Prozess in Großbritannien Wegen 159-facher Vergewaltigung verurteilt

Stand: 06.01.2020 18:35 Uhr

Er hatte seine Opfer mit Versprechungen gelockt, mit Drogen betäubt, sich an ihnen vergangen - und dies gefilmt. Zehn Jahre blieben die Verbrechen von Reynhard Sinaga unentdeckt. Nun endete der Prozess.

Von Thomas Spickhofen, ARD London

Einen Fall wie den des Sexual-Serienstraftäters Reynhard Sinaga hat Ian Rushton von der Staatsanwaltschaft in Manchester noch nicht erlebt. "Insgesamt haben wir fast 160 Vergehen festgestellt, bei 48 Opfern. Er ist wahrscheinlich der schlimmste Vergewaltiger, der weltweit je vor Gericht gestanden hat, mindestens aber in Großbritannien", sagte Rushton.

Reynhard Sinaga ist 36 Jahre alt und britischen Medienberichten zufolge Langzeit-Student, aber schon mit mehreren Abschlüssen und auf dem Weg zu einem Doktor-Titel in Kulturgeografie. Seine Wohnung liegt in der Stadtmitte von Manchester, drumherum viele Pubs und Clubs und studentische Treffpunkte.

Dort sprach Sinaga seine Opfer an - immer Männer, meistens jung, bis Anfang 20 - und lockte sie mit dem Versprechen eines Drinks oder ein Taxi zu holen in seine Wohnung. In der Wohnung verabreichte er ihnen eine Droge, die Opfer wurden bewusstlos, der Täter verging sich an ihnen und filmte das.

Reynhard Sinaga | Bildquelle: GREATER MANCHESTER POLICE/HANDOU
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Muss für 30 Jahre ins Gefängnis: Der Brite Reynhard Sinaga hat weit über 100 Männer vergewaltigt.

Insgesamt wohl 190 Opfer - viele noch nicht identifiziert

Auf seinem Handy fand die Polizei stundenlange Aufzeichnungen aus vermutlich mehr als zehn Jahren, berichtet Mabs Hussein von der Polizei in Manchester. "Das ist ein beispielloser Fall", betonte Rushton. Allein die Menge der Beweise ist eine Herausforderung. Das ist so viel wie 1500 DVDs. Wir glauben, dass es insgesamt mehr als 190 Opfer sind, und 70 davon müssen immer noch identifiziert werden."

Sinaga flog auf, weil eines seiner Opfer während der Vergewaltigung wach wurde, trotz der betäubenden Drogen. Der Mann wehrte sich und rief schließlich die Polizei. Die meisten Opfer erfuhren allerdings erst durch Lisa Waters von einem speziellen Betreuungszentrum, dass sie überhaupt vergewaltigt wurden. "Manche Männer kamen in ihrer Familie nicht mehr zurecht und mussten sie verlassen. Andere bekamen Selbstmordgedanken", berichtete Waters.

Verbrechen etwa zehn Jahre unentdeckt

Die Ermittler gehen davon aus, dass Sinaga seit zehn Jahren seine Verbrechen beging. Dass er so lange unentdeckt bleiben konnte, wundert Waters nicht. "Wenn nicht gerade körperliche Verletzungen zu sehen sind, kommst du ja gar nicht erst auf den Gedanken, dass du sexuell missbraucht wurdest."

Prozessbeobachtern zufolge hat der Täter behauptet, es habe sich immer um einvernehmlichen Sex gehandelt. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, von denen er mindestens 30 Jahre hinter Gittern verbringen muss.

Britisches Gericht verurteilt 36-Jährigen wegen 159facher Vergewaltigung
Thomas Spickhofen, ARD London
06.01.2020 17:29 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 07. Januar 2020 um 23:56 Uhr.

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