Der britische Premier Johnson verkündet bei einer Pressekonferenz in London neue Corona-Maßnahmen. | Bildquelle: REUTERS

Corona-Pandemie Johnson schickt England in den Lockdown

Stand: 31.10.2020 23:34 Uhr

Angesichts steigender Corona-Zahlen zieht auch der britische Premier Johnson die Notbremse: Ab Donnerstag soll ein Teil-Lockdown für England kommen. Dann müssen unter anderem Restaurants und Pubs schließen.

Von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

"Wenn wir jetzt nicht handeln", sagt der britische Premier Boris Johnson, "dann könnten wir schon bald mehrere Tausend Tote pro Tag haben, weit mehr als im April." Schon jetzt infizieren sich in Großbritannien täglich mindestens 50.000 Menschen mit dem Virus. Manche Krankenhäuser haben bereits so viele Covid-19-Patienten wie auf dem Höhepunkt der ersten Welle.

Ohne zusätzliche Maßnahmen könnte die Zahl der Toten in den nächsten zwei Monaten auf 2000 bis 4000 pro Tag steigen, sagen die Berater der Regierung. Angesichts dieser Entwicklung sieht sich der britische Premier nun doch zu dem gezwungen, was er seit Wochen vermeiden will: einen erneuten Lockdown.

"Bleiben Sie zu Hause, gehen Sie nur zu ganz bestimmten Dingen raus wie zum Beispiel Schule oder Arbeit, wenn Sie nicht von zu Hause aus arbeiten können. Shops, Freizeiteinrichtungen, Fitnessstudios werden geschlossen, ebenso Pubs, Bars und Restaurants, außer für Takeaway. Und wer über 60 ist oder Vorerkrankungen hat, sollte die Regeln besonders genau beachten und Kontakte mit anderen minimieren."

Nicht ganz so scharfe Maßnahmen wie im Frühjahr

Im Gegensatz zum Frühjahr bleiben diesmal aber Kindergärten, Schulen und Universitäten geöffnet. Auch die Vorgabe, höchstens eine Stunde draußen zu verbringen, taucht diesmal nicht auf. Auf Baustellen kann weiterhin gearbeitet werden, die Premier League wird weiterhin spielen. Das Kurzarbeitergeld, das eigentlich gerade ausläuft, wird um einen Monat verlängert. Am Mittwoch soll das Unterhaus über das Paket abstimmen, damit es am Donnerstag in Kraft treten kann - für vier Wochen, bis zum 2. Dezember.

Johnson appelliert an die Bevölkerung und lenkt den Blick auf Weihnachten. Das werde dieses Jahr anders sein, vielleicht sogar ganz anders. "Aber ich glaube fest daran, dass wir so unseren Familien ein gemeinsames Weihnachtsfest ermöglichen können." Gleichzeitig verweist der Premierminister auf die anderen europäischen Länder. Nicht nur Großbritannien sei betroffen, sondern "auch unsere Freunde in Belgien, Frankreich und Deutschland haben sehr ähnliche Schritte beschlossen".

Kommt der Lockdown zu spät?

Schon im September hatten die wissenschaftlichen Berater der Regierung einen erneuten Lockdown empfohlen, um die Verbreitungsketten zu unterbrechen. Johnson aber entschied sich für regionale Einschränkungen und hält das auch weiterhin für richtig. "Die Kosten dieser Einschränkungen, der Schaden, den das bei Jobs, Lebensstandards und psychischer Gesundheit anrichtet, sind groß", erklärte Johnson. Man habe nicht einen Landesteil schließen wollen, weil sich die Infektion in einem anderen ausbreite.

Viele Menschen vor Pubs und Restaurants in der Old Compton Street im Londoner Stadtteil Soho. | Bildquelle: dpa
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Noch ist die Old Compton Street im Londoner Stadtteil Soho voller Menschen. Das dürfte sich mit der Schließung von Restaurants und Pubs ab Donnerstag ändern.

Kritiker werfen Johnson vor, so die Gelegenheit eines Lockdowns in Verbindung mit den Herbstferien in der zweiten Oktoberhälfte verpasst zu haben. Die Maßnahmen der Regierung in London betreffen nur England, aber in anderen Landesteilen gelten ohnehin schon wieder striktere Regeln. Am Montag führt auch die schottische Landesregierung wieder schärfere Bestimmungen ein, Wales befindet sich bereits seit einer Woche wieder im Lockdown, Nordirland seit Mitte Oktober.

England vor erneutem Lockdown
Thomas Spickhofen, ARD London
31.10.2020 22:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 31. Oktober 2020 um 20:00 Uhr.

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