Astronaut Alexander Gerst am 12.06.2014 blickt durch ein Fenster in der ISS in den Weltraum | Bildquelle: dpa

Internationale Raumstation Countdown für Astro-Alex

Stand: 26.02.2018 02:57 Uhr

Rund 100 Tage vor seinem Flug zur ISS bereitet sich der deutsche Astronaut Gerst auf seine neue Rolle als Kommandant vor. Im Training macht er sich auch auf Katastrophen gefasst.

Von Markus Sambale, ARD-Studio Moskau

Es klingt wie ein Alptraum, so etwas in einem Raumschiff zu erleben. "Heute hatten wir zwölf verschiedene Dinge, die kaputt gegangen sind", sagt Alexander Gerst. Doch der Astronaut hat trotzdem gute Laune. Seine Augen leuchten zufrieden und entspannt - wie meistens. Der 41-Jährige mit der markanten Glatze, der sich auf Twitter kurz Astro-Alex nennt, erzählt von den Katastrophenmomenten, die er gerade eben in der engen Sojus-Kapsel durchgemacht hat.

"Wir hatten zum Beispiel einen Triebwerksausfall, wir hatten kleinere Sachen, etwa ein Funkgerät, das kaputt gegangen ist. Und wir hatten ein Leck in einem der Treibstofftanks - das ist natürlich eine der schlimmeren Sachen."

Schlimme Sachen erleben, um auf jeden Notfall vorbereitet zu sein - das ist die Idee beim Training im Kosmonauten-Zentrum im Sternenstädtchen in der Nähe von Moskau. Schon vor Jahrzehnten hat die Sowjetunion hier ihre Raumfahrer ausgebildet. Auch Juri Gagarin, der erste Mensch im All, hat hier trainiert.

Weltraumbahnhof Baikonur | Bildquelle: AFP
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In Baikonur wird die Reise zur ISS beginnen.

Extremsituationen per Knopfdruck

Das Training heute findet in einer großen Halle statt. Hier stehen mehrere Simulatoren. Teilweise sind es umgebaute Raumkapseln, die schon im Weltall waren. Hinter einer Scheibe sitzen an Schaltpulten die Instruktoren. Sie bombardieren die Raumfahrer im Simulator per Knopfdruck mit Extremsituationen. Tag für Tag, wochenlang.

"Da gibt es schon auch immer wieder Tage, wo man aus dem Trainer rauskommt, und man ist schweißnass gebadet", sagt Gerst. "Vor allem dann, wenn die Ventilation für den Raumanzug ausfällt, das gibt es auch. Dann sitzt man fast drei Stunden ohne Ventilation kurz vorm Überhitzen, und man verliert zwei Liter Wasser."

Als erster Deutscher Kommandant der ISS

Anfang Juni startet Gerst zum zweiten Mal ins Weltall, mit einer Sojus-Rakete vom Weltraumbahnhof Baikonur. Diesmal ist er beim Flug zur Internationalen Raumstation sogar Copilot. "Wenn man sich das überlegt, dass man trainiert wird, von einer Raumfahrtagentur wie Roskosmos in einer Kapsel zu fliegen, von der Startplattform aus zu starten, von der schon Juri Gagarin gestartet ist", sagt er. "Dann ist das ein Riesenkompliment, dass die mich da ans Steuer lassen."

Alexander Gerst | Bildquelle: dpa
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Astronaut Alexander Gerst wird der erste deutsche Kommandant der ISS.

Und nicht nur das. Oben angekommen, 400 Kilometer über der Erde, steht Gerst noch eine besondere Ehre bevor: Er wird für einige Monate Kommandant der ISS - als zweiter Europäer und als erster Deutscher. Seine Aufgabe ist dann übrigens nicht, die anderen fünf auf der Raumstation herumzukommandieren. Er selbst sieht sich vor allem in der Verantwortung.

"Letztendlich ist es extrem wichtig, dass einer an Bord - und das sollte eben der Commander sein - den Gesamtüberblick behält, dass man den niemals verliert. Und das ist schon eine Herausforderung. Auch wenn der Alarm nachts um vier losgeht. Man wacht auf, man ist schlaftrunken, und dann muss man wissen, was zu tun ist", erklärt er.

Alexander Gerst bei einem Außeneinsatz während seiner ersten ISS-Mission | Bildquelle: dpa
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Während seiner ersten ISS-Mission befand sich Alexander Gerst auf einem Außeneinsatz.

Haushalt verdreifacht

Das Raumfahrer-Training findet an drei Orten statt: In den USA bei der NASA in Houston. Im Europäischen Astronautenzentrum in Köln. Und im Sternenstädtchen bei Moskau. Gerst fühlt sich überall zu Hause.

"Ich hab da mein Apartment, in das ich jedes Mal einziehe. Das ist jetzt nicht so, dass ich nur aus dem Koffer lebe. Sondern ich habe meinen Haushalt im Prinzip verdreifacht. Wenn ich jetzt Hosen kaufe, dann kaufe ich schon immer drei. Eine kommt nach Houston, eine nach Köln und eine nach Russland."

In gut drei Monaten steht für Gerst der ganz große Umzug an. Dann geht’s ins Weltall - zur Internationalen Raumstation.

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Astronaut Alexander Gerst: Vorbereitung auf den Außeneinsatz im All (07.10.2014)

Alexander Gerst auf der ISS

Deutschlands Mann im All, Alexander Gerst, soll am 07. Oktober erstmals zu Außenarbeiten die Raumstation ISS verlassen. Der stundenlange Einsatz im freien Kosmos gilt als extrem anstrengend - und ist alles andere als ein "Weltraumspaziergang". Eine gute Vorbereitung ist daher notwendig. Alexander Gerst schreibt bei Twitter zu diesem Foto: "Sollte passen: Kühlunterwäsche für meinen Raumanzug"

Noch 100 Tage bis zum Start: Countdown für "Astro-Alex"
Markus Sambale, ARD Moskau
25.02.2018 11:15 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Februar 2018 um 19:10 Uhr.

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