Trinkwasserausgabe im Dorf Sous-Roche, Haiti | Bildquelle: AP

Nach Hurrikan "Matthew" in Haiti UN warnen vor humanitärer Tragödie

Stand: 12.10.2016 03:30 Uhr

Die Vereinten Nationen schlagen Alarm: 1,4 Millionen Menschen in Haiti benötigten dringend Hilfe. Es fehle an Trinkwasser, Arzneimitteln, Strom. Zudem drohe eine Cholera-Epidemie. Die Zahl der Todesopfer erhöhte sich auf 473. Zahlreiche Menschen werden vermisst.

Nach dem Hurrikan "Matthew" warnen die Vereinten Nationen vor einer humanitären Tragödie in Haiti. Die UN-Gesandte für den Inselstaat, Sandra Honoré, sprach sich vor dem Sicherheitsrat dafür aus, das Mandat der UN-Friedenstruppe Minustah um weitere sechs Monate zu verlängern. Der Rat will am Donnerstag darüber entscheiden. Honoré sagte, angesichts der Auswirkungen des Hurrikans auf den politischen Prozess und die Stabilität des Landes sei der Verbleib der 6000 Blauhelme nötiger denn je.

Honoré erklärte 1,4 Millionen Menschen benötigten sofort Hilfe. Die ohnehin fragile Infrastruktur bei der Wasserversorgung und den sanitären Anlagen sei schwer beschädigt worden. Trinkwasser fehle und die Gefahr von Durchfallerkrankungen - auch Cholera - sei hoch. Es gebe Hunderte Cholera-Verdachtsfälle, und es habe die ersten Todesfälle gegeben, so die UN-Gesandte. Die Vereinten Nationen stellten Wasserreinigungsanlagen und Arzneimittel zur Verfügung.

WHO: Haitianer können sich am besten selbst helfen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rief unterdessen dazu auf, die bestehenden Institutionen des Gesundheitssystems in Haiti zu stärken, statt von außen neue Hilfsteams zu schicken. "Die Besten, um den Haitianern zu helfen, sind die Haitianer selbst", sagte der WHO-Vertreter in Haiti, Jean-Luc Poncelet. Das Wichtigste sei, die bestehenden Krankenhäuser wieder zum Laufen zu bringen. Die besonders betroffenen Kliniken in Jérémie und Les Cayes könnten Patienten behandeln, sagte Poncelet, doch fehle es an Strom, Wasser und Medikamenten.

Angesichts der Welle der Hilfsbereitschaft nach den verheerenden Schäden des Hurrikans mahnte Poncelet, dass den Organisationen, die bereits vor Ort seien, Priorität gegeben werden sollte. Ihre Mitarbeiter sprächen Französisch und Kreolisch, würden die Leuten kennen und seien daher effizienter, sagte der WHO-Vertreter. Anders als nach dem katastrophalen Erdbeben von 2010 seien die Haitianer in der Lage, die Verletzten des Hurrikans selbst zu behandeln und die nötigen Schritte zu ergreifen, um eine Ausbreitung der Cholera zu verhindern. Die vom Gesundheitsministerium angeforderten Medikamente zu diesem Zweck seien ausreichend.

Überschwemmungen fördern Cholera-Ausbreitung

Haiti war bereits vor dem Hurrikan von einer schweren Cholera-Epidemie betroffen. Durch die Überschwemmungen droht nun eine weitere Ausbreitung der Krankheit. Die WHO hat eine Millionen Dosen Impfstoff nach Haiti entsandt. Poncelet warnte aber, es handele sich um einen Impfstoff, der in der Welt nur in geringer Menge vorkomme und daher zurückhaltend eingesetzt werden sollte. Nicht alle Haitianer müssten geimpft werden.

Laut den neuesten Zahlen der Behörden kamen bei dem Hurrikan vergangene Woche 473 Menschen in Haiti ums Leben. Landesweit werden noch immer 75 Menschen vermisst. Mehr als 175.500 Haitianer leben in Notunterkünften.

Weitere Tote in den USA

Die Zahl der Hurrikan-Toten im US-Staat North Carolina hat sich auf 18 erhöht. Gouverneur Pat McCrory sagte, im Bezirk Robeson seien zwei Ertrunkene gefunden worden. Weitere Tote habe es in den Bezirken Columbus und Wayne gegeben. Alle seien während des Wirbelsturms in ihren Fahrzeugen von den Wassermassen mitgerissen worden.

Die Gesamtzahl der Toten in den USA ist damit auf 33 gestiegen. US-Präsident Barack Obama sagte, die Gefahr durch Überflutungen sei noch nicht vorüber und gab Bundesmittel für die Katastrophenhilfe frei.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 12. Oktober 2016 um 11:00 Uhr.

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