Migranten auf der "Gregoretti" am 30.07.2019

Rettungsschiff "Gregoretti" Die Migranten dürfen von Bord

Stand: 31.07.2019 15:58 Uhr

Seit Tagen mussten mehr als 100 Migranten auf der "Gregoretti" - einem Schiff der italienischen Küstenwache - ausharren. Nun gibt es laut Innenminister Salvini eine Lösung. Doch schon droht der nächste Konflikt.

Italiens Innenminister Matteo Salvini hat mitgeteilt, dass es eine Lösung für die Migranten auf dem Küstenwachenschiff "Gregoretti" gibt. Deutschland, Portugal, Luxemburg, Frankreich und Irland sowie einige kirchliche Strukturen in Italien hätten sich bereit erklärt, die Migranten aufzunehmen, sagte Salvini auf Facebook: "Problem gelöst."

Salvini gab die Zahl der Migranten, die die "Gregoretti" nun verlassen können, mit 116 an. Die Küstenwache sprach von 115. Laut dem italienischen Nachrichtensender RaiNews24 befinden sich noch 114 Gerettete an Bord.

Viele Migranten bleiben wohl in Italien

Eine Sprecherin der EU-Kommission bestätigte die Einigung. Sie äußerte sich nicht dazu, wie die Flüchtlinge auf die fünf EU-Länder verteilt werden sollen. Dem Vernehmen nach soll mehr als die Hälfte von ihnen in Italien bleiben, wo sich die Kirche um sie kümmern will.

Italienischen Medien zufolge wird mit der Ausschiffung in der sizilianischen Marinebasis Augusta im Laufe des Tages gerechnet.

Langfristige EU-Lösung nicht in Sicht

Am Dienstag hatten Ärzte, Gesundheits-Sachverständige der Carabinieri und Vertreter der Staatsanwaltschaft von Catania das Schiff besucht, um sich ein Bild von der sanitären und medizinischen Lage zu machen. Laut RaiNews24 stellten die Mediziner 29 Krankheitsfälle fest. Zwei Patienten, einer mit Tuberkulose und einer mit einer infektiösen Verletzung, durften daraufhin an Land. In den Tagen zuvor konnten schon eine Hochschwangere mit ihrer Familie sowie 15 unbegleitete Minderjährige zwischen 15 und 17 Jahren das Schiff verlassen.

Deutschland hatte nach Angaben des Bundesinnenministeriums in Berlin bereits vergangenen Freitag seine Aufnahmebereitschaft für Migranten der "Gregoretti" mitgeteilt.

Der nächste Konflikt droht allerdings bereits: Die deutsche Hilfsorganisation Sea-Eye hat mit ihrem Rettungsschiff "Alan Kurdi" nach eigenen Angaben vor der libyschen Küste 40 Menschen aufgenommen. Salvini untersagte dem Schiff die Einfahrt in die italienischen Hoheitsgewässer.

In den vergangenen Monaten ist es fast zur Regel geworden, dass Flüchtlinge erst dann in Italien an Land gehen dürfen, wenn sich andere Länder nach teils langwierigen Verhandlungen für ihre Aufnahme bereit erklären. Eine langfristige Lösung für die Verteilung von Bootsflüchtlingen ist nicht in Sicht.

Migranten von "Gregoretti" werden auf EU-Staaten verteilt
Jörg Seisselberg, ARD Rom
31.07.2019 15:52 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 31. Juli 2019 um 17:12 Uhr.

Darstellung: