Kolumbianischer Präsident Santos  | Bildquelle: REUTERS

Friedensnobelpreisträger Santos äußert sich "Ein Preis für die Kolumbianer"

Stand: 07.10.2016 14:47 Uhr

Noch vor dem Wecker klingelte das Telefon: Dass er den Friedensnobelpreis bekommt, erfuhr Kolumbiens Präsident Santos mitten in der Nacht. Die Auszeichnung widmete er dem kolumbianischen Volk, das unter dem Krieg gelitten habe.

Die freudige Nachricht aus Oslo erreichte Juan Manuel Santos mitten in der Nacht. Er habe sich gerade den Schlaf aus den Augen gerieben, beschrieb der Sekretär des Nobelkomitees, Olav Njølstad, im norwegischen Fernsehen die erste Reaktion des Preisträgers. Danach sei er "überwältigt" und "dankbar" gewesen.

Der kolumbianische Präsident und diesjährige Friedensnobelpreisträger widmete die Auszeichnung seinem Volk, das "so sehr unter dem Krieg gelitten hat". Für den zuletzt ins Stocken geratenen Friedensprozess in seinem Land sei der Preis ein "wichtiger Anstoß", sagte Santos. Er sieht sein Land dem Frieden "sehr, sehr nahe".

Rivale Uribe gratuliert Santos

Auch sein Verhandlungspartner, FARC-Chef Rodrigo Londono, äußerte sich verhalten zur Auszeichnung. "Den einzigen Preis, den wir anstreben, ist der Frieden mit sozialer Gerechtigkeit ohne Paramilitarismus, ohne Vergeltung und Lügen", schrieb Londono auf Twitter.

Ex-Staatschef Álvaro Uribe gratulierte seinem Rivalen und Nachfolger Santos ebenfalls über Twitter. Zugleich drückte er die Hoffnung aus, dass dieser das "für die Demokratie schädliche" Friedensabkommen mit der FARC-Guerilla ändern werde.

Komitee lobt Santos' "entschlossene Anstrengungen"

Das Nobelpreiskomitee in Oslo hatte Santos zuvor für seine "entschlossenen Anstrengungen", den mehr als 50 Jahre andauernden Bürgerkrieg in dem Land zu beenden, ausgezeichnet. Santos hatte Ende September nach jahrzehntelangem Konflikt ein Friedensabkommen mit den linken FARC-Rebellen geschlossen. Dieses wurde allerdings von der Bevölkerung in einem Referendum abgelehnt. Durch das Nein der Kolumbianer wurde aus dem ausgehandelten Friedensvertrag nichts. Den Gegnern gingen die Zugeständnisse an die Rebellen zu weit. Nun muss neu verhandelt werden. Der Friedensnobelpreis könnte der Regierung den nötigen Rückenwind verleihen, um das Abkommen doch noch Realität werden zu lassen.

Das Nobelkomitee äußerte die Hoffnung, dass alle Parteien Verantwortung übernehmen und konstruktiv an den kommenden Friedensgesprächen teilnehmen. Eine besonders schwierige Herausforderung werde es sein, ein Gleichgewicht zwischen der Notwendigkeit einer nationalen Versöhnung und der Gewährleistung von Gerechtigkeit für die Opfer zu finden.

Norwegen vermittelte im Friedensprozess

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bezeichnete die Ehrung von Santos als Zeichen der Hoffnung. Sie werde auch den Menschen in Kolumbien Mut auf dem Weg zu einem stabilen Frieden geben, erklärte Ban. Der Friedensprozess in dem südamerikanischen Land sei eine Inspiration für die ganze Welt, erklärte der UN-Generalsekretär.

Mit der Wahl von Santos zeichnet sich Norwegen ein Stück weit auch selbst aus. Von Beginn an waren Vertreter des Landes zusammen mit kubanischen Diplomaten an den Friedensgesprächen beteiligt.

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. Oktober 2016 u.a. um 12:00 Uhr.

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