Polizei in Hongkong, Bild vom 30.07.2019 | Bildquelle: dpa

Hongkong Anklage wegen Aufruhrs - und neue Gewalt

Stand: 31.07.2019 08:56 Uhr

In Hongkong sind erstmals mehr als 40 Demonstranten wegen Aufruhrs angeklagt worden. Dies sorgte für neue Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten. Mehrere Menschen wurden zudem mit Feuerwerk beschossen und verletzt.

Nach Anklagen gegen 44 regierungskritische Demonstranten haben in Hongkong erneut viele Menschen protestiert. Trotz starkem Regen versammelten sich Dutzende Protestierende vor einem Gericht, wo die Beschuldigten dem Richter vorgeführt werden sollten. Die Polizei schloss nicht aus, dass noch weitere Anklagen folgen.

Tatvorwurf Aufruhr

Den Demonstranten wird vorgeworfen, randaliert und sich an einem "Aufruhr" beteiligt zu haben. Es ist das erste Mal, dass die Justiz diesen Straftatbestand anwendet.

Mehrere Hundert Menschen hatten sich bereits am Dienstagabend vor einer Polizeistation versammelt, um gegen die Anklage zu demonstrieren. Erneut kam es dabei zu Zusammenstößen. Aus der Menge flogen Eier auf die Station in Kwai Chung, während die Polizei versuchte, die Protestler mit Pfefferspray zu vertreiben.

An einer weiteren Polizeistation, vor der sich Demonstranten versammelt hatten, wurden am frühen Morgen Menschen mit Feuerwerkskörpern verletzt. Über soziale Medien verbreitete Videos zeigten ein Auto, das