Großbritanniens Premierminister Boris Johnson mit schwarzer Schutzmaske. | Bildquelle: REUTERS

Mutiertes Coronavirus Johnson auf Lösungssuche

Stand: 21.12.2020 20:24 Uhr

Wegen der Ausbreitung einer neuen Coronavirus-Variante gerät Großbritannien immer mehr in die Isolation. Mehrere Länder verhängten Einreiseverbote, Frankreich schloss Seewege und den Eurotunnel. Premierminister Johnson bemüht sich um eine Lösung.

Der britische Premierminister Boris Johnson hofft nach einem Telefonat mit dem französischen Präsident Emmanuel Macron auf eine rasche Wiederaufnahme des Warenverkehrs mit dem Festland.

Er sei zuvesichtlich, dass das Problem "in den nächsten Stunden" gelöst werden könne, sagte Johnson. "Wir wollen das Problem so schnell wie möglich lösen." Es müsse sichergestellt werden, dass Lastwagen in beide Richtungen "covid-frei" fahren könnten.

Johnson versucht zu beruhigen

Der Premier versuchte, die Bevölkerung zu beruhigen. "Die große Mehrheit von Lebensmitteln, Medikamenten und Versorgungsgütern erreichen uns wie immer", sagte Johnson. Über den seit Sonntagabend geschlossenen Hafen Dover am Ärmelkanal würden nur 20 Prozent der Güter gehandelt und beträfen nur Waren, die von Menschen begleitet werden, also Lastwagen. Der Lkw-Stau sei zudem bereits deutlich reduziert worden, betonte Johnson.

Frankreich hatte wegen der raschen Ausbreitung der von den Briten als besonders aggressiv eingestuften Mutation des Coronavirus die Grenzen zu Großbritannien geschlossen. Das betrifft auch die Fährverbindungen zwischen Dover und dem französischen Calais sowie den Eurotunnel.

Lkw stehen in Warteschlangen vor dem Hafen von Folkestone. | Bildquelle: dpa
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Seit Tagen stauten sich Lastwagen auf der britischen Seite des Ärmelkanals.

Einreiseverbote in vielen EU-Ländern

Neben Frankreich stoppten die meisten europäischen Länder die Einreise aus dem Königreich, darunter auch Deutschland. Weitere Länder wollen folgen. Einzelne Mitglieder des grenzkontrollfreien Schengen-Raums wie Griechenland und Island trafen zunächst aber noch keine Entscheidung.

Auch die Fristen für den Einreisestopp sind sehr unterschiedlich: Sie liegen zwischen 48 Stunden und zwei Wochen. In Deutschland dürfen bis zum 31. Dezember keine Flugzeuge aus Großbritannien mit Passagieren mehr landen. Die Bundesregierung war mit dieser Entscheidung innerhalb der EU vorangeschritten. Ein von ihr als EU-Präsidentschaft einberufenes Krisentreffen der Mitgliedstaaten blieb aber ohne konkrete Ergebnisse.

Nach der mehrstündigen Sitzung hieß es, die Teilnehmer hätten Informationen über die bislang verhängten nationalen Maßnahmen ausgetauscht. Die EU-Kommission sei dann aufgefordert worden, Leitlinien für ein schnelles und koordiniertes Handeln vorzulegen.

Maas beschwört gemeinsame Reaktion

Bundesaußenminister Heiko Maas sprach von einer "substanziell veränderten Gefährdungseinschätzung" in Großbritannien. Er betonte, wie wichtig eine gemeinsame Reaktion der Europäischen Union sei. Nur so könne verhindert werden, dass ein Einreisestopp über andere EU-Mitgliedstaaten umgangen wird.

Innerhalb des Schengen-Raums, dem die meisten EU-Staaten angehören, sind die Grenzen während der zweiten Corona-Welle weitgehend offen geblieben. Das heißt, die Einreise von Großbritannien nach Deutschland über ein EU-Land ohne Einreisesperre wäre problemlos möglich.

Mutation taucht in weiteren Ländern auf

Die neue Variante des Coronavirus ist außer in Großbritannien auch in Australien, Island, Italien, den Niederlanden und Dänemark gefunden worden. Abgesehen von Dänemark handelt es hierbei laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) um Einzelfälle.

In Dänemark sind bisher neun Fälle bekannt. Schweden machte deswegen seine Grenze zu dem Nachbarland dicht, auch die Türkei verhängte einen Einreisestopp für das Land. Deutschland ergriff zunächst keine entsprechenden Maßnahmen.

Keine Hinweise auf schwereren Krankheitsverlauf

Die in Großbritannien entdeckte Mutation ist nach ersten Erkenntnissen britischer Wissenschaftler um bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form sein könnte. Premierminister Boris Johnson hatte betont, es gebe aber keine Hinweise darauf, dass Impfstoffe gegen die Mutation weniger effektiv seien. Die Form breitet sich vor allem in London und Südostengland rasant aus.

Nach Angaben der WHO gibt es keine Hinweise darauf, dass Menschen, bei denen die neue Variante nachgewiesen wurde, einen schwereren Krankheitsverlauf haben als früher Infizierte.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 21. Dezember 2020 um 23:05 Uhr.

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