Brandschäden in Griechenland | Bildquelle: dpa

Feuer in Griechenland Regierung vermutet Brandstiftung

Stand: 27.07.2018 04:22 Uhr

Die verheerenden Waldbrände in Griechenland mit mindestens 83 Toten sind möglicherweise auf Brandstiftung zurückzuführen. Satellitenbilder und Untersuchungen vor Ort deuten auf mehrere parallele Brandlegungen hin.

Die Brände in der Umgebung von Athen könnten nach den Worten eines griechischen Regierungspolitikers das Werk von Brandstiftern sein. "Es gibt Indizien, die uns zu diesen Gedanken führen", sagte der stellvertretende Minister für Bürgerschutz, Nikos Toskas.

Auf einer Pressekonferenz präsentierte er Satellitenbilder, die für das erste große Waldbrandgebiet 70 Kilometer westlich von Athen Brandstiftung vermuten lassen, da dort kurz hintereinander aufflammende Feuer an einer Straße zu sehen sind.

Auch tödliche Feuer gelegt?

Östlich von Athen, wo mehr als 83 Menschen starben, habe sich der Brand wegen enorm starker Winde rasch ausgebreitet. "Es gibt auch hier nicht nur Indizien, sondern auch Anzeichen der Brandstiftung", sagte Toskas. Details wollte er aber nicht nennen. Er wollte damit die Ermittlungen nicht behindern. Festnahmen von Verdächtigen habe es bislang nicht gegeben. In Griechenland werden öfter Waldbrände auf die Machenschaften von Bodenspekulanten zurückgeführt.

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Brände in Griechenland (Juli 2018)

Menschen flüchten sich in Mati ins Meer

Wer konnte flüchtete sich bei dem verheerenden Feuer am 23. Juli in Mati ans Ufer des Meeres und wartete auf Hilfe. | Bildquelle: REUTERS

Der Auftritt des Ministers gemeinsam mit Feuerwehr und Polizeivertretern sorgte für Verwirrung: Zuvor hatte der Bürgermeister einer Gemeinde, von denen die verheerenden Feuer ihren Lauf nahmen, angegeben, er habe auf dem Gelände seiner Gemeinde ein abgerissenes Stromkabel gesehen, aus dem Funken geflogen kamen. Dies habe die Brandkatastrophe östlich von Athen ausgelöst.

Noch viele Vermisste

Mit Löschflugzeugen hat die Feuerwehr die Brände in Griechenland weitgehend unter Kontrolle gebracht. Noch immer werden zahlreiche Menschen vermisst. Suchtrupps durchkämmten Häuser, während die Küstenwache das Wasser in der Nähe der am schlimmsten betroffenen Gebiete absuchte.

"Wir haben von allen Verwandten der Opfer und Vermissten DNA-Proben genommen und werden in den nächsten Tagen die Identifizierungsergebnisse haben", sagte der Gerichtsmediziner Ilias Bojiokas im Fernsehen. Die meisten Leichen sind seinen Worten zufolge "verkohlt". Deswegen sind die DNA-Tests notwendig. Die Polizei geht davon aus, dass erst nach der Identifizierung der Leichen Klarheit über die genaue Zahl der Vermissten herrschen wird.

Brandschäden in Griechenland | Bildquelle: dpa
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Nach den Bränden ist das gesamte Ausmaß der Schäden noch nicht absehbar.

Tausende Häuser zerstört

Hoch sind die Sachschäden: Nach einer ersten Bilanz haben staatliche Ingenieure 2489 Häuser im Osten Athens überprüft. Davon seien 1218 unbewohnbar. Die Kontrollen werden in den nächsten Tagen fortgesetzt. Tausende Häuser müssen noch begutachtet werden, hieß es seitens der Kommunalbehörden der betroffenen Regionen.

Die Regierung unter Ministerpräsident Alexis Tsipras kündigte am Mittwochabend etliche Hilfen für die Opfer und ihre Familien an. Unter anderem wurden eine einmalige Unterstützung von bis zu 6000 Euro, zwei Sonderrenten für die Rentner und Steuererleichterungen beschlossen. Später soll es auch günstige Kredite für den Wiederaufbau zerstörter Häuser geben. Ein Sonderkonto für Spenden wurden eingerichtet.

Mit Informationen von Michael Lehmann, ARD-Studio Athen

Über dieses Thema berichtete am 27. Juli 2018 Deutschlandfunk um 05:11 Uhr und die tagesschau um 05:30 Uhr.

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