Kinder gehen in Sanaa durch einen Wolke von Desinfektionsmittel, die ein Mitarbeiter des Gesundheitswesen beim desinfizieren einer Straße hinterlässt. | Bildquelle: dpa

Geberkonferenz für den Jemen UN-Hilfsprogrammen droht das Aus

Stand: 02.06.2020 17:46 Uhr

"Wir dürfen keine Zeit verlieren", warnt UN-Chef Guterres: Weil Spenden fehlen, könnte 30 Hilfsprogrammen im Jemen bald das Geld ausgehen. Deutschland will 125 Millionen Euro bereitstellen. Hilfsorganisationen geht das nicht weit genug.

Wegen ausbleibender Spendengelder droht 30 der 41 wichtigsten UN-Hilfsprogramme im Jemen in wenigen Wochen das Aus. "Wir hatten noch nie so wenig Geld für Hilfseinsätze im Jemen zu diesem Zeitpunkt im Jahr", sagte UN-Generalsekretär António Guterres zum Auftakt einer virtuellen Geberkonferenz für den Jemen, zu der die Vereinten Nationen gemeinsam mit Saudi-Arabien eingeladen haben.

Guterres rief zu einer landesweiten Waffenruhe im Jemen und zur Solidarität mit den Menschen in dem arabischen Land auf. "Wir dürfen keine Zeit verlieren", sagte er. Die humanitäre Lage sei katastrophal, allein seit Januar seien 500 Menschen getötet worden. Die UN benötigen für die kommenden sieben Monate 2,4 Milliarden US-Dollar für die Jemen-Hilfe, auch für Programme zur Eindämmung des Coronavirus. Bisher sind erst 15 Prozent davon finanziert.

Geberkonferenz zur Pandemiebewältigung im Jemen
tagesschau 20:00 Uhr, 02.06.2020, Daniel Hechler, ARD Kairo

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Das Coronavirus hat die Lage im Land verschärft

"Der Jemen steht an der Klippe einer Katastrophe historischen Ausmaßes", warnte der UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock. Das Land leide unter Hunger, Zerstörung und tödlichen Krankheiten. Das Gesundheitswesen stehe vor dem Zusammenbruch, Krankenhäuser müssten Patienten abweisen.

Der seit mehr als fünf Jahren laufende Bürgerkrieg hat das ohnehin stark verarmte arabische Land in eine schwere humanitäre Krise gestürzt. Rund 80 Prozent der 30 Millionen Einwohner sind auf Hilfe angewiesen. Allein dieses Jahr sind 110.000 Menschen an Cholera erkrankt, dazu kommen Malaria und Dengue-Fieber. Mit der Ausbreitung des Coronavirus hat sich die Lage weiter verschärft. Bisher wurden 354 Infizierte gemeldet, von denen 84 starben. Experten vermuten eine hohe Dunkelziffer.

Deutschland stellt Millionen-Hilfen bereit - Kritik von NGOs

Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Niels Annen, kündigte an, dass Deutschland für die humanitäre Hilfe im Jemen im Rahmen eines UN-Plans in diesem Jahr 125 Millionen Euro bereitstelle. Im vergangenen Jahr waren es 100 Millionen Euro. Darüber hinaus gebe das Entwicklungsministerium nach eigenen Angaben 70 Millionen Euro für weitere Unterstützungsmaßnahmen aus, berichtete die Nachrichtenagentur epd.

Die Präsidentin der Diakonie Katastrophenhife, Cornelia Füllkrug-Weitzel, kritisierte jedoch eine zu passive Haltung Deutschlands und der EU: "Wieso haben es weder Deutschland noch die EU geschafft, in Kooperation mit den UN eine Geberkonferenz einzuberufen?", fragte sie. "Stattdessen haben sie das Feld Saudi-Arabien überlassen - einer wesentlichen Kriegspartei im Jemen."

Saudi-Arabien bombardiert mit Verbündeten seit fünf Jahren Ziele im Jemen, um die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen zurückzudrängen. Seit Beginn der Bombardements wurden mehr als 112.000 Menschen getötet, darunter 12.600 Zivilisten bei gezielten Angriffen. Das Land kündigte Hilfen in Höhe von 500 Millionen Dollar (447 Millionen Euro) an.

Geringere Spendenbereitschaft in der Corona-Krise?

Auch die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen forderte mehr Geld für die Bezahlung der Mitarbeiter im Gesundheitswesen, Schutzausrüstung sowie Beatmungsgeräte. Die Umweltorganisation Greenpeace kritisierte die Rolle Deutschlands ebenfalls: "Die monetäre Hilfe der Bundesregierung im Jemen ist beschämend gering angesichts der Profite, die deutsche Waffenkonzerne bei ihren Geschäften mit den Kriegsparteien machen", sagte der Abrüstungsexperte der Organisation, Alexander Lurz.

An dem Treffen per Videokonferenz sollten Vertreter von mehr als 130 Regierungen teilnehmen. Bei einer ähnlichen Geberkonferenz in Genf waren für den Jemen vergangenes Jahr 2,6 Milliarden Dollar an Spenden zusammengekommen. Weil die Länder mit den Auswirkungen des Coronavirus auf ihre Wirtschaft und ihre Gesundheitssysteme ringen, könnte die Spendenbereitschaft dieses Jahr geringer ausfallen als sonst.

Über dieses Thema berichtete am 02. Juni 2020 tagesschau24 um 11:00 Uhr und die tagesschau um 17:00 Uhr.

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