Die amerikanische Supreme-Court-Richterin Ruth Bader Ginsburg ist im Alter von 87 Jahren gestorben. | Bildquelle: JUSTIN LANE/EPA-EFE/Shutterstock

Richterin Bader Ginsburg gestorben Trauer um Ikone des liberalen Amerikas

Stand: 19.09.2020 02:50 Uhr

Ruth Bader Ginsburg war die Ikone des liberalen Amerikas. Nun ist die Richterin am Supreme Court im Alter von 87 Jahren gestorben. Ihr Tod gibt US-Präsident Trump die Chance, das Land auf Jahrzehnte konservativ zu prägen.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Im linksliberalen Amerika reichte es schon, allein ihren Namen zu nennen: "Ruth Bader Ginsburg, yeah!", jubelte Popstar Jennifer Lopez in einer Talkshow aufs Stichwort. Lopez, ein großer Fan von RBG, erzählte, sie habe die Richterin einmal nach einem Rat für ihre lange glückliche Ehe gefragt. Sie habe geantwortet: "Manchmal hilft es, ein bisschen taub zu sein."

Das passt zu Ruth Bader Ginsburg, der kleinen, zierlichen, zerbrechlich wirkenden Frau, die stets elegant gekleidet war, selten laut wurde und doch mit starkem Willen viel erreicht hat. Sie selbst sagte, ihre Mutter habe ihr immer geraten: "Sei eine Dame und sei unabhängig."

Trauer um US-Richterin Ruth Bader Ginsburg
tagesschau 12:00 Uhr, 19.09.2020, Peter Jagla, NDR

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Pionierin für Frauenrechte

Was gar nicht so einfach war. Als Kind jüdischer Eltern 1933 in Brooklyn geboren, studierte sie und machte sich als vielversprechende Juristen Anfang der 1960er Jahre auf Jobsuche. Doch niemand wollte damals eine Frau einstellen. Ruth Bader ging zurück an die Uni und begann in der amerikanischen Bürgerrechtsunion ACLU höchst erfolgreich, die Diskriminierung von Frauen vor Gericht zu bringen.

Ihr Mann Marty Ginsburg, den sie schon im Studium kennengelernt hatte, unterstützte sie dabei. "Ein Mann", erzählte sie später, "der schon mit 18 Jahren glaubte, dass die Arbeit einer Frau, zu Hause und im Beruf, so wichtig ist, wie die eines Mannes". Vater kocht und Mutter denkt, das sei die Aufteilung zu Hause gewesen, erzählte er später lachend.

GInsburg wurde 1993 von US-Präsident Bill Clinton als Richterin am Supreme Court ernannt. | Bildquelle: AP
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Ginsburg wurde 1993 von US-Präsident Bill Clinton als Richterin am Supreme Court ernannt.

Nominiert von Bill Clinton

Sie arbeitete sich durch die Instanzen bis zum Obersten Gerichtshof vor, dem Supreme Court, für den Präsident Bill Clinton sie 1993 vorschlug. Ein Job auf Lebenszeit. Das Recht auf gleiche Bezahlung, das Recht eine Militärschule zu besuchen und immer wieder das Recht auf Abtreibung: Das waren Bader Ginsburgs Themen im männlich dominierten neunköpfigen Gerichtshof. Sie habe sich ein bisschen als Kindergartenlehrer verstanden, sagte sie, "weil die Richter nicht glaubten, dass es Geschlechterdiskriminierung gibt."

Sie sei eine Magnolie aus Stahl, sagt die Richterin Sonja Sotomayor einmal über ihre Kollegin in einer Talkshow: Sie sei außen zart, aber sie habe eine eiserne Rute hinter sich.

"I dissent"

Als das politische Klima am Gerichtshof konservativer wurde, entwickelte sich RBG zur Stimme der Liberalität."I dissent!"- "Ich bin anderer Meinung!": Studenten druckten den Satz auf T-Shirts und machten die eigentlich schüchtere Frau zum Internet-Star. "Notorious RBG" wurde sie genannt, die berüchtigte RBG, in Anlehnung an den Rapper Notorious B.I.G. Ruth Bader Ginsburg amüsierte sich darüber: Sie möge es und ihre Enkel auch, erzählte sie gerne, und ihr Publikum quietschte vor Vergnügen.

Immer wieder hatte Ruth Bader Ginsburg zuletzt mit Krebserkrankungen zu kämpfen. Zurücktreten wollte sie nicht. "Solange ich den Job noch mit Volldampf machen kann", sagte sie stets, "werde ich hier sein". Nun wird das geschehen, was RBG immer verhindern wollte: Präsident Trump wird ihren Platz mit einem weiteren konservativen Richter besetzen.

USA: Nachruf Ruth Bader Ginsburg
Katrin Brand, ARD Washington
19.09.2020 06:15 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. September 2020 um 02:54 Uhr.

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