Der griechische Staatschef Tsipras bekräftigt vor dem Parlament, dass seine Regierung Reparationszahlungen von Deutschland einfordern will. | Bildquelle: REUTERS

Zweiter Weltkrieg Griechenland will Reparationen fordern

Stand: 18.04.2019 11:06 Uhr

Griechenland will von Deutschland 290 Milliarden Euro an Reparationen für die im Zweiten Weltkrieg begangenen Verbrechen einfordern. Das beschloss das Parlament in Athen. Die Bundesregierung wies das zurück.

Griechenland will von Deutschland Entschädigungszahlungen in Milliardenhöhe für im Zweiten Weltkrieg erlittene Kriegsschäden und -verbrechen einfordern. Das griechische Parlament stimmte mit großer Mehrheit für eine entsprechende Vorlage von Gremiumspräsident Nikos Voutsis, mit der die griechische Regierung aufgefordert wird, alle notwendigen diplomatischen und rechtlichen Schritte einzuleiten.

"Eine historische und moralische Pflicht"

Demzufolge will Griechenland 290 Milliarden Euro von Deutschland verlangen. Zunächst will die Regierung in Athen eine Verbalnote an die Bundesregierung schicken.

Der griechische Staatschef Alexis Tsipras betonte vor den Abgeordneten des Parlaments:

"Die Forderung von Reparationszahlungen ist für uns eine historische und moralische Pflicht."

Tsipras sagte weiter, er habe erst abwarten wollen, bis die internationalen Hilfsprogramme ausgelaufen seien, die Griechenland aus der schweren Finanzkrise helfen sollten. Nun sei der richtige Zeitpunkt gekommen: "Wir haben jetzt die Chance, dieses Kapitel für beide Völker abzuschließen." Dies müsse aber freundschaftlich und "auf Augenhöhe" geschehen.

Nutzt Tsipras Forderungen für seinen Wahlkampf?

Die Mitglieder des Parlaments hatten über mehrere Stunden über die Reparationszahlungen debattiert. Auch Berichte von Augenzeugen wurden verlesen, die berichteten, wie Nationalsozialisten in griechische Dörfer eingefallen waren und unzählige Menschen getötet hatten.

Unter den Parteien gingen die Ansichten zu den Entschädigungen von deutscher Seite weit auseinander. Die Populisten etwa sahen in den Forderungen lediglich den Versuch Tsipras, Stimmen für die im Herbst anstehende Parlamentswahl zu gewinnen. Der rechtsextremen Partei "Goldene Morgenröte" war der Betrag deutlich zu gering. Ihrer Auffassung nach müsse Deutschland mindestens 400 Milliarden Euro zahlen.

Amateuraufnahme zeigt deutsche Soldaten in Distomo im Jahr 1944 | Bildquelle: dpa
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Eine Amateuraufnahme zeigt deutsche Soldaten 1944 in Distomo

Bundesregierung weist erneute Forderungen zurück

Die Opposition bezweifelte, dass Deutschland bereit sei, der Forderung nachzukommen, wie Vasilis Leventis vor dem Parlament ausführte:

"Die deutsche Seite ist der Meinung, dass sie das Thema mit der Zahlung von 160 Millionen Mark an die Opfer und der Aufnahme von rund 420.000 Gastarbeitern abgegolten hat."

Tatsächlich wies die Bundesregierung die neuen griechischen Forderungen entschieden zurück. Die Haltung der Bundesregierung sei unverändert, betonte ein Sprecher. "Die Frage nach deutschen Reparationen ist juristisch wie politisch abschließend geregelt".

Die Regierung stützt sich dabei auf den 1990 zur Wiedervereinigung unterzeichneten Zwei-plus-Vier-Vertrag, in dem es heißt, es seien "keine weiteren Reparationen" vorgesehen.

Regierungssprecher Steffen Seibert betonte auch, dass sich Deutschland seiner historischen Verantwortung bewusst sei. "Wir wissen um die große Schuld, um das große Leid, das Deutschland und Deutsche zu Zeiten des Nationalsozialismus über Griechenland gebracht haben". Deshalb bemühe man sich um gute Beziehungen zu Griechenland "als Freunde und Partner".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. April 2019 um 06:00 Uhr.

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