Demonstranten auf dem  Champs de Mars vor dem Eiffel-Turm. | Bildquelle: AFP

Demos gegen Polizeigewalt Tausende auf Frankreichs Straßen

Stand: 07.06.2020 00:40 Uhr

In Frankreich kam es in etlichen Städten zu erneuten Demonstrationen gegen rassistische Polizeigewalt. Es ist nicht nur der Fall Floyd, der die Menschen auf die Straßen treibt, sondern auch die Verhältnisse im eigenem Land.

Von Martin Bohne, ARD-Studio Paris

Auch in Frankreich kam es heute in etlichen Städten zu erneuten Demonstrationen gegen rassistische Polizeigewalt. Während die Kundgebung in Lyon von der Polizei genehmigt worden war, hatte der Polizeipräfekt von Paris die Proteste untersagt. Die Polizei griff allerdings nicht ein und die Proteste verliefen friedlich. Lediglich in Marseille kam es nach der Kundgebung zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und einigen Demonstranten.  Nach Angaben des Innenministeriums beteiligten sich rund 23.000 Menschen an den Protesten, davon 5500 in Paris.

Hunderte Demonstranten hatten sich am frühen Abend auf dem Pariser Marsfeld niedergekniet und die Fäuste gereckt. Wie so viele Menschen es weltweit derzeit auch tun, um ein Zeichen der Solidarität mit George Floyd zu setzen. der junge US-Amerikaner kam ums Leben , nachdem ein Polizist minutenlang auf seinem Hals gekniet hatte.

Vorwürfe gegen Beamte

Frankreich hat auch seinen George Floyd. Adama Traoré, der 2016 unter ähnlichen Umständen nach einem Polizeieinsatz in einem Pariser Vorort starb. Auf vielen Plakaten stand: Gerechtigkeit für Adama. Ein von seiner Familie in Auftrag gegebenes Gutachten kam vor wenigen Tagen zu dem Ergebnis, dass die Beamten den jungen Schwarzen erstickt hatten. Das ist allerdings umstritten, die juristische Aufarbeitung des Falles steht noch aus.

Es war die Schwester von Adama Traoré, die zusammen mit Angehörigen anderer Polizeiopfer zu der Kundgebung auf dem Marsfeld in Sichtweite des Eiffelsturms aufgerufen hat. Auch sehr viele Weiße waren gekommen, darunter auch der Student Romain: "Ich will Gerechtigkeit für Adama, eine Polizei, die nicht rassistisch ist." Und Charlotte will ausdrücken, dass die Polizei zu viel und zu oft Gewalt anwendet. Und das reiche nun.

Gewalt ist Alltag in den Vorstädten

Charlotte ist mit mehreren farbigen Freunden gekommen. Felipe fragt sich, warum Frankreich erst jetzt aufwache. Schließlich  sei die rassistische Polizeigewalt kein neues Phänomen, besonders nicht in den Vorstädten von Paris.

"In Saint-Denis gab es immer Gewalt gegen die Schwarzen und die Araber. Während der Ausgangssperre hat sich das jetzt noch verzehnfacht", sagt er. Er kenne viele Leute, die bestraft worden seien, obwohl sie alle notwendigen Dokumente gehabt hätten. "George Floyd und Adama sind die Symbole, das wir nun kämpfen müssen."

Die Polizei hielt sich zurück

Eigentlich hätte es die Kundgebung auf dem Marsfeld gar nicht geben dürfen. Der Pariser Polizeipräfekt hatte sie verboten, ebenso wie einen Protest vor der amerikanischen Botschaft, nahe des Place de la Concorde. Mit Verweis auf die bestehenden Corona-Kontaktbeschränkungen. Treffen von mehr als zehn Menschen sind derzeit in Frankreich verboten. Und die Ordnungskräfte hatten auch ihr ganzes Arsenal aufgefahren: Beamte in voller Schutzausrüstung, Beamte zu Pferde, Motorradstaffeln mit Blaulicht, Einsatzwagen überall in der Innenstadt.

Aber die Polizei hielt sich zurück, obwohl bestimmt mehrere tausend Demonstranten zusammenkamen. Und auch deren Protest verlief friedlich. In Paris ebenso wie in Lyon, Marseille, Bordeaux und weiteren französischen Städten. Das ist durchaus keine Selbstverständlichkeit. Nur zu oft war es in der letzten Zeit bei Demonstration der Gelbwesten und der Rentenreformgegner zu schweren Ausschreitungen und Zusammenstößen mit den Ordnungskräften gekommen.

Demos gegen rassistische Polizeigewalt in Frankreich
Martin Bohne, ARD Paris
06.06.2020 23:38 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 07. Juni 2020 um 09:06 Uhr.

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