Ein Agent des venezolanischen Geheimdienstes steht vor dem Haus, in dem sich das Büro von Oppositionschef Guaidó befindet. | Bildquelle: AFP

Venezuela Geheimdienst durchsucht Guaidós Büro

Stand: 22.01.2020 05:27 Uhr

Während Oppositionschef Guaidó in Europa um Verbündete wirbt, hat Venezuelas Geheimdienst offenbar dessen Büroräume durchsucht. Zuvor war ein Oppositionsabgeordneter festgenommen worden. Guaidó verurteilte die Maßnahmen als feige.

Beamte des venezolanischen Geheimdienstes Sebin haben die Büroräume des selbst ernannten Interimspräsidenten und Oppositionsführers Juan Guaidó durchsucht. "Es gab einen großen Einsatz von Agenten, die mit schwarzen Säcken in unsere Büros kamen und wieder gingen. Wir wissen nicht, was sie mitgenommen oder hingebracht haben", schrieb Guaidós Ehefrau Fabiana Rosales auf Twitter.

Die Mitarbeiter der Geheimdienstbehörde Sebin hätten die Räume ohne Durchsuchungsbefehl betreten, sagte die mit Guaidó verbündete Abgeordnete Delsa Solórzano. Die Räume waren nach ihren Angaben zu diesem Zeitpunkt leer: Es gebe keine Zeuge" dafür, was dort vor sich gehe. Der Wolkenkratzer, in dem Guaidós Büroräume liegen, war zuvor von bewaffneten und maskierten Sebin-Beamten umstellt worden. 

Auf einem von oppositionellen Abgeordneten veröffentlichten Video waren zwei maskierte Agenten zu sehen, die den Eingang zu dem Büro versperrten. Kurz zuvor hatte die Polizei nach Angaben von Regierungsgegnern den oppositionellen Abgeordneten Ismael León festgenommen.

Der britische Außenminister Raab und der venezolanische Oppositionsführer Guaidó | Bildquelle: AP
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Am Dienstag wurde Guaidó vom britischen Außenminister Raab empfangen.

Treffen mit internationalen Spitzenpolitikern

Guaidó hatte sich am Wochenende über ein gegen ihn verhängtes Ausreiseverbot hinweggesetzt und war zunächst in das benachbarte Kolumbien gereist. Dort traf er den kolumbianischen Staatschef Iván Duque und US-Außenminister Mike Pompeo. Anschließend reiste Guaidó nach Europa weiter, um im Machtkampf mit dem venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro um internationale Unterstützung zu werben.

Am Dienstag traf er sich in London mit dem britischen Außenminister Dominic Raab, für Mittwoch sind Gespräche mit dem EU-Außenbeauftragten Josep Borrell und Kommissionsvizepräsident Margaritis Schinas in Brüssel geplant und am Donnerstag will Guaidó das Weltwirtschaftsforum in Davos besuchen. "Feige Diktatur", schrieb Guaidó auf Twitter. "Während ich unterwegs bin, um Hilfe zu beschaffen, damit wir diese Tragödie überwinden können, entführen sie den Abgeordneten Ismael Léon und durchsuchen unser Büro."

Machtkampf schwelt seit einem Jahr

Parlamentschef Guaidó hatte sich vor einem Jahr zum Interimspräsidenten erklärt und den sozialistischen Staatschef Maduro damit offen herausgefordert. Zwar ist Maduro mittlerweile weltweit weitgehend isoliert, allerdings hält er sich mit Hilfe des Militärs und der Unterstützung seiner Verbündeten China, Russland und Kuba weiter an der Macht. Mehr als 50 Staaten - darunter die USA und Deutschland - haben Guaidó offiziell als Übergangspräsidenten des südamerikanischen Krisenstaates anerkannt - allerdings kann der sich in Venezuela nicht durchsetzen.

Die humanitäre Lage in dem einst reichen Land mit den weltgrößten Erdölreserven ist katastrophal. 4,5 Millionen der gut 30 Millionen Venezolaner haben das Land bereits verlassen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Januar 2020 um 06:00 Uhr.

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