Brennender Polizeiwagen in New York | Bildquelle: PETER FOLEY/EPA-EFE/Shutterstock

Protest gegen Polizeigewalt Erneut Ausschreitungen in den USA

Stand: 31.05.2020 08:48 Uhr

Quer durch die USA treiben die brutale Festnahme und der Tod George Floyds Menschen auf die Straße. In vielen Städten eskalierte der Protest. Los Angeles und andere verhängten Ausgangssperren, mehrere Staaten aktivierten die Nationalgarde.

In vielen Städten der USA hat es erneut Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt gegeben. Oft gab es Ausschreitungen und Plünderungen.

Mindestens acht Bundesstaaten - darunter Minnesota, Ohio und Texas - versetzten laut CNN die Nationalgarde in Alarmbereitschaft, weil die regulären Sicherheitskräfte überfordert sind. Dutzende Metropolen verhängten eine nächtliche Ausgangssperre.

Anhaltendende Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus in mehreren US-Bundesstaaten
tagesschau 11:00 Uhr, 31.05.2020, Svea Eckert, NDR

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Sicherheitskräfte ändern Strategie in Minneapolis

Unter anderem in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota setzten sich Demonstranten erneut darüber hinweg. Der Sender CNN berichtete, Sicherheitskräfte hätten Demonstranten unter anderem mit Tränengas zurückgedrängt. Nach Einschätzung des ARD-Korrespondenten Arthur Landwehr, der in der Stadt ist, waren die Ausschreitungen nicht mehr so heftig wie in den vorangegangenen Nächten. Grund sei eine offensivere Strategie der Sicherheitskräfte gewesen, die Kräfteverhältnisse hätten sich verändert

Minnesotas Gouverneur Tim Walz hatte alle Bewohner eindringlich dazu aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Wegen der Proteste hatte Walz am Samstag erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg die gesamte Nationalgarde des Bundesstaates mobilisiert. Die Nationalgarde teilte mit, rund 2500 der insgesamt bis zu 10.000 mobilisierten Soldaten würden in der Nacht zum Sonntag eingesetzt.

Auch in Los Angeles, Georgia und in der Hauptstadt Washington wurde die Nationalgarde laut CNN wegen der Unruhen mobilisiert. Die Nationalgarde zählt zur Reserve der US-Streitkräfte und kann in Ausnahmesituationen in Bundesstaaten eingesetzt werden.

Frauen bei einer Demonstration in Minneapolis | Bildquelle: REUTERS
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Viele Demonstrationen - wie hier in Minneapolis - liefen friedlich ab...

Todesopfer in Indianapolis und Detroit

Bei Unruhen in Indianapolis wurde mindestens eine Person durch Schüsse tödlich getroffen. Das teilte die Polizei mit, die von mehreren Zwischenfällen mit Schusswaffen berichtete. Details nannte sie nicht. Auch in Detroit wurde eine Person erschossen.

Die Polizei von Los Angeles teilte mit, im Stadtzentrum gebe es "große und gewalttätige Proteste". Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Läden in Los Angeles geplündert wurden. Bürgermeister Eric Garcetti sagte, die Ausgangssperre sei nötig, um "den Frieden wiederherzustellen". Die Polizei ging mit Gummimantelmunition und Schlagstöcken gegen Demonstranten vor, die einen Streifenwagen in Brand gesetzt hatten. Laut Polizei wurden bei den Protesten mehr als 500 Menschen zeitweise festgenommen. Alle bis auf 18 Verdächtige seien inzwischen wieder auf freiem Fuß.

In Chicago waren CNN zufolge mehr als 100 Menschen zeitweise festgenommen worden, in New York waren es der Polizei zufolge rund 200. Vor dem Weißen Haus in Washington verhinderten Sicherheitskräfte, dass sich Demonstranten dort wie am Vorabend versammelten.

Die großen Menschenmengen bei den Protesten, bei denen viele trotz der aktuellen Corona-Pandemie weder Gesichtsmasken tragen noch die Abstandsregeln befolgen, haben bei Gesundheitsexperten Sorge vor einer möglichen weiteren Ausbreitung des neuen Virus ausgelöst.

Polizeieinsatz in Minneapolis, Archiv | Bildquelle: CRAIG LASSIG/EPA-EFE/Shutterstoc
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Fünfter Tag der Ausschreitungen: die Polizei des Bundesstaats Minnesota bei einem Einsatz in Minneapolis.

Tod nach brutalem Polizeieinsatz

Auslöser der Proteste und der Ausschreitungen ist der Tod des Schwarzen George Floyd infolge eines Polizeieinsatzes in Minneapolis. Er war am Montag wegen des Verdachts festgenommen worden, mit einem gefälschten 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben. Ein Polizist drückte sein Knie minutenlang in Floyds Nacken, obwohl dieser stöhnte: "Ich kann nicht atmen."

Der Polizist wurde zwar umgehend entlassen, aber erst Tage später festgenommen und angeklagt.

Trump macht linke Gruppen verantwortlich

Präsident Trump machte linksradikale Gruppen für die Ausschreitungen verantwortlich und warf ihnen vor, das Gedenken an Floyd zu entehren. "Die Gewalt und der Vandalismus werden von der Antifa und anderen gewaltsamen Gruppen des linken Flügels angeführt." Floyds Tod sei eine "ernste Tragödie". Er kündigte erneut ein hartes Vorgehen an: "Meine Regierung wird die Mobgewalt stoppen und wir werden sie eiskalt stoppen."

Minnesotas Gouverneur Walz erklärte dagegen unter Verweis auf Ermittlungen, offenbar werde die Gewalt von rivalisierenden Drogengangs, weißen Rassisten und Anarchisten angeheizt.

Der designierte demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden veurteilte die Gewalt, betonte aber das Recht auf Demonstrationen gegen Polizeigewalt. "Gegen solche Brutalität zu protestieren, ist richtig und notwendig", erklärte Biden. "Es ist eine absolut amerikanische Reaktion." Biden verurteilte aber Brandstiftungen und "unnötige Zerstörung". Die Proteste rechtfertigten keine lebensbedrohliche Gewalt und die Demontage von Geschäften.

Trotz viel Polizei und Militär: Weiterhin Proteste und Unruhen in 30 US-Städten
Julia Kastein, ARD Washington
31.05.2020 12:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 31. Mai 2020 um 09:55 Uhr.

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