Luftaufnahme der eingestürzten Morandi-Autobahnbrücke in Genua | Bildquelle: dpa

Nach Brückeneinsturz in Genua Italien lehnt Hilfe des Betreibers ab

Stand: 19.08.2018 13:11 Uhr

Nach dem Brückeneinsturz in Genua hat der private Betreiber 500 Millionen Euro zugesagt - doch die Regierung winkt ab. Man werde keine Almosen annehmen, erklärte Vizeministerpräsident Di Maio.

Nach dem Brückeneinsturz in Genua lehnt die italienische Regierung Hilfen des privaten Autobahnbetreibers "Autostrade per l’Italia" ab. "Um ganz klar zu sein: Der Staat wird von Autostrade keine Almosen annehmen", schrieb Vizeministerpräsident Luigi Di Maio auf Facebook. Die Regierung werde das Verfahren zum Lizenzentzug fortsetzen.

Italiens populistische Regierung hatte bereits kurz nach dem Unglück den privaten Betreiber dafür verantwortlich gemacht und angekündigt, ihn dafür in Haftung zu nehmen. "Wir werden auf einer glaubwürdigen Erstattung bestehen, und es wird keine Tauschgeschäfte geben", erkärte Di Maio.

Betreiber bietet 500 Millionen Euro an

Der für die Brücke zuständige Autobahnbetreiber hatte zuvor angeboten, innerhalb von acht Monaten eine neue Brücke zu bauen. Der Vorstandsvorsitzende Giovanni Castellucci sagte, sein Unternehmen habe einen Plan zum Abriss der Überreste der Morandi-Brücke und der Errichtung einer "weniger imposanten" Brücke aus Stahl. "Autostrade per l'Italia" werde außerdem Hinterbliebenen und Hunderten Menschen finanziell helfen, die ihre Wohnungen verlassen mussten. Es ist von insgesamt 500 Millionen Euro die Rede.

Fabio Cerchiai, Präsident der privaten Betreibergesellschaft "Autostrade per l'Italia", und Giovanni Castellucci, Vorstandsvorsitzender des Unternehmens | Bildquelle: dpa
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Präsident Fabio Cerchiai und Vorstandsvorsitzender Giovanni Castellucci von "Autostrade per l'Italia" weisen die Verantwortung für das Unglück von sich.

Offiziell keine Vermissten mehr

Die Suche nach Opfern läuft weiter - allerdings offenbar nicht mehr so intensiv wie in den vergangenen Tagen. Die Stadtverwaltung von Genua teilte mit, dass die Suche nach Vermissten mittlerweile eingestellt worden sei. In der Nacht seien die letzten drei Leichen vermisster Menschen in einem unter Trümmern begrabenen Auto gefunden worden. Dabei handele es sich vermutlich um ein Paar aus Turin und dessen neunjährige Tochter.

Dagegen sagte der Leiter der Feuerwehr, Stefano Zanut, dem Sender "TG24", es werde weiter nach Opfern unter den tonnenschweren Trümmern gesucht, "auch wenn alle als vermisst gemeldeten Menschen gefunden worden seien". Man wolle die Unglücksstelle weiter untersuchen, um sicherzustellen, dass sich keine weiteren Menschen unter den Trümmern befänden, die eventuell nicht als vermisst gemeldet worden seien.

Die Zahl der Toten durch den Einsturz der Autobahnbrücke liegt nach offiziellen Angaben bei 43. Laut Innenministerium sind unter den Toten 13 Ausländer. Dabei handle es sich um vier Franzosen, drei Chilenen, zwei Albaner, zwei Rumänen sowie einen Kolumbianer und einen Peruaner. Mehrere Menschen werden noch in Krankenhäusern behandelt. Vier seien noch in einem kritischen Zustand, teilten die Behörden mit.

Hunderte bei Trauerfeier

In einer bewegenden Trauerfeier hatten am Samstag Tausende Menschen Abschied genommen. Feuerwehrleute wurden bei ihrer Ankunft mit Applaus begrüßt. In der Messehalle von Genua standen mehrere Särge - allerdings deutlich weniger, als es Opfer gab. Viele Angehörige hatten eine Bestattung im kleinen Kreis oder Trauerfeiern in ihren Heimatorten vorgezogen - auch aus Protest gegen die Regierung. Trotzdem wurden während der Zeremonie die Namen aller Toten vorgelesen.

Italiens Präsident Sergio Mattarella sprach nach der Trauerfeier von einer "inakzeptablen Tragödie". Er werde dafür einzusetzen, dass "schnelle und rigorose Ermittlungen zu Verurteilungen führen". Die italienische Regierung kündigte an, weitere 28,5 Millionen Euro Soforthilfe bereitzustellen, zusätzlich zu den am Mittwoch versprochenen 5 Millionen Euro.

Bewegende Trauerfeier für die Opfer von Genua
tagesthemen 23:30 Uhr, 18.08.2018, Ellen Trapp, ARD Rom

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Unglücksursache bleibt unklar

Der private Betreiber "Autostrade per l'Italia", der in Italien rund 3000 Kilometer Autobahn verwaltet, hält sich mit Erklärungen zu den Ursachen des Unglücks weiter zurück. Man habe die Brücke vorschriftsmäßig gewartet. "Wir denken nicht, dass die Voraussetzungen vorliegen, Verantwortung für ein Ereignis zu übernehmen, dessen Ursache zunächst noch ermittelt werden muss", sagte Hauptgeschäftsführer Castellucci.

Allerdings gibt es Studien, in denen die Tragseile des Bauwerks als ein potentielles Risiko benannt worden waren. Die Staatsanwaltschaft hat bisher noch keine Anklage erhoben. Warum die Morandi-Brücke während eines Unwetters am Dienstag eingestürzt ist, ist weiterhin unklar. Mehr als 30 Fahrzeuge waren rund 45 Meter in die Tiefe gestürzt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. August 2018 um 10:00 Uhr.

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