Die Morgensonne scheint auf das "Hollywood"-Schild in Los Angeles. | Bildquelle: REUTERS

Hollywood und das Coronavirus Die Traumfabrik steht still

Stand: 17.03.2020 10:35 Uhr

Kinos bleiben leer, Filmstarts werden verschoben, Dreharbeiten gehen in die Zwangspause: Die Einschränkungen in Folge der Coronavirus-Pandemie machen auch vor Hollywood nicht halt.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Es war ein denkwürdiger Auftritt von Late-Night-Show-Moderator Stephen Colbert in der vergangenen Woche auf dem Sender CBS. Normalerweise rennt der Moderator mit der Hornbrille und gegelten Haaren durch das Publikum, um alle mit Handschlag zu begrüßen. Dieses Mal saßen dort aber nur eine Handvoll Menschen. "Wie ihr merkt - keiner von euch ist hier. Alle Leute im Publikum sind meine Mitarbeiter."

Pause für die Late-Night-Talker

Eigentlich sollten dies die Proben zur Sendung "Late Show with Stephen Colbert" werden. Noch am Vortag hatte man bekanntgegeben, dass erst ab Montag kein Publikum mehr zur Live-Sendung zugelassen wird. Dies habe sich nun schnell geändert - Auflagen der Stadt New York, erklärte Colbert. Deshalb müsse man auf einmal ohne Publikum senden.

Nun wird allerdings gar nicht mehr gesendet. Colbert wie auch seine Kollegen Jimmy Kimmel, James Corden, Jimmy Fallon oder Seth Meyers pausieren allesamt wegen der aktuellen Coronavirus-Krise.

Rund 100 Serien liegen auf Eis

Nicht nur Live-Sendungen sind auf einmal betroffen, auch andere Dreharbeiten für Filme und TV-Sendungen wurden unterbrochen, um die Ansteckung an den Sets zu vermeiden. Betroffen von den Zwangspausen ist zum Beispiel die Sendung "Greys Anatomy". Die Serie, die in Los Angeles gedreht wird, befindet sich in der 16. Staffel. 21 von 25 Folgen hatte man bereits abgedreht.

Auch die Arbeit an Serien wie "The Blacklist", der neuen Staffel von "Russian Doll", "The Handmaid's Tale" oder "Stranger Things" ruht. Insgesamt sind rund 100 Serien betroffen. Die Verlegung der Dreharbeiten bedeutet wahrscheinlich, dass viele dieser Serien später als geplant ausgestrahlt werden können.  

Studios stellen Filme früher online

Die Drehstopps treffen auch Filme. Der Disney-Konzern hat beispielsweise alle aktuellen Dreharbeiten eingestellt - darunter zur Real-Verfilmung von "Die kleine Meerjungfrau". Der neueste Teil der "Fast and Furious"- Reihe wurde von diesem ins kommende Jahr verlegt. Viele Studios befürchten große Umsatzeinbußen, denn die Kinos bleiben leer - wenn sie nicht, wie in China beispielsweise, sowieso schon geschlossen sind.

Auch deswegen verlegen einige Studios ihre Filme gleich ins Fernsehen oder auf Streamingplattformen. Das ist insofern ein Novum, als dass normalerweise Kinobetreiber traditionell bis zu drei Monate lang exklusive Vorführrechte für Filme erhalten - erst dann werden sie anderweitig verfügbar, als DVDs, im TV oder auf Streamingplattformen.

NBCUniversal stellt nun seine aktuellen Filme zeitgleich online, zum Beispiel den Kinderfilm "Trolls World Tour", der am 10. April in die Kinos kommt. Auch gerade angelaufene Filme wie "Der Unsichtbare" werden bereits per Streaming verfügbar sein, auch wenn sie parallel noch im Kino zu sehen sind.

Logo von Walt Disney | Bildquelle: AP
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Studios wie Disney stellen aktuelle Filme früher als gewohnt auf ihren Plattformen zur Verfügung.

Marketingschachzug von Disney?

Disney veröffentlicht seinen Kinohit "Die Eiskönigin 2" ebenfalls verfrüht auf seiner eigenen Streamingplattform Disney+ - ein schlauer Marketingschachzug, meint Lucas Shaw, Filmexperte bei Bloomberg, auf NPR: "Mehr Leute werden deswegen wahrscheinlich den neuen Streamingservice von Disney abonnieren und diesen anderen Plattformen vorziehen."

Keine Dreharbeiten, weniger Kinostarts, Hollywood steht still - das alleine schon ist wahrscheinlich Stoff für einen Film. Vielleicht im kommenden Jahr.

Hollywood steht still
Katharina Wilhelm, ARD Los Angeles
17.03.2020 10:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 17. März 2020 um 23:36 Uhr.

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