Studenten schreiben ihr Examen in Brighton. (Archivbild) | Bildquelle: picture alliance / empics

Briten ohne Erasmus Keine Gelder für Studierende aus der EU

Stand: 01.01.2021 10:44 Uhr

Zum Handelsabkommen mit der EU gehört auch Großbritanniens Ausstieg aus dem Erasmus-Programm. Premier Johnson fand es schlicht zu teuer. Er will in Zukunft nur noch eigene Studierende fördern. EU-Gäste haben das Nachsehen.

Von Imke Köhler, ARD-Studio London

Auslandserfahrung macht sich in jedem Lebenslauf gut. Sie hilft, den eigenen Horizont zu erweitern und ist für viele junge Menschen eine wertvolle Erfahrung. Amelie Bauer macht diese Erfahrung gerade, die Münchnerin studiert Jura am University College London (UCL).

Sie sieht ihren Auslandsaufenthalt sehr positiv. "Ich finde, man wird ganz anders selbständig", sagt sie. Man nehme auch eine neue Kultur ganz anders wahr, weil man wirklich ein Teil davon werde und nicht nur zu Besuch sei.

Es geht ums Geld

Ein Studium in Großbritannien von bis zu zwölf Monaten hat bisher das Erasmus-Programm vielen Studenten ermöglicht, aber aus dem steigt die britische Regierung nun aus. Uta Staiger, die geschäftsführende Direktorin des European Institut am University College London UCL, hatte damit schon gerechnet. "Die britische Regierung hat sich nicht besonders interessiert gezeigt, sehr viel Kapital darauf zu verwenden", sagt sie.

Tatsächlich geht es ums Geld, das hatte Premier Boris Johnson an Heiligabend bei der Bekanntgabe, dass ein Abkommen mit der EU erzielt wurde, eingeräumt: "Großbritannien ist ein großer Nettozahler, was den Bildungssektor des Kontinents betrifft. Denn über die letzten Jahrzehnte hatten wir so viele EU-Bürger hier." Das sei wunderbar gewesen, aber finanziell seien die Briten dabei schlecht weggekommen. "Erasmus war auch sehr teuer", sagte der Premier.

Johnson will eigenes Programm

Für EU-Studenten war das Programm ein echter Gewinn, denn in Großbritannien müssen - anders als in Deutschland - Studiengebühren gezahlt werden. Erasmus-Studenten wurden diese Gebühren erlassen. Für die britischen Universitäten war das dagegen nicht so vorteilhaft, räumt auch Staiger ein, weil ein Studienplatz mehr koste, als finanziell vom Programm abgedeckt worden sei.

Abgesehen davon gab es ein großes Ungleichgewicht bei den Studentenzahlen. In der Vergangenheit sind mit Erasmus pro Jahr fast doppelt so viele Studenten ins Vereinigte Königreich gekommen, wie britische Studenten ins europäische Ausland gegangen sind. Deshalb will die britische Regierung nun ihr eigenes Programm konzipieren, das nach dem britischen Mathematiker und Computerpionier Alan Turing benannt werden soll.

Abschlussfeier internationaler auch deutscher Studenten am King's College in London. | Bildquelle: Jana Seyther
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Abschlussfeier internationaler auch deutscher Studenten am King's College in London.

Premier Johnson kündigte an, dass britische Studenten damit nicht nur die Möglichkeit hätten, europäische Universitäten zu besuchen, sondern auch die besten der Welt. "Wir wollen, dass unsere jungen Leute den immensen intellektuellen Ansporn in Europa, aber auch in der Welt erleben."

Hoffnung auf Kooperationen

Die britische Regierung will für das Turing-Programm im kommenden Jahr mehr als 100 Millionen Pfund zur Verfügung stellen. Damit sollen von September an bis zu 35.000 Studenten ins Ausland gehen können. Medienberichten zufolge soll das Programm aber keine Mittel für Studierende bereitstellen, die ins Vereinigte Königreich kommen.

Gehören für EU-Studenten damit schon jetzt alle Vorteile des Erasmus-Programms der Vergangenheit an? Nicht ganz, erklärt Staiger: "Es gibt einen Unterschied zwischen dem Erasmus-Programm als Verwaltungsstruktur und den Geldern, die zur Verfügung gestellt werden." Das UCL und viele andere Universitäten hätten noch Erasmus-Gelder bis Mai 2022. "Danach muss man das bilateral mit den Universitäten regeln", sagt die Direktorin.

Es gibt für die EU-Studenten also - wenn man es so nennen will - eine Übergangsphase. "Man spürt den Brexit schon", meint Studentin Amelie. Sie habe das Gefühl, dass Großbritannien von der EU wegrücke.

Großbritannien steigt aus dem Erasmus-Programm aus
Imke Köhler, ARD London
01.01.2020 09:33 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Dezember 2020 um 18:16 Uhr.

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