Besucher bei der Heiligsprechung in Rom

Heiligsprechung zweier Päpste "So etwas darf man nicht verpassen"

Stand: 27.04.2014 02:22 Uhr

Es ist ein kirchenhistorisches Ereignis, was sich heute in Rom abspielen wird: Gleich zwei Päpste, Johannes Paul II. und Johannes XXIII., werden heiliggesprochen - im Beisein von wiederum gleich zwei Päpsten. Dementsprechend groß ist der Andrang: mehr als eine Million Besucher werden zu dem Spektakel erwartet. Viele von ihnen nehmen einige Strapazen auf sich, um möglichst nah dabei sein zu können.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

"Santo subito", riefen sie schon bei der Trauerfeier für diesen Papst. Und die Heiligsprechung von Johannes Paul II. erfolgt tatsächlich nur neun Jahre nach dessen Tod im Jahr 2005 - Rekordtempo für katholische Verhältnisse, schneller als es das Kirchenrecht zulässt.

Mit Johannes Paul II. erhält die katholische Kirche einen Heiligen, den die meisten Katholiken noch erlebt haben. Einen Heiligen zum Anfassen, wenn man so will. "Wir verdanken ihm viel", sagt sein Nachfolger Franziskus. "Ich bin Johannes Paul II. dankbar, wie das gesamte Volk Gottes, für seinen unermüdlichen Dienst, für seine geistliche Führung und dafür, dass er die Kirche ins dritte Millennium des Glaubens geführt hat und für seine vorbildliche Heiligkeit."

Das tapfere Leiden und Sterben dieses Papstes, seine unzähligen Auslandsreisen, sein Beitrag zum Ende des Kalten Krieges - das sind nur einige Höhepunkte eines Pontifikats, das zu den längsten der Kirchengeschichte zählt.

In Polen schon lange ein Heiliger

Vor allem in seiner Heimat Polen wurde Karol Wojtyla schon lange wie ein Heiliger verehrt. Viele Polen haben, wie Zbyzszek Czajka aus Danzig, keine Kosten und Mühen gescheut, um diesen besonderen Tag in Rom zu erleben. "Wir sind mit dem Rad am 12. April gestartet und sind nach zwölf Tagen hier auf dem Petersplatz  angekommen", berichtet er. "Nachdem die Heiligsprechung von Johannes Paul II. bekannt wurde, ist diese Idee einer Fahrt von Danzig nach Rom geboren. Das Wetter war nicht besonders gut, zum Beispiel in Tschechien, als wir über 150 km durch Schnee und Regen fuhren. Das war eine große Anstrengung."

In Krakau wird am Abend vor der Heiligsprechung von Johannes Paul II. mit einer Multimedia-Schau an den polnischen Papst erinnert.
galerie

In Krakau wird am Abend vor der Heiligsprechung von Johannes Paul II. mit einer Multimedia-Schau an den polnischen Papst erinnert.

Die meisten italienischen Pilger kommen aus der Heimat des zweiten Heiligen dieses Tages, aus Bergamo. Im kleinen Ort Sotto il Monte kam Angelo Roncalli als Bauernsohn zur Welt. Als Papst Johannes XXIII. schrieb er Geschichte, weil er seiner Kirche ein Reformkonzil verordnete: das II. Vatikanische Konzil.

Dabei ging es ihm vor allem um drei Ziele, sagt sein Neffe Marco Roncalli: die Öffnung der Kirche für die Moderne, die Wiederherstellung der Einheit der Christen und die Förderung des Friedens und der Gerechtigkeit. "Um die Probleme zu lösen, die sich auf seinem Schreibtisch türmten, hatte Johannes XXIII. ein Bild vor Augen: Die Kirche als Garten, der sich ständig verjüngt, nicht als Museum."

Mehr als eine Million Besucher erwartet

Rund eine Million Menschen feiern die Heiligsprechung der beiden Päpste in Rom. So lautet eine vorsichtige Schätzung des italienischen Innenministeriums, das rund 5000 Ordnungskräfte abgestellt hat, um die Sicherheit rund um den Petersdom zu gewährleisten. Viele Gläubige verbrachten die Nacht betend in Kirchen oder campierend in der Nähe des Petersplatzes, um am Morgen die besten Plätze zu ergattern.

In Schlafsäcken verbringen die Pilger die Nacht möglichst nahe dem Petersplatz, um sich am Morgen gute Plätze zu sichern.
galerie

Schon die Nacht vorab ist ein großes gemeinschaftliches Ereignis: In Decken und Schlafsäcken verbringen die Pilger die Nacht möglichst nahe dem Petersplatz, um sich am Morgen gute Plätze zu sichern.

"So etwas darf man nicht verpassen. Sie haben der Welt so viel gegeben, haben die Herzen der Menschen berührt. Da muss man dabei sein", sagt eine Pilgerin. Und eine anderer meint: "Johannes Paul II. war 'unser' Papst. Wir sind mit ihm aufgewachsen. Meine Frau hatte als Kind sogar das Glück, einmal von ihm umarmt zu werden. Er ist für uns ein großer Hirte und Lehrer."

Auch Benedikt kommt

Die schnelle Heiligsprechung von Johannes Paul II. wurde von seinem direkten Nachfolger besonders unterstützt. Lange war gerätselt worden, ob der emeritierte Papst Benedikt XVI. auch an dem heutigen Gottesdienst teilnehmen wird. Vatikansprecher Federico Lombardi lüftete gestern das Geheimnis: "Papst Benedikt hat die Einladung von Papst Franziskus angenommen und angekündigt, dass er an der Feier teilnehmen und mitzelebrieren wird. Wir sind natürlich alle geehrt von seiner Anwesenheit."

So gewinnt ein ohnehin schon kirchenhistorisches Ereignis noch einmal an Bedeutung. Benedikt XVI. feiert gemeinsam mit seinem Nachfolger Franziskus die Heiligsprechung der beiden Vorgänger im Papstamt, Johannes XXIII. und Johannes Pauls II.

Viele polnische Flaggen sind am Abend auf der Piazza Navona zu sehen, wo Pilger zu einer Nachtwache zusammengekommen sind.
galerie

Vor allem polnische Flaggen sind am Abend auf der Piazza Navona zu sehen, wo Pilger zu einer Nachtwache zusammengekommen sind.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 26. April 2014 um 23:15 Uhr.

Darstellung: