Großes ägyptisches Museum | Bildquelle: http://www.atelier-brueckner.com

Al-Sisis Großprojekte in Ägypten Tutanchamuns neue Halle

Stand: 27.03.2018 15:24 Uhr

Ägyptens Präsident al-Sisi ist uneingeschränkter Machthaber im Land. Mit Großprojekten verewigt er sich auch architektonisch. Viele Projekte sind umstritten - nur der Neubau des Ägyptischen Museums nicht.

Von Günter Marks, tagesschau.de

Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi prägt sein Land nicht nur politisch, sondern auch architektonisch. Als uneingeschränkter Machthaber ist er ohnehin sehr präsent - gerade in den Tagen der Präsidentenwahl, bei der er als einziger Kandidat antritt, der die Wahl gewinnen kann. Fernsehen, Radio und Zeitungen berichten täglich über den ehemaligen General. Die Opposition wird klein gehalten.

Dazu kommen aber auch Prestigeprojekte wie der Ausbau des Suezkanals und der Bau von Neu-Kairo, der künftigen Verwaltungshauptstadt Ägyptens im Südosten Kairos. Die Projekte werden zum großen Teil von den Ägyptern sehr wohlwollend betrachtet, da sie von einem Aufbruch zeugen, der sich irgendwann wirtschaftlich niederschlagen soll. Sie belasten jedoch den Haushalt durch die Kredite schwer und werden deshalb immer wieder kritisiert. Denn die Wirtschaft ist in Ägypten nach wie vor schwach, die Inflation hoch, die Löhne sind niedrig, die Preise steigen. Dazu sind viele Ägypter arbeitslos.

Tarek Tawfik | Bildquelle: picture alliance / Хsenya Nikol
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Der Ägyptologe Tarek Tawfik, Direktor des Grand Egyptian Museum. "Mit diesen Projekten kämpfen wir gegen den Terror an."

Üppig ausgestattete wissenschaftliche Labore

Kaum Kritik zieht jedoch der Neubau des Grand Egyptian Museum (GEM) in Gizeh auf sich. Es ist das zurzeit weltweit größte Museumsprojekt. Das GEM beherbergt üppig ausgestattete, moderne wissenschaftliche Labore und löst das alte Ägyptische Museum am Tahrirplatz in der Kairoer Innenstadt ab. Die flugzeughangergroßen Betonhallen des GEM werden zurzeit in Sichtweite der Sphinx und der großen Pyramiden der Pharaonen Cheops und Chephren ausgebaut und bezogen.

Der Ägyptologe Tarik Tawfik ist Direktor des GEM. Der 46-Jährige stammt aus der Region Gizeh, hat in Kairo studiert und in Bonn promoviert. Im Gespräch mit tagesschau.de sagt er, dass die Menschen nach der Revolution im Jahr 2011 gegen fast alles revoltierten. Viele Projekte im Land seien kritisiert worden. Aber nie das Grand Egyptian Museum. "Es gab keine Stimmen, die sich gegen dieses Projekt erhoben haben", sagt er. Das sei vor allem bemerkenswert, da es mit einem Budget von insgesamt einer Milliarde US-Dollar ein sehr teures Projekt sei, so Tawfik. "Das bedeutet für mich, dass es im ägyptischen Volk ein Verständnis für die Wichtigkeit der altägyptischen Wurzeln gibt", sagt er.

Prunkvoll in Gold gestaltete Objekte

Das GEM wird unter anderem die Sammlung des Pharaos Tutanchamun zeigen, der 1332 bis 1323 v. Chr. regierte. Im Ägyptischen Museum am Tahrir-Platz waren lediglich 1600 Stücke aus dem reichen Grab des Kinderpharaos ausgestellt. Das neue Museum in Gizeh wird alle 5600, meist prunkvoll in Gold gestalteten Objekte präsentieren.

