US-Präsident Trump spricht auf einem Flugplatz zu Reportern | Bildquelle: AP

Gipfel auf Herbst verschoben Trump stellt G7-Treffen in Frage

Stand: 31.05.2020 08:44 Uhr

So viel Hin und Her gab es selten um einen G7-Gipfel. Die neueste Entwicklung: Trump verschiebt das Treffen der sieben großen Industrienationen auf den Herbst. Und er macht bei der Gelegenheit auch gleich klar, dass er die G7 ohnehin für "veraltet" hält.

US-Präsident Donald Trump hat den G7-Gipfel überraschend verschoben. Das Treffen der sieben führenden Industrieländer solle statt im Juni nun im Herbst stattfinden, erklärte Trump. Als möglichen Termin nannte er September.

Zugleich stellte er das Format an sich in Frage. Die Zusammensetzung der Länder sei "völlig veraltet". Er habe nicht das Gefühl, dass die Gruppe der sieben großen Industriestaaten das Geschehen auf der Welt richtig abbilde, sagte Trump nach Angaben mitreisender Journalisten auf dem Rückflug von Cape Canaveral nach Washington. Er wolle Russland, Südkorea, Australien und Indien dazu einladen.

Zu den G7 gehören die USA, Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Kanada und Japan. Die alljährlichen Gipfeltreffen richten die Mitgliedsländer abwechselnd aus. Russland war 2014 aus der damaligen G8, also der G7 plus Russland, wegen der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim ausgeschlossen worden. Seinerzeit war noch Barack Obama US-Präsident. Russland kontrolliert die Krim noch immer, und mehrere G7-Staaten haben frühere Forderungen Trumps zurückgewiesen, Russland wieder aufzunehmen.

Australien freut sich

Die australische Regierung begrüßte Trumps Vorschlag. Es habe bereits Kontakt zwischen Ministerpräsident Scott Morrison und den USA wegen dieses Themas gegeben, sagte ein Sprecher.

Südkorea will nach Angaben aus Regierungskreisen den Vorstoß mit den USA besprechen.

Erste Planung: In Trumps eigenem Hotel

Um das diesjährige Treffen in den USA hatte es zuvor schon einiges Hin und Her gegeben. Trump hatte zunächst vorgeschlagen, es solle Mitte Juni in seiner eigenen Hotelanlage in Florida stattfinden. Nachdem dies sowohl bei den Demokraten als auch bei Trumps eigener Partei, den Republikanern auf Widerstand stieß, sollte der Gipfel dann auf dem Landsitz des Präsidenten in Camp David stattfinden.

Im März hatte die US-Regierung den Gipfel dann wegen der Corona-Pandemie abgesagt und stattdessen eine Videokonferenz angesetzt. Vor einer Woche hatte Trump überraschend erklärt, der Gipfel könne doch Ende Juni als Präsenztreffen stattfinden - "in erster Linie" im Weißen Haus in Washington. Als Grund nannte er, dass sich sein Land bereits von der Pandemie erhole. Er selbst sprach von einem "großartigen Signal der Normalisierung".

Von Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte Trump allerdings einen Korb bekommen. Merkel könne könne wegen der Corona-Pandemie eine Reise Ende Juni in die USA nicht zusagen, so Regierungssprecher Steffen Seibert.

Täglich etwa 20.000 Neuinfektionen in den USA

Die USA sind das am schwersten von der Corona-Pandemie betroffene Land weltweit. Dort wurden bereits mehr als 1,7 Millionen Infektionen nachgewiesen, 103.605 Infizierte starben (Stand: 30.05., 23 Uhr). Zurzeit werden dort täglich im Schnitt etwa 20.000 Neuinfektionen registriert.

Trump wird vorgeworfen, das neuartige Coronavirus lange unterschätzt und unzureichend reagiert zu haben - und nun zu versuchen, von seinem eigenen Versagen abzulenken. Der Präsident befindet sich im Wahlkampf, im Herbst wird in den USA gewählt.

Trump will G7-Gipfel auf September verschieben
Julia Kastein, ARD Washington
31.05.2020 06:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 31. Mai 2020 MDR Aktuell um 09:35 Uhr und die tagesschau um 09:55 Uhr.

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