Spieler der türkischen Nationalmannschaft salutieren nach einem EM-Qualifikationsspiel. | Bildquelle: REUTERS

Amateurfußball Türkischer Salut-Jubel findet Nachahmer

Stand: 16.10.2019 15:01 Uhr

Der Salut-Jubel türkischer Nationalspieler sorgt international für Aufregung. Auch in Deutschland wird über die Solidaritäts-Geste für das türkische Militär debattiert - nicht nur im Profifußball.

Die Aufregung über den Salut-Jubel türkischer Nationalspieler wird im deutschen Fußball zum Fall für die Sportgerichte. Zwar scheint am kommenden Wochenende in der Bundesliga ein politisches Bekenntnis zum international kritisierten Militäreinsatz der Türkei in Nordsyrien wenig wahrscheinlich - in den unteren Spielklassen hat der von der UEFA untersuchte Vorfall in der EM-Qualifikation aber bereits erste Nachahmer gefunden.

Im Amateurbereich spielen Mannschaften, die sich fast ausschließlich aus türkischen Profis zusammensetzen. So ermittelt im Kreis Recklinghausen der zuständige Verband nach Salut-Posen gegen die SG Hillen, Genclikspor Recklinghausen und die zweite Mannschaft der DTSG Herten, wie der WDR berichtete. "In einem Fall handelte es sich um die komplette Mannschaft, bei den anderen ging es um Gruppierungen von fünf bis sechs Spielern", sagte der Kreisvorsitzende Hans-Otto Matthey.

Genclikspor, Tabellenführer der A-Klasse, zeigte wenig Verständnis. "Dass mit Geldstrafen oder Punktabzug gedroht wird, verstehe ich überhaupt nicht. Wo bleibt da die Meinungsfreiheit?", fragte der Vorsitzende Hakki Gürbüz.

"Reine Gedenkminute"

In der Kabine sei ein Foto mit türkischer Fahne gemacht worden, dabei hätten einzelne Spieler den Militärgruß gezeigt. "Aber das war als reine Gedenkminute für die verstorbenen Soldaten gedacht", sagte Gürbüz. Das entsprechende Foto habe der Verein inzwischen bei Facebook entfernt und sich "bei denjenigen entschuldigt, die sich dadurch angegriffen gefühlt haben".

Grundlage für die Landesverbände und deren Satzungen ist die Rechts- und Verfahrensordnung des DFB. In der steht: "Eines unsportlichen Verhaltens (...) macht sich insbesondere schuldig, wer sich politisch, extremistisch, obszön anstößig oder provokativ beleidigend verhält." Das Strafmaß reicht von einer Verwarnung bis hin zu einem Ausschluss auf Zeit.

Der Bayerische Fußball-Verband (BFV), wo zwei Vereine aufgefallen waren, will Clubs und Schiedsrichter weiter sensibilisieren. Der BFV setze auf den Dialog und arbeite präventiv, sagte ein Sprecher. Das Thema rein über Strafen regulieren zu wollen, sei im Gesamtkontext nicht allein hilfreich. In Berlin teilte der Landesverband mit, "in den letzten Tagen viele persönliche Gespräche geführt" zu haben. Man sei "gut vorbereitet, damit nichts eskaliert", sagte Mehmet Matur, Präsidialmitglied Integration beim Berliner Fußball-Verband.

Bundesliga-Clubs zurückhaltend

Auch Bundesliga-Clubs und Profis setzen auf Gespräche. "Wir sind alle gegen Krieg", sagte der türkischstämmige deutsche Nationalspieler Suat Serdar vom FC Schalke 04 in Gelsenkirchen und schloss "auch Ozan" Kabak ein, der gegen Albanien und in Frankreich im türkischen Kader gestanden und sich dem Salut-Gruß an die kämpfenden Soldaten angeschlossen hatte. Das Thema werde "in den Medien zu hochgehängt".

Wie Ligarivale Fortuna Düsseldorf, der Kaan Ayhan und Kenan Karaman abgestellt hatte, hatte Schalke erklärt, "intern mit Kabak sprechen" zu wollen. Auch die weiteren Bundesliga-Clubs mit türkischen Profis oder Spielern mit Wurzeln in der Türkei in den Reihen äußerten sich zurückhaltend.

Salut-Geste in der EM-Qualifikation

Am vergangenen Freitag hatten die Spieler der türkischen Nationalspieler direkt nach dem Siegtreffer zum 1:0 in der EM-Qualifikation gegen Albanien auf dem Platz und später auch in der Kabine mit der Hand an der Stirn salutiert.

Auch die UEFA verbietet in ihren Statuten politische Bekundungen jeder Art. In der Vergangenheit waren bei entsprechenden Vorfällen, die meist von den Fans auf den Tribünen ausgegangen waren, teils harte Strafen ausgesprochen worden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk im Sport am Morgen am 16. Oktober 2019 um 08:38 Uhr.

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