Macron und Erdogan schütteln sich auf dem NATO-Gipfel in Brüssel 2018 die Hände | Bildquelle: REUTERS

Botschafter abgezogen Frankreich reagiert auf Erdogans Beleidigung

Stand: 24.10.2020 22:10 Uhr

Präsident Macron reagiert harsch auf die Verbal-Attacke Erdogans. Frankreich berief umgehend seinen Botschafter aus Ankara ab. Der türkische Staatschef hatte zuvor Macron geraten, seinen "geistigen Zustand überprüfen" zu lassen.

Frankreich zieht seinen Botschafter aus der Türkei ab. Präsident Emmanuel Macron begründete den Schritt mit Äußerungen seines türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan. Diese seien inakzeptabel, sagte ein Vertreter der französischen Präsidentschaft der Nachrichtenagentur AFP.

Maßlosigkeit und Grobheit sein keine Methode. Erdogan müsse seinen politischen Kurs ändern, "weil er in jeder Hinsicht gefährlich ist". Der französische Botschafter in Ankara sei zu Beratungen mit Macron nach Paris zurückgerufen worden.

Dutzende Einsätze gegen Islamisten

Erdogan hatte Macron zuvor wegen dessen Äußerungen zum Islam scharf angegriffen. Macron benötigt eine Behandlung auf mentaler Ebene, wetterte Erdogan in einer TV-Rede. "Was ist das Problem, das diese Person mit Namen Macron mit Muslimen und dem Islam hat?", sagte Erdogan.

Macron hatte Anfang Oktober erklärt, er werde den "islamistischen Separatismus" bekämpfen, der die Kontrolle in einigen muslimischen Gemeinden in Frankreich zu übernehmen drohe. Einige Tage später wurde Frankreich durch den Mord an Samuel Paty durch einen radikalen Islamisten erschüttert.

Der Angreifer tschetschenischer Herkunft wurde kurz nach der Tat von der Polizei erschossen. Der Geschichtslehrer Paty hatte das Thema Meinungsfreiheit im Unterricht behandelt und dabei umstrittene Mohammed-Karikaturen verwendet. Nach dem Anschlag ging die französische Polizei in Dutzenden Einsätzen gegen Menschen und Vereinigungen vor, die mutmaßlich dem islamistischen Spektrum angehören oder ihm nahe stehen.

Es bestehen viele Konfliktfelder

Die beiden NATO-Mitglieder Frankreich und Türkei liegen seit längerem bei mehreren Themen über Kreuz - etwa über das Vorgehen in Syrien und Libyen, dem Gasstreit im östlichen Mittelmeer und dem Konflikt in Bergkarabach.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 25. Oktober 2020 um 07:29 Uhr.

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