Frauen in Spitzenpositionen | Bildquelle: dpa

Studie einer UN-Agentur Immer noch Vorbehalte gegenüber Frauen

Stand: 06.03.2020 09:10 Uhr

Neun von zehn Menschen weltweit haben Vorurteile gegenüber Frauen. Das ist das Ergebnis einer Analyse der UN-Entwicklungsagentur UNDP. In Spitzenpositionen dominieren weiterhin die Männer.

Auch nach Jahrzehnten der Gleichstellungspolitik hat die große Mehrheit der Menschen weltweit einer neuen Studie zufolge noch immer Vorurteile gegenüber Frauen. Laut der Analyse der UN-Entwicklungsagentur UNDP sind neun von zehn Menschen zumindest teilweise voreingenommen.

Etwa die Hälfte aller Befragten aus insgesamt 75 Ländern findet demnach, dass Männer bessere politische Anführer sind als Frauen. 40 Prozent seien der Meinung, dass Männer bessere Spitzenmanager in der Wirtschaft sind, heißt es in der Studie. Und 28 Prozent finden es demnach für einen Mann gerechtfertigt, seine Frau zu schlagen.

Die größte Voreingenommenheit gibt es unter den Ländern des Index' in Pakistan, Katar, Nigeria, Simbabwe und Jordanien. Die Länder mit der geringsten Anzahl an Menschen mit Vorurteilen waren Andorra, Schweden, die Niederlande, Norwegen und Neuseeland.

Drei von vier Frauen erwerbstätig

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren 2018 in Deutschland 76 Prozent der Frauen im Alter von 20 bis 64 Jahren erwerbstätig. Zehn Jahre zuvor lag der Anteil noch bei 68 Prozent. Damit hat Deutschland nach Schweden (80 Prozent) und Litauen (77 Prozent) die dritthöchste Erwerbstätigenquote von Frauen in der Europäischen Union.

Fast die Hälfte der erwerbstätigen Frauen (47 Prozent) arbeitete allerdings in Teilzeit, bei den Männern waren es nur knapp neun Prozent. EU-weiter Spitzenreiter sind hier die Niederlande. Knapp drei Viertel der Frauen und knapp ein Viertel der Männer waren dort teilzeitbeschäftigt.

Mit der gestiegenen Erwerbstätigkeit wächst auch die finanzielle Unabhängigkeit der Frauen in Deutschland. Der Anteil derjenigen, die ihren Lebensunterhalt überwiegend selbst verdienen, stieg 2018 auf 68 Prozent (2008 - 59 Prozent). Bei Männern lag die Quote mit 81 Prozent deutlich höher.

Deutschland schnitt deutlich besser ab als der Durchschnitt. Trotzdem sind knapp 63 Prozent der Bundesbürger in mindestens einem Feld voreingenommen - 55 Prozent der Frauen und 70 Prozent der Männer.

Männer dominieren in Spitzenpositionen

Der Bericht machte dabei auch noch einen weiteren Trend aus. Zwar sei in gewissen Bereichen eine Angleichung gelungen, doch in Spitzenpositionen dominierten weiterhin die Männer. Dies sehe man etwa beim (noch immer recht niedrigen) Anteil von Frauen in Parlamenten. Dieser sei relativ gesehen jedoch deutlich größer als die Zahl von Frauen als Regierungschefs - nur zehn von 193 Ländern würden von einer Frau geführt. Zwar sei in vielen Bereichen schon Einiges bei der Gleichstellung erreicht worden, trotzdem seien geschlechtsspezifische Unterschiede oftmals aber immer noch allzu offensichtlich, sagte der verantwortliche UNDP-Mitarbeiter Pedro Conceição.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 06. März 2020 um 09:13 Uhr.

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