Hella Mewis sitzt in einem Boot auf dem Fluss Tigris. | Bildquelle: dpa

Irak Deutsche nach Entführung befreit

Stand: 24.07.2020 12:59 Uhr

Die deutsche Kuratorin Hella Mewis war am Montag in Bagdad verschleppt worden. Jetzt wurde sie nach Angaben des irakischen Militärs befreit und in die deutsche Botschaft nach Bagdad gebracht.

Außenminister Heiko Maas hat mit Erleichterung auf die Befreiung der entführten deutschen Kuratorin, Hella Mewis, reagiert. "Sie wurde vor wenigen Minuten von den irakischen Behörden in die Obhut unserer Botschaft in Bagdad übergeben", sagte Maas.

Er dankte der irakischen Regierung und den irakischen Sicherheitsbehörden, die entscheidend zu einem guten Ende des Falles beigetragen hätten. Nach eigenen Angaben hatten irakische Sicherheitskräfte Mewis befreit. Details zu der Aktion wurden nicht bekannt.

Nach Angaben deutscher Diplomaten ist die Frau wohlauf. Sie war Anfang der Woche in der irakischen Hauptstadt Bagdad von Unbekannten entführt worden. Die bewaffneten Männer sollen mit zwei Autos vorgefahren und die gebürtige Berlinerin in ihre Gewalt gebracht haben.

Führten Verhandlungen zu der Befreiung?

Ebenso unklar wie Details zur Befreiung blieb die Frage, ob vor dem Einsatz der Sicherheitskräfte Verhandlungen stattgefunden haben könnten.

Das Auswärtige Amt äußerte sich dazu nicht. Maas hatte eine Lösung des Falls in Aussicht gestellt, bei der "die betroffene Person und ihr Wohlbefinden gesichert" werde. Zuvor war ein Krisenstab eingerichtet worden.

Identität der Entführer unbekannt

Auch wer für die Entführung verantwortlich ist, blieb unklar. Mewis hatte sich politisch engagiert, weshalb politische Widersacher als Drahtzieher der Entführung vermutet wurden.

Der Verdacht richtete sich vor allem gegen zwei Milizen, die im Irak aktiv sind: Die irantreue Schiitenmiliz "Kataib Hisbollah" und die sunnitische Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Allerdings hatte ein Sprecher der "Kataib Hisbollah" eine Beteiligung indirekt abgestritten. Von Seiten des IS oder anderer Gruppen bekannte sich bisher niemand zu der Tat.

Druck durch Freunde

Mewis lebt seit mehreren Jahren in Bagdad und hat dort an vielen Kunst- und Kulturprojekten mitgewirkt.

Sie arbeitet auch als freie Mitarbeiterin sowie Beraterin für das Goethe-Institut und gilt als gut vernetzt. Freunde von Mewis hatten in vergangenen Tagen versucht, in dem Fall den Druck auf die irakische Regierung zu erhöhen.

Irak: Hella Mewis wurde befreit
Carsten Kühntopp, SWR
24.07.2020 09:58 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Juli 2020 um 09:00 Uhr.

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