Gottesdienst in einer Kirche im Badeort Mati, der durch die Brände fast vollkommen zerstört ist. | Bildquelle: AP

Griechenland nach den Bränden Mati rückt zusammen

Stand: 31.07.2018 08:18 Uhr

Durch Waldbrände haben die Einwohner von Mati ihr ganzes Dorf verloren. Griechenlands Regierung verspricht schnelle Unterstützung - und warnt: Die Gefahr ist noch nicht vorbei.

Michael Lehmann, ARD-Studio Athen

Es ist ein friedliches Bild mitten im Katastrophenort Mati: Eine kleine Kirche ist von den Flammen verschont geblieben. Die Grillen scheinen auch auf halb verbrannten Bäumen gern zu zirpen. Angehörige von Opfern treffen auf Überlebende, der Geistliche ist wie immer konzentriert auf seine Gebete.

"Ich bin hierher gekommen um zu beten, zu danken, dass wir überlebt haben und dafür, dass wir alle soweit in Ordnung sind", sagt die 77-jährige Theano Tsikoulou. "Einige Menschen haben überlebt und für die, die gestorben sind, hoffe ich, dass es ihnen im Himmel gut geht."

Tsikoulou spricht unter dem Portal der kleinen Kirche mit Christos Moutsos, einem Nachbarn. Sie sind noch enger zusammengerückt in Mati, auch in der kleinen Kirche.

"Das kann man nicht beschreiben, es war grausam. Das Feuer kam vom Berg da oben runter in nicht mal einer halben Stunde und hat uns überrascht", erinnert sich Moutsos. "Ich habe mit meinem Enkelsohn und meiner Frau schnell das Auto geschnappt und wir haben uns im letzten Moment in Sicherheit bringen können. Das Feuer war da wirklich schon fast in unserem Haus."

Keine Zeit für politische Debatten

Als gestern am Vormittag der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras irgendwo unterhalb dieser Kirche das Katastrophengebiet besucht hatte, sagte er nichts Neues zum Verdacht auf Brandstiftung. Es sind schwierige Ermittlungen, das wissen auch die Leute in Mati.

Tsipras wollte vor allem den Feuerwehrleuten und vielen Helfern danken. Unauffällig, ohne große Pressebegleitung.

Die politische Botschaft dazu kam später, wieder im Athener Stadtzentrum, von Regierungssprecher Dimitris Tzanakopoulos: Man sei nicht in der Stimmung für eine politische Debatte und habe auch keine Zeit dazu.

"Wir haben so viele Opfer in dieser schwierigen Zeit. Vieles ist verbrannt", sagte er. "Was die Regierung jetzt tun muss, ist sich auf die nötigen Konsequenzen zu konzentrieren. Und wir müssen die Opfer dieser Katastrophe mit speziellen Initiativen unterstützen."

Teilnehmer einer Gedenkfeier zünden in Mati Kerzen an. | Bildquelle: ALEXANDROS BELTES/EPA-EFE/REX/Sh
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Teilnehmer einer Gedenkfeier zündeten im Ferienort Mati im Osten Athens Kerzen an. Die genaue Zahl der Opfer ist noch immer unklar.

Millionenhilfe für die Brandopfer ist auf dem Weg. Das soll diesmal schnell geschehen: Wenige Woche vor Griechenlands Übergang in die neue finanzielle Unabhängigkeit auf den freien Märkten braucht die Regierung Beweise, dass sie schnell handeln kann.

Hilfe durch privaten Reeder-Fonds?

Die mehr als 1200 unbewohnbaren Häuser werden nicht alle schnell wieder aufgebaut sein, aber es heißt, der konservative Oppositionsführer Kyriakos Mitsotakis sei in diesen schweren Tagen auf Tsipras zugegangen. Der Mann also, der ihn nächstes Jahr bei den Parlamentswahlen auf dem Regierungssessel ablösen möchte.

Es heißt, die wohlhabende Stiftung des reichen Reeders Stavros Niarchos könnte doch - eingefädelt von der Politik - eine Art Sonderhilfsfonds für die Opfer einrichten.

Die eigentliche Untersuchung der Feuer hat gestern ein fast schon merkwürdiges Detail erbracht: Nur 126 Hektar klein ist das Brandgebiet östlich von Athen, in dem so viele Menschen sterben mussten. Dass ein so eng begrenztes Feuer in so kurzer Zeit so viele Menschen töten kann, ist auch für das waldbranderfahrene Griechenland eine neue Dimension.

Dazu sprach der Regierungssprecher Tzanakopoulos gestern eine Warnung aus - mit Blick auf den heißen August, der erst noch bevorsteht: "Wie sie wissen, bringt uns der Sommer ein hohes Risiko für neue Waldbrände. Diese Zeit ist noch nicht vorbei. Ich glaube, die nächsten Wochen werden jetzt dazu da sein, die Dinge politisch zu analysieren. Und auch zu schauen, was vor Ort während der dramatischen Stunden genau gelaufen ist."

Trauer nach den Feuern - Keine schnellen Erklärungen in Griechenland
Michael Lehmann, ARD Istanbul
31.07.2018 06:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. Juli 2018 um 06:00 Uhr.

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