Ein bei US-Angriffen zerstörtes Gebäude im irakischen Al-Kaim | Bildquelle: REUTERS

US-Angriff im Irak und Syrien Hisbollah-Miliz schwört Rache

Stand: 30.12.2019 15:04 Uhr

Nach den US-Angriffen auf die Stellungen der Kata'ib Hisbollah in Syrien und dem Irak schwört diese Rache. Der irakische Ministerpräsident spricht von einer "gefährlichen Eskalation".

Von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Obwohl die Ziele im Irak und in Syrien lagen, hatten die Amerikaner den Iran im Visier. Denn aus US-Sicht steht Teheran hinter der irakischen Miliz Kata'ib Hisbollah, die die Amerikaner für Angriffe auf amerikanische Ziele im Irak verantwortlich machen. 

Konkret reagierten die USA am Sonntag auf einen Raketenangriff auf den Militärstützpunkt K1. Die Basis liegt etwa 15 Kilometer nordwestlich von Kirkuk. Dort sind US-Soldaten und Angehörige der irakischen Bundespolizei und irakische Anti-Terror-Spezialkräfte stationiert. Bei dem Angriff mit 30 Raketen am Freitag war ein US-Zivilist ums Leben gekommen, mehrere amerikanische und irakische Soldaten wurden verletzt.

US-Außenminister Mike Pompeo spricht vor der Öffentlichkeit über den Angriff der USA auf Hisbollah-Ziele in Syrien und im Irak . | Bildquelle: REUTERS
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US-Außenminister Pompeo: "Heute haben wir eine entschlossene Antwort gegeben."

Rote Linie überschritten

Damit war aus US-Sicht eine rote Linie überschritten. "Der Angriff auf eine irakische Einrichtung bedrohte amerikanische Kräfte. Dies geschieht seit Wochen immer wieder", sagte US-Außenminister Mike Pompeo. Es sei nicht der erste Angriff auf solche Einrichtungen gewesen, der das Leben von Amerikanern gefährdet habe.

"Heute haben wir eine entschlossene Antwort gegeben, die unterstreicht, was Präsident Trump seit Monaten immer wieder gesagt hat: Wir werden nicht zulassen, dass die Islamische Republik Iran Dinge tut, die Amerikaner und Amerikanerinnen gefährdet", sagte Pompeo.

Miliz erhält Unterstützung vom Iran

Die Kata’ib Hisbollah - zu deutsch: Hisbollah-Brigaden oder Brigaden der Partei Gottes - machten 2007 erstmals auf sich aufmerksam, mit Angriffen auf amerikanische Soldaten im Irak. Die Miliz wird vom Iran unterstützt, ihre Mitglieder haben einen Treueeid auf den Obersten Führer des Iran abgelegt.

Luftansichten verschiedener vermeintlicher Militärbasen im Irak | Bildquelle: via REUTERS
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Diese Luftaufnahmen sollen einige der Ziele zeigen. Irakische Sicherheitskreise melden, 13 Kämpfer der Milizen seien getötet worden.

Die Miliz gehört den irakischen Hashd al-Shaabi an, den Volksmobilisierungseinheiten, und hat sich am Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" beteiligt. Nominell untersteht sie dem irakischen Armeekommando, hat aber in der Vergangenheit klar gemacht, dass ihre Loyalität zuerst Teheran gilt. In Syrien kämpft sie für Präsident Baschar al-Assad. Zur Hisbollah im Libanon hat sie eine ideologische Nähe. 

Rache an USA angekündigt

Der Anführer der Hisbollah-Brigaden, Abu Mahdi al-Muhandis, ist gleichzeitig die Nummer Zwei der Volksmobilisierungseinheiten und damit einer der mächtigsten Männer im Irak. Nach den US-Angriffen schwor Al-Muhandis bei einem öffentlichen Auftritt vor Anhängern Rache: Man werde Amerika dafür zur Verantwortung ziehen, so Al-Muhandis. Er schwöre bei Gott, dass man fortan nicht schweigen werde.

Der amtierende irakische Ministerpräsident Adel Abdel Mahdi verurteilte die US-Angriffe als Verletzung der Souveränität seines Landes. Er sprach von einer "gefährlichen Eskalation, die die Sicherheit des Irak und der Region" gefährde. Abdel Mahdi und der irakische Präsident Barham Salih erklärten beide, die Amerikaner hätten sie vorab über die geplanten Angriffe informiert. Beide sagten, sie hätten vergebens versucht, die Amerikaner umzustimmen.

Derzeit haben die USA etwa 5000 Soldaten im Irak stationiert. Sie sind dort auf Einladung der irakischen Regierung.

US-Angriffe auf Hisbollah-Ziele im Irak und in Syrien lassen Spannungen steigen
Carsten Kühntopp, ARD Kairo
30.12.2019 14:40 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 30. Dezember 2019 um 14:50 Uhr.

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