Unterricht in einer Schule in Paris | Bildquelle: picture alliance / abaca

Umgang mit Corona Frankreichs Schulen bleiben offen

Stand: 04.01.2021 13:17 Uhr

Während in Deutschland beraten wird, wann und wie Schulen und Kitas wieder öffnen sollen, hat in Frankreich der Lehrbetrieb nach den Weihnachtsferien wieder begonnen. Die Regierung verfolgt eine klare Linie.

Von Marcel Wagner, ARD-Studio Paris

Auf der Rue de la Bienfaisance im achten Pariser Arrondissement herrscht Alltagstrubel an diesem Montagmorgen. Wie überall im Land ist heute auch hier "rentrée", Schulbeginn nach den Weihnachtsferien. Vor dem Kindergarten und der Grundschule, die wie immer mehrere hundert Kinder empfangen, stehen Eltern und Schüler dicht gedrängt.

Camille, die an der Grundschule im Elternbeirat sitzt, sieht darin kein Problem:

"Ich bin absolut nicht gegen die Schulöffnung. Die Schulen ergreifen viele Vorkehrungen und haben ein striktes Protokoll. Die Kinder sind sowieso disziplinierter als die Erwachsenen. Deshalb bin ich dafür, dass das Leben wieder losgeht und wir gleichzeitig acht geben."

Damit ist Camille ziemlich auf einer Linie mit Jean-Michel Blanquer, dem französischen Bildungsminister. Der kann, anders als seine deutsche Kollegin, quasi allein über die Öffnung der Schulen entscheiden und hat gestern noch einmal im Fernsehinterview bekräftigt: "Die Kinder werden morgen wie geplant zur Schule gehen."

"Wir wägen ab"

Natürlich gebe es auch in Frankreich unterschiedliche Einschätzungen der Lage, so der Bildungsminister. Und natürlich werde die Regierung die Situation sehr genau beobachten, vor allem Oberstufenschüler auch verstärkt testen und notfalls reagieren. Doch alles in allem bleibe Frankreich seiner seit dem Sommer verfolgten Linie treu: "Wir wägen ab. Auf der einen Seite haben wir natürlich die Covid-Situation. Aber auf der anderen Seite steht vieles andere auf dem Spiel. Und die Schüler haben einen gewaltigen Nutzen, wenn sie zur Schule gehen und wenn sie nicht hinkönnen, sind die Risiken groß."

Die Erfahrungen, die Frankreich dabei gemacht hat, sprechen ein klare Sprache: Anfang November verzeichnete das Land im Schnitt fast 50.000 Neuinfektionen am Tag. Die Regierung verordnete einen extrem strikten Lockdown mit harten Ausgangsbeschränkungen, entschied sich aber schon seinerzeit dafür, sämtliche Kitas, Kindergärten und Schulen geöffnet zu halten.

Nur in manchen Oberstufen Wechselunterricht

Lediglich in einem Teil der Oberstufen gab es, so wie jetzt, Wechselunterricht. Die Fallzahlen sanken trotzdem drastisch, innerhalb eines Monats auf rund 10.000 Neuinfektionen am Tag und stiegen erst wieder an, als der Lockdown deutlich gelockert wurde. Die Bildungseinrichtungen hatten sich also keineswegs als Treiber der Pandemie gezeigt.

Trotzdem gibt es auch Mahnungen, etwa von Seiten der Lehrergewerkschaft Snes-FSU: "Wir müssen die Schüler sicher noch stärker testen und auch die Möglichkeit geben, Lerngruppen etwa auch an den Collèges zu verkleinern", forderte die Snes-Sprecherin Sophie Vénétitay im Radiosender Franceinfo.

Florence hat ihren Sohn gerade an der Bienfaisance-Schule abgeliefert und ist sehr froh darüber. Die dreifache Mutter ist selbst in Paris Lehrerin an einem Collèges, einer Schule für die Zehn- bis 15-Jährigen. Wie alle Kollegen an ihrer Schule will sie von einer Klassenteilung nichts wissen:

"Für uns als Lehrkräfte ist es einfach wichtig, unsere Schüler unterrichten zu können. Wir wollen nicht noch einmal wie im Frühjahr Fernunterricht geben müssen. Das war echt schlimm und viele Schüler sind abgehängt worden. Es ist viel besser, sie vor uns zu haben. Solange wir Präsenzunterricht machen können, sind wir zufrieden!"

"Läuft seit dem Sommer sehr gut"

Auch unter ihren Schülern habe es schon einige Covid-Fälle gegeben, erzählt Florence. "Ehrlich gesagt läuft das seit dem Sommer sehr gut. Ab und zu waren mal ein oder zwei Schüler abwesend. Aber das hat letztendlich keine größeren Probleme verursacht."

Dann entschuldigt sich die Lehrerin. Sie muss schließlich zum Unterricht.

Frankreichs klare Linie: Die Schulen bleiben offen
Marcel Wagner, ARD Paris
04.01.2021 12:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. Januar 2021 um 13:27 Uhr.

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