Der russische Journalist Golunow zeigt sich nach seiner Freilassung aus der Haft zu Tränen gerührt | Bildquelle: dpa

Nach Golunow-Freilassung "Eine richtig schlechte Geschichte"

Stand: 12.06.2019 07:36 Uhr

Dass der russische Enthüllungsjournalist Golunow so schnell freigelassen wurde, überrascht viele. Oppositionelle jubeln und spekulieren, wie es zu der unerwarteten Entscheidung kam.

Von Stephan Laack, ARD-Studio Moskau

Beobachter werten die Freilassung des investigativen Journalisten Iwan Golunow als großen Erfolg für die russische Zivilgesellschaft. Nur wenige Tage nach seiner Festnahme unter absurden Beschuldigungen wegen eines angeblichen Drogendelikts und nach einer beispiellosen Solidarisierung mit Golunow ruderte der Kreml zurück.

Der russische Innenminister Wladimir Kolokolzew sagte am Abend, es gebe keinerlei Beweise für eine Straftat. Der gegen Golunow verhängte Hausarrest werde aufgehoben und die unbegründete Festnahme des Journalisten werde Konsequenzen haben. "Die Handlungen der Mitarbeiter, die für die Festnahme von Herrn Golunow verantwortlich sind, müssen überprüft werden", kündigte der Minister an.

Er kündigte an, Präsident Putin um die Entlassung zweier hochrangiger Generale zu bitten - des Chefs des westlichen Polizei Bezirks der Stadt Moskau sowie des Vorsitzenden der Abteilung für Drogenkontrolle der Stadt Moskau: "Ich bin fest überzeugt, egal welchen Beruf ein Bürger ausübt, seine Rechte müssen immer gewahrt werden."

Ein Mann mit Gegnern

Golunow hatte sich durch die Aufdeckung zahlreicher Fälle von Korruption und persönlicher Bereicherung in Reihen der Moskauer Behörden, darunter Polizei und Geheimdienst einen Namen, aber anscheinend auch Feinde gemacht. Golunows Unterstützer glauben, dass er deshalb aus dem Verkehr gezogen werden sollte.

Pawel Konygin, Sonderberichterstatter der renommierten Zeitung Nowaja Gaseta, hatte schon vor dessen Freilassung die Vermutung geäußert, dass mit der Festnahme Golunows der Bogen überspannt worden sei. Vermutlich hätten Moskauer Geheimdienstmitarbeiter die Festnahme veranlasst.

"Ich denke, dass die Auftraggeber viel Angst bekommen haben, weil sich die Situation gegen sie selbst richten kann. Diese Leute haben ihren hochrangigen Chefs einen Bärendienst erwiesen. Sie haben die Obersten unter Beschuss der Öffentlichkeit gebracht - sowohl den Innenminister als auch den Moskauer Polizeichef und den Pressesprecher von Putin."

Letzterer hatte eingeräumt, auch der Polizei könnten Fehler unterlaufen. Die Vorsitzende des Oberhauses des russischen Parlaments, Valentina Matwijenko, ging sogar noch weiter. Man habe es mit einer richtig schlechten Geschichte zu tun, kommentierte sie die Vorwürfe gegenüber Golunow wegen Drogenvergehens.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 11. Juni 2019 um 22:15 Uhr.

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