Ein Priester segnet den Sarg von Leyla Nora Rivera Castillo, einem chilenischen Opfer des Brückeneinsturzes. Im der Mehrzweckhalle Fiera di Genova wurden einige Opfer des Unglücks vom 14.08.2018 vor den eigentlichen Beerdigungen aufgebahrt.  | Bildquelle: dpa

Nach Brückeneinsturz in Genua Hinterbliebene bleiben Trauerfeier fern

Stand: 18.08.2018 11:18 Uhr

Der Todesopfer des Brückeneinsturzes von Genua wird in einer offiziellen Trauerfeier gedacht. Viele Hinterbliebene kündigten jedoch an, der Veranstaltung fernzubleiben - auch aus Wut auf die Regierung.

Einen Tag der landesweiten Trauer hat die Regierung ausgerufen - in Genua hat die zentrale Gedenkfeier für die Todesopfer begonnen. 17 Hinterbliebene hatten allerdings angekündigt, der Veranstaltung aus Trauer und Wut auf die Regierung fernzubleiben, weitere sieben hielten sich die Absage offen.

"Es ist der Staat, der dies verursacht hat, die sollen sich hier nicht sehen lassen. Das Schaulaufen der Politiker war eine Schande", zitierte die Turiner Zeitung "La Stampa" die Mutter eines Opfers. "Wir wollen hier keine Farce von einer Beerdigung, sondern eine Feier zuhause", sagte ein Vater.

Bis zuletzt hatte sich insbesondere die populistische Fünf-Sterne-Bewegung gegen große Investitionen in die Infrastruktur in Genua stark gemacht. In einem Schreiben, das im Internet kursiert, wird ausgerechnet die Gefahr eines Einsturzes der Brücke als "Märchen" bezeichnet.

Trauerfeier für Opfer des Einsturzes der Autobahnbrücke in Genua
tagesschau 12:00 Uhr, 18.08.2018

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Monaco und Brüssel trauern mit

An der Trauerfeier in Genua sollen unter anderem der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte und Genuas Erzbischof, Kardinal Angelo Bagnasco, teilnehmen.

Auch in anderen Städten des Landes wird getrauert: An allen Flughäfen soll es um 11.30 Uhr eine Schweigeminute geben. In der Hauptstadt Rom gehen zwischen 22.00 und 23.00 Uhr am Kolosseum ebenso wie am Trevibrunnen und dem Rathaus auf dem Kapitol die Lichter aus.

Die EU-Kommission lässt als Zeichen der Solidarität mit Italien am Samstag vor ihren Gebäuden halbmast flaggen. Auch im Fürstentum Monaco wird halbmast geflaggt. Dessen Herrscherfamilie Grimaldi hat ihre Wurzeln in Genua.

Zahl der Toten auf 42 gestiegen

Währenddessen gehen die Bergungsarbeiten an der Unglücksstelle weiter. Mindestens 38 Todesopfer sind offiziell bestätigt, inzwischen berichten Medien über vier weitere Leichen, die bei den Bergungsarbeiten entdeckt worden seien. Es handelt sich demnach um eine Familie, die auf dem Weg in den Urlaub gewesen sein soll, sowie einen 30-Jährigen.

Zerrissenes Seil als Ursache?

Experten haben derweil eine erste Hypothese zur Unglücksursache: Demnach könnte ein Tragseil der Brückenkonstruktion gerissen sein. Berichten zufolge habe schon eine Studie von Ende 2017 die Stahlseile als potentielle Schwachstelle ausgemacht. Gesicherte Erkenntnisse gibt es aber weiterhin nicht.

In der süditalienischen Stadt Benevento haben die Behörden inzwischen eine Brücke ähnlicher Bauart gesperrt. Auch in Rom, Florenz und Agrigent stehen Brücken des Ingenieurs Riccardo Morandi, der vor über 50 Jahren die Brücke in Genua gebaut hatte. Auch diese sollen nun auf Sicherheitsmängel überprüft werden.

Die eingestürzte Brücke in Genua | Bildquelle: dpa
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Die eingestürzte Brücke in Genua. Rund 3000 Kilometer und damit fast die Hälfte des Autobahnnetzes in Italien betreibt Atlantia.

Die Regierung in Rom verstärkte den Druck auf den Autobahnbetreiber und droht mit Konsequenzen. Das Verkehrsministerium leitete eine Untersuchung der privaten Betreibergesellschaft Autostrade per l'Italia ein. Autostrade gehört zum börsennotierten Atlantia-Konzern, hinter dem die Unternehmerfamilie Benetton steht.

Die Regierung forderte sie am Donnerstagabend auf, binnen 15 Tagen nachzuweisen, dass sie all ihren Instandhaltungspflichten nachgekommen sei. Am Freitag drohte Italiens Arbeitsminister und Vize-Regierungschef Lugi di Maio drohte der Autobahngesellschaft erneut mit Lizenzentzug.

Mit Informationen von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Studio Rom

Über dieses Thema berichteten am 18. August 2018 tagesschau24 um 09:00 Uhr und die tagesschau um 09:50 Uhr.

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