Menschen nehmen an einer "Gelbwesten"-Demonstration in Paris teil. | Bildquelle: dpa

"Gelbwesten"-Kundgebung Justiz prüft antisemitische Ausfälle

Stand: 17.02.2019 16:13 Uhr

Bei der "Gelbwesten"-Kundgebung in Paris wurde der Philosoph Finkielkraut antisemitisch beleidigt und bedroht. Nun hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen rassistischer Beleidigungen eingeleitet.

Die antisemitischen Ausfälle gegen den Philosophen Alain Finkielkraut am Rande einer "Gelbwesten"-Kundgebung in Paris beschäftigen die französische Justiz. Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen rassistischer und antisemitischer Beleidigungen ein. Sie stützt sich auf einen Paragrafen, der öffentliche Beleidigungen auf Grundlage von Herkunft, Ethnie oder Religion verbietet. Der Hauptverdächtige der Beleidigungen sei identifiziert twitterte Innenminister Christophe Castaner.

Finkielkraut zeigte sich bestürzt über die Schmähungen, will selbst aber auf juristische Schritte verzichten. Bei den "Gelbwesten"-Protesten waren am Samstag in ganz Frankreich rund 41.500 Menschen auf die Straße gegangenen, davon 5000 in der Hauptstadt, wie eine Sprecherin des Innenministeriums sagte.

Der Vorfall am Rande einer Kundgebung ist auf Videoaufnahmen dokumentiert, die im Internet verbreitet wurden. Zu sehen ist, wie Kundgebungsteilnehmer dem anwesenden Philosophen aggressive Beleidigungen ins Gesicht schleudern. 

Der Philosoph Alain Finkielkraut | Bildquelle: AFP
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Philosoph Alain Finkielkraut wurde am Rande einer "Gelbwesten"-Demonstration antisemitisch beleidigt.

"Ich habe absoluten Hass gespürt"

Der Zeitung "Journal du dimanche" sagte Finkielkraut: "Ich habe absoluten Hass gespürt." Er dankte den Polizisten für ihr Eingreifen: "Ich hätte Angst gehabt, wenn es keine Ordnungskräfte gegeben hätte, zum Glück waren sie da." Dem Sender LCI sagte er, er habe den Eindruck gehabt, dass einige der Anwesenden auch bereit gewesen wären, ihn zu schlagen.

Präsident Emmanuel Macron verurteilte den Vorfall auf Twitter. "Die antisemitischen Beleidigungen, die er hat erdulden müssen, stellen alles in Frage, was wir sind und was uns zur großen Nation macht", schrieb Macron. Als Sohn polnischer Einwanderer, der zum französischen Intellektuellen geworden sei, sei Finkielkraut "ein Symbol dafür, was die Republik jedem ermöglicht".

Finkielkraut kritisiert Bewegung als "grotesk"

Finkielkraut ist einer der bekanntesten Intellektuellen Frankreichs. Er ist für seine konservativen Positionen bekannt und warnte wiederholt vor einem aggressiven Islam und einer Überfremdung seines Landes. Der "Gelbwesten"-Bewegung stand er zunächst positiv gegenüber, inzwischen hat er sich abgewandt. "Ich unterstütze die Kundgebungen nicht mehr", sagte er. Die "Gelbwesten"-Bewegung sei "grotesk" geworden. 

Innenminister Christophe Castaner hatte erst zu Wochenbeginn berichtet, dass es in Frankreich 2018 deutlich mehr antisemitische Vorfälle gab als zuvor. 541 Fälle wurden bekannt - 74 Prozent mehr als noch 2017.

Antisemitismus bei Gelbe-Westen-Demo - ein jüdischer Philosoph im Visier
Barbara Kostolnik, ARD Paris
18.02.2019 05:48 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk24 am 17. Februar 2019 um 15:00 Uhr.

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