Zwei Männer mit Mundschutz gehen an der Bank of England vorbei.  | Bildquelle: dpa

Coronavirus in Großbritannien Kampf gegen den Mangel

Stand: 02.04.2020 04:10 Uhr

Im britischen Kampf gegen das Coronavirus fehlt es an allen Ecken und Enden. Es gibt nicht genug Tests, und ein Viertel des medizinischen Personals ist entweder krank geschrieben oder in Selbstisolation.

Von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

Der britische Kampf gegen das Corona-Virus ist vor allem ein Kampf gegen den Mangel. Es fehlt an vielem: An Intensiv-Betten, an Beatmungsgeräten, an Schutzbekleidung für die Mitarbeiter in den Kliniken - und, wie jetzt immer klarer und dringlicher wird, auch an Tests. Nur für acht- bis zehntausend pro Tag reicht es derzeit. Das liegt unter anderem am Engpass für die Chemikalien, die wir für die Tests brauchen, sagt Kabinettsminister Michael Gove.

25.000 Tests am Tag will die Regierung erreichen, aber bis es soweit sei, könne es Ende des Monats werden, heißt es. Während Deutschland schon jetzt bis zu 100.000 Tests täglich schafft, sind es in Großbritannien bestenfalls ein Zehntel. Wir sind einfach zu langsam und schlecht organisiert, kritisiert Professor Anthony Castello, früherer Direktor bei der Weltgesundheitsorganisation WHO.

"Wir haben 44 Labore hier im Land, die das können. Wenn die pro Tag 400 Tests machen, dann wären wir auf dem Level von Deutschland. Aber bei uns wollte man lange nur mit den staatlichen Laboren zusammenarbeiten. Die privaten sind erst seit zwei Wochen mit an Bord."

Ein Viertel des medizinischen Personals krank gemeldet

Getestet werden bislang überwiegend Patienten. Das heißt aber auch: Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Krankenhäusern wissen nicht, ob sie arbeiten können, ohne sich oder andere zu gefährden. Außerdem gibt es in den Kliniken offenbar viel zu wenig Gesichts-Masken und Einmal-Handschuhe. Mindestens ein Viertel der rund 500.000 Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern ist derzeit krank gemeldet oder befindet sich in der Selbstisolation. Ist doch kein Wunder, erklärt Sara Hedderwick, Infektionsspezialistin im nationalen Gesundheitsdienst NHS.

"Sie haben Angst, wie alle hier im Land. Sie wissen nicht, ob sie bei der Arbeit geschützt sind. Und sie sind immer mehr unsicher, ob sie das glauben können, was die Regierung ihnen sagt."

Auch an Beatmungsgeräten herrscht ein akuter Mangel. 8000 sind es derzeit. Viel zu wenig, sagen Experten, aber die von der Regierung versprochene Vervielfachung lässt auf sich warten. Die Industrie, darunter ein Staubsaugerhersteller, wurde um die Umstellung ihrer Produktion gebeten. Mit Erfolg, findet Kabinettsminister Michael Gove.

"An diesem Wochenende wird das erste von 1000 neuen Beatmungsgeräten vom Band laufen. Nächste Woche werden sie ausgeliefert, sie gehen direkt in die Krankenhäuser."

Aber dort fehlt es auch an Personal. Der NHS gilt ohnehin als chronisch unterbesetzt, wegen des Brexits haben darüber hinaus inzwischen zahlreiche Mitarbeiter aus der EU die Kliniken und das Land verlassen. Jetzt sind 20.000 ehemalige Ärzte und Pfleger einem Aufruf der Regierung gefolgt, aus dem Ruhestand zurückzukehren.

Keine Tests, kein Equipment: Der britische Kampf gegen das Virus
Thomas Spickhofen, ARD London
02.04.2020 05:56 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. April 2020 um 07:31 Uhr.

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