"Gelbwesten"-Protest in Paris | Bildquelle: AFP

"Gelbwesten" in Frankreich Viel Wut - wenig Randale

Stand: 15.12.2018 18:30 Uhr

Fünfter Akt der "Gelbwesten" in Frankreich: An diesem Protest-Samstag beteiligten sich weniger Menschen als in den Wochen zuvor. Es gab mehr als 100 Festnahmen, massive Krawalle blieben aber aus.

Von Barbara Kostolnik, ARD-Studio Paris

Sie waren nicht mehr ganz so zahlreich wie am vergangenen Samstag - und es ging auch nicht mehr so hoch her bei den "Gelbwesten". An diesem fünften Protest-Samstag in Folge zählten die Sicherheitskräfte gegen Mittag etwa 3000 Demonstranten in Paris. Die meisten protestierten friedlich.

"Gelbwesten"-Protest in Paris | Bildquelle: AFP
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"Gelbwesten"-Protest in Paris: Diesmal blieb es weitgehend friedlich.

Der Bürgermeister von Bordeaux, Alain Juppé fasste bereits gegen Mitte des Tages die allgemeine Stimmung in treffende Worte: "Drücken wir die Daumen und hoffen, dass wir nicht die gleichen Bilder sehen wie vergangenen Samstag."

Damit meinte Juppé die Bilder von geplünderten Geschäften, eingeschlagenen Scheiben und brennenden Autos. Denn nicht nur in Paris hatten die Randalierer gewütet, sondern auch in Bordeaux und Toulouse. Diesen Samstag jedoch blieb es bislang weitgehend friedlich. Auch wenn die Stimmung nach wie vor dem Präsidenten gegenüber sehr feindselig ist.

"Herr Präsident, wir sind erschöpft"

"Macron, Rücktritt", schallt es über den Pariser Opernplatz, wo sich einige Sprecher der "Gelbwesten" versammelten, unter anderem die Begründerin der Bewegung, Priscillia Ludosky, die einen flammenden Appell an Emmanuel Macron richtete: "Herr Präsident, wir sind erschöpft, wir sind voll Wut und unser einziges Mittel, das zu zeigen, sind diese 'Gelben Westen'. Wir werden von dem enormen Steuerdruck erschlagen, während eine kleine Elite es immer wieder schafft, keine Steuern zu zahlen."

Die "Gelben Westen" pfeifen, als Macron erwähnt wird und die Versprechungen, die der Präsident in dieser Woche gemacht hat: eine Prämie, Erhöhung des Mindestlohns und Reduzierung der Sozialabgaben für niedrige Renten - sie glauben nicht daran oder es reicht ihnen nicht aus.

70.000 Ordnungskräfte in ganz Frankreich im Einsatz

8000 Polizisten sicherten allein in Paris die Demonstrationen, in ganz Frankreich waren etwa 70.000 Ordnungskräfte unterwegs. Insgesamt kamen diesen Samstag deutlich weniger "Gelbwesten" zum Demonstrieren, weder in die Hauptstadt noch zu den Kreisverkehren auf dem Land. Politiker unterschiedlicher Parteien und auch einige gemäßigtere "Gelbe Westen" hatten nach dem Attentat auf den Straßburger Weihnachtsmarkt zu Ruhe und Innehalten aufgerufen.

"Gelbwesten"-Protest in Marseille | Bildquelle: dpa
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"Gelbwesten"-Protest in Marseille

Entschlossen - auch in der fünften Woche

In ihrer fünften Woche, sind diese "Gelbwesten" so entschlossen wie immer. "Diese Bewegung gehört allen und niemandem", ruft Ludosky, "Sie ist der Ausdruck eines Volks, das seit 40 Jahren nichts mehr hat, woran es glauben kann, keine Zukunft, keine Größe."

"No Future" ist jedoch keineswegs der Schlachtruf der "Gelbwesten". Maxime Nicolle ergreift am Opernplatz ebenfalls das Wort. Er ist in den sozialen Netzwerken unter Fly Rider bekannt und berüchtigt für alle Arten von Verschwörungstheorien: Unter anderem hatte er verbreitet, dass die Regierung hinter dem Straßburger Attentat stecken könnte, um von den "Gelben Westen" abzulenken. Nicolle brachte das Bürger-Referendum ins Spiel, ein Referendum für direkte Demokratie, das letztlich auf die Abschaffung der repräsentativen Demokratie ausgerichtet ist - und seit Jahren vor allem von der rechtsextremen Marine Le Pen gefordert wird.

Viel Wut - wenig Randale - "Gelbwesten" in Paris
Barbara Kostolnik, ARD Paris
15.12.2018 17:15 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Dezember 2018 um 16:00 Uhr.

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Barbara Kostolnik, BR

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