Mit der Tutanchamun-Ausstellung startet Ende dieses Jahres die erste von drei Eröffnungsphasen. Nach der zweiten Eröffnung, für die es noch keinen genauen Termin gibt, wird die ägyptische Antikenverwaltung auf rund 50.000 Quadratmeter - also auf gut sieben Fußballfeldern - rund 50.000 Objekte aller Größen aus allen Epochen der altägyptischen Geschichte zeigen. 2022 folgt die dritte Eröffnungsphase, dann wird ein Anbau präsentiert, der eigens für ein Boot gebaut wurde, das Archäologen kürzlich neben der Cheops-Pyramide ausgegraben haben.

Entwicklungsprojekt für die Region

Die Idee für das Grand Egyptian Museum stammt zwar nicht von al-Sisi. Den Grundstein des Hauses legte schon Anfang 2002 der damalige ägyptische Präsident Husni Mubarak. Doch nach den Wirren der Revolution im Jahr 2011 und der anschließenden Regentschaft der Muslimbrüder unter Mohammed Mursi passt das Museumsprojekt durchaus in die großen Programme des neuen Machthabers. Denn als Entwicklungsprojekt bezieht es die gesamte umliegende Infrastruktur von Gizeh ein. Die heute zweispurige Straße vor dem Museum soll auf vier Spuren ausgebaut werden. Es soll ein Autoring um das Areal gebaut werden. Dazu kommt eine Metrostation, die das Museum mit der 18 Kilometer entfernten Innenstadt von Kairo verbinden soll.

"Das Museum wird wahrscheinlich anfangs schon um die zehntausend Besucher pro Tag empfangen", sagt Tawfik. "Das soll über die Jahre ansteigen. Das GEM kann in Zukunft bis zu acht Millionen Besucher im Jahr empfangen. Darauf ist es vorbereitet", sagt er. Darüber hinaus gebe es auch Gedanken über eine komplette Neustrukturierung des gesamten Areals, die die Pyramiden mit einbeziehen. Das werde jedoch noch etwas Zeit in Anspruch nehmen. "Klar ist aber, dass sich das Areal zu dem kulturellen Herzen von Gizeh entwickeln soll", so Tawfik.

Großes ägyptisches Museum | Bildquelle: http://www.atelier-brueckner.com
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Der Eingangsbereich des GEM in der Computeranimation der Stuttgarter Firma Atelier Brückner. Sie ist mit der Planung und Gestaltung der Ausstellung betraut.

Den Lebensstandard verbessern

Das Museum könnte für den lahm liegenden Tourismus in Ägypten ein große Rolle spielen. "Die Einnahmen könnten unter anderem dafür benutzt werden, sowohl die Artefakte weiterhin zu schützen, als auch den Lebensstandard der Menschen zu verbessern, die um das Museum herum wohnen und die vom Tourismus leben", sagt Tawfik.

Den Tourismus wieder anzukurbeln ist jedoch umso schwieriger, da in manchen Regionen Land eine Unsicherheit durch islamistischen Terror besteht. Der von al-Sisi angekündigte Kampf gegen den "Islamischen Staat" auf dem Sinai dauert seit November an, ohne einen Durchbruch zu erzielen. Mittlerweile sind die Dschihadisten auch im Nildelta aktiv. Am vergangenen Wochenende starben zwei Polizisten bei einem Bombenanschlag in der Küstenstadt Alexandria. In Kairo gab es zuletzt immer wieder Anschläge auf koptische Kirchen.

Kampf gegen den Terror

Tawfik sagt, er sei sich in Bezug auf den islamistischen Terror der Bedeutung des Museums für Ägypten durchaus bewusst. "In einer Zeit, in der Terroristen versuchen, Angst und Schrecken zu verbreiten und Kultur weitestgehend zu zerstören und Freiheiten einzuschränken, bekommen große kulturelle Projekte einen ganz anderen Stellenwert", sagt er. "Denn mit diesen Projekten kämpfen wir gegen den Terror an und schaffen Foren, in denen sich Menschen aus aller Welt treffen können."

In einem Land, dem immer wieder von internationalen Politikern und NGOs vorgeworfen wird, Menschenrechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit sowie Vereinigungs- und Religionsfreiheit zu unterdrücken und Frauenrechte und Rechte von LGBTI-Personen zu missachten, politische Gefangene zu machen und unfaire Gerichtsverfahren zu führen, ist das wichtiger denn je.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. Februar 2018 um 13:44 Uhr.

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