Philippe mahnte der Gesundheitsminister die Französinnen und Franzosen trotz der weitreichenden Lockerungen weiter zur Vorsicht. Das Virus sei noch immer da. Daher gilt in Frankreich auch weiter eine Maskenpflicht in Bussen und Bahnen, auch die Abstandsregel im öffentlichen Raum von 1,5 Metern muss weiter eingehalten werden. In den kommenden Wochen will die Regierung die Infektionszahlen genau beobachten und am 22. Juni entscheiden, ob es weitere Lockerungen geben wird.

Weitere Lockerungen in Frankreich
Sabine Wachs, ARD Paris
28.05.2020 20:55 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Mai 2020 um 20:00 Uhr.

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Sabine Wachs, SR

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