Mitarbeiter vom Roten Kreuz suchen in den zerstörten Häusern nach Vermissten. | Bildquelle: YANNIS KOLESIDIS/EPA-EFE/REX/Shu

Brände in Griechenland Verzweiflung nach dem Feuersturm

Stand: 25.07.2018 20:13 Uhr

Die schweren Brände in Griechenland sind weitgehend gelöscht, doch damit ist die Katastrophe nicht vorbei. Noch immer bergen die Einsatzkräfte Tote, viele Menschen werden noch vermisst.

Von Michael Lehmann, ARD-Studio Athen

Gut 60 Kilometer westlich von Athen waren Löschflugzeuge heute weiterhin im Einsatz, um ein letztes größeres Feuer zu bekämpfen. Mit dabei war auch eines der beiden Spezialflugzeuge, die Italien zur Unterstützung geschickt hat. Zwei kleinere Orte am Berg Gerania mit nur wenigen Häusern sind zur Sicherheit evakuiert worden. Doch die Lage ist im Griff, der Brand eingedämmt und weit abgelegen von bewohntem Gebiet.

Im zweiten großen Brandgebiet an der Küste nahe der Hafenstadt Rafina sind Feuerwehr, Polizei und Bewohner vor allem mit Aufräumen beschäftigt. Sie inspizieren Schäden und suchen nach weiteren Toten.

Im Hafenort Mati läuft eine ältere Frau durch die Überreste ihres komplett zerstörten Ferienhäuschens. "Das Geschirr ist futsch, der Kühlschrank auch - alles vernichtet", sagt sie. "Nichts ist mehr übrig geblieben."

Der Ort Mati nach dem verheerenden Feuer | Bildquelle: AFP
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Viele Häuser in Mati sind komplett zerstört.

Der Ort Mati nach dem verheerenden Feuer | Bildquelle: YANNIS KOLESIDIS/EPA-EFE/REX/Shu
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Rettungskräfte suchen in den Häusern weiter nach Vermissten.

Die Verunsicherung bleibt

Sie konnte sich in der vorletzten Nacht rechtzeitig ans Meer retten, als die Feuer in Sekundenschnelle in den Ort einfielen - angefacht durch starken Wind. Die Zahl der Opfer wurde auch am Vormittag nach oben korrigiert, weil Feuerwehrleute in der Nacht zum Beispiel die Leichen einer Familie in einem ausgebrannten Auto entdeckt hatten. Als sie untersuchen wollten, was in den Rucksäcken des toten Fahrers und seiner Begleitung am Beifahrersitz zu finden sein könnte, stellten sie fest, dass es die verkohlten Leichen von Kindern waren, die sich vermutlich im Feuersturm von hinten an ihre Eltern geklammert hatten.

Hilfe, auch Seelsorge, gibt es vereinzelt in Mati. Panagiotis, Koordinator der griechischen Pfadfinder, verteilt kleine Wasserflaschen und spricht mit Bewohnern und Betroffenen. "Immer wieder kommen Leute und wollen schauen, was aus Ihren Häusern im Feuer geworden ist", erzählt er. "Wir alle sind aber auch verunsichert, weil wir nicht wissen, was genau noch passieren könnte." Manche hätten Angst, dass der Feuerwind wiederkommen könnte. Auch, wenn die meisten Feuer komplett gelöscht seien.

Der Ort Mati nach dem verheerenden Feuer von der Luft aus gesehen | Bildquelle: AFP
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Der Ort Mati nach dem verheerenden Feuer von der Luft aus gesehen

Zahl der Toten könnte weiter steigen

Es wird weiter diskutiert, auch über die Kritik an schlechter Feuerwehrausstattung, an fehlenden Evakuierungsplänen. Doch die Athener Lokaljournalistin Ioanna Gianidis ist unsicher, ob das bei dem plötzlich mit starkem Wind herangepeitschten kurzen Feuersturm vorgestern tatsächlich geholfen hätte. "Viele Menschen sind vor dem Feuer in Richtung Meer geflohen", sagt sie. "Aber sie wussten nicht, dass es da felsig und gefährlich ist. Und dann waren sie gefangen. Das Feuer hat sie eingekesselt. Sie hatten keine Chance."

Einige Bürgermeister der Gemeinden im Waldbrandgebiet vermuten, dass die Zahl der Opfer auf mehr als 100 ansteigen könnte. Suchtrupps werden auch in der kommenden Nacht unterwegs sein, um in den mehr als 1000 zum Teil komplett zerstörten Häusern nach weiteren Toten zu suchen.

Waldbrände in Griechenland: Mindestens 79 Tote und viele Vermisste
tagesschau 20:00 Uhr, 25.07.2018, Ellen Trapp, ARD Rom

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Vorwürfe gegen die Behörden

Im Internet wurde die Liste der noch vermissten Menschen veröffentlicht. 31 Namen, vor allem griechische, aber auch ein russischer und ein asiatischer Name. Es könnte sein, dass einige der Vermissten unter den Toten sind, die bereits geborgen wurden. Die Identifizierung der Brandopfer ist schwierig, die DNA-Analyse könnte noch Tage dauern. Dementsprechend unruhig werden manche Angehörige. Auch mancher Vorwurf gegen die Behörden und gegen Feuerwehrleute wird daher lauter, man habe sich zu wenig um Evakuierungspläne oder bessere Ausstattung der Feuerwehr gekümmert in den letzten Tagen.

In Athen ist seit gestern auch der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe, Christos Stylilanidis. Er versprach weitere Hilfe, wenn diese von griechischer Seite beantragt werde. Der EU-Kommissar kommentierte Spekulationen um mögliche Ursachen des Feuers, also auch eine mögliche Brandstiftung, mit den Worten, spätestens jetzt müsse allen in Europa nach diesen besonders heftigen Waldbränden in Griechenland klar sein, dass die Nachrichten vom Klimawandel keine Fake News seien. Nach der Ursache der Brandkatastrophe östlich von Athen ermittelt allerdings auch offiziell die griechische Justiz.

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Brände in Griechenland (Juli 2018)

Menschen flüchten sich in Mati ins Meer

Wer konnte flüchtete sich bei dem verheerenden Feuer am 23. Juli in Mati ans Ufer des Meeres und wartete auf Hilfe. | Bildquelle: REUTERS

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. Juli 2018 um 20:00 Uhr.

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