Feuer in Griechenland | Bildquelle: PANTELIS SAITAS/EPA-EFE/REX/Shut

Brände in Griechenland Die Suche nach den Schuldigen

Stand: 04.08.2018 04:28 Uhr

Elf Tage nach der Brandkatastrophe mit mindestens 87 Toten ist der griechische Bürgerschutzminister Toskas zurückgetreten. Doch die Suche nach den Verantwortlichen geht weiter.

Von Michael Lehmann, ARD-Studio Athen

Viele Stunden lang hat Nikos Toskas nach der Brandkatastrophe östlich von Athen damit verbracht, das Unerklärliche doch halbwegs zu verstehen. Als Minister für Bürgerschutz und stellvertretender Innenminister Griechenlands war Toskas ganz vorne in der Schusslinie seiner Kritiker: Zu schlechte Feuerwehrtaktik, mangelhafte Ausrüstung und fehlende oder schlecht angewandte Evakuierungspläne. Das waren die Vorwürfe, die sich die griechische Regierung und immer wieder auch der für Feuerwehr und Polizei verantwortliche Minister Toskas anhören mussten.

Am Nachmittag wich er dem Druck. Seinen Rücktritt begründete er mit den Worten, bei einer Opferzahl von knapp 90 Menschen durch die Feuerkatastrophe könne er jetzt einfach nicht mehr länger im Amt bleiben.

Der griechische Bürgerschutzminister Nikos Toskas geht über einen Flur. | Bildquelle: AFP
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Nach dem Rücktritt von Bürgerschutzminister Nikos Toskas dankte ihm Ministerpräsident Alexis Tsipras für "die Ehrlichkeit und die Hingabe, die er bei der Erfüllung seiner Pflichten zeigte".

Tsipras gibt Vorgänger-Regierungen die Schuld

Ministerpräsident Tsipras hat diesen Rücktritt akzeptieren müssen. Obwohl er als Regierungschef von Anfang an zwar mit seiner Ministerriege die Verantwortung übernommen hatte, Rücktritte aber ausdrücklich ausschloss. Schließlich hätten nur Vorgänger-Regierungen schuld daran, so Tsipras, dass beispielsweise im zur Hälfte zerstörten Hafenort Mati so viele Häuser mit Pinienwäldern in fahrlässig dichter Bauweise illegal entstehen konnten.

Brandschäden in Griechenland | Bildquelle: dpa
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Am 23. Juli waren in der Umgebung der Hauptstadt Athen Waldbrände ausgebrochen, die sich rasend schnell ausbreiteten und unter anderem den Badeort Mati erreichten.

Der zurückgetretene Bürgerschutzminister Toskas hatte noch Anfang der Woche zusammen mit ihm unterstellten Feuerwehr- und Polizeivertretern ausführlich zu den Ermittlungen und Vorwürfen nach den Bränden Stellung genommen. "Wir haben ernstzunehmende Indizien und seriöse Hinweise, dass es sich um einen kriminellen Akt, also um Brandstiftung handeln könnte", hatte er gesagt und gleich hinzugefügt, man habe den Verlauf des Feuers und auch den Tod so vieler Menschen, die nicht mehr rechtzeitig fliehen konnten, genauer untersucht.

Die Verantwortlichen hätten keine gravierenden Fehler gemacht. Er würde sich sehr intensiv bemühen, herauszufinden, wo die Fehler lagen. "Aber ich kann Ihnen das jetzt aus unserer Sicht als Kommando-Zentrale sagen", so Toskas. "Ich habe keine größeren operativen Fehler der Feuerwehr gefunden."

Teilnehmer einer Gedenkfeier zünden in Mati Kerzen an. | Bildquelle: ALEXANDROS BELTES/EPA-EFE/REX/Sh
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Teilnehmer einer Gedenkfeier zündeten im Ferienort Mati im Osten Athens Kerzen an. Die genaue Zahl der Opfer ist noch immer unklar.

Anwohner sehen Fehler bei Feuerwehr und Polizei

Viele Anwohner in Mati und den anderen vom Feuer so verheerend getroffenen Orten meinen jedoch, dass Feuerwehr und Polizei im Chaos der schrecklichen Stunden durchaus Fehler gemacht haben. Es hätten mehr Menschen gewarnt werden müssen, und man hätte anders und besser evakuieren können. Andere, auch Wetter-Experten, sagen, bei derart hohen Windgeschwindigkeiten aus für die Region untypischer Richtung West habe keine Chance bestanden, eine solche Katastrophe zu verhindern, nachdem die Feuer ausgebrochen waren.

Warum der Brand entstanden ist, und warum er von den Höhenzügen über der Küste mit rasender Geschwindigkeit in Richtung Meer gewandert war, das ist auch elf Tage nach der Brandkatastrophe unklar.

Auch die genaue Opferzahl steht noch nicht fest, sie wird im Moment mit knapp 90 angegeben. Die Zahl der Vermissten und lebensgefährlich Verletzten soll nur noch im einstelligen Bereich liegen.

Minister-Rücktritt nach Brandkatastrophe in Griechenland
Michael Lehmann, ARD Istanbul zzt. Athen
04.08.2018 07:51 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. August 2018 um 06:00 Uhr.

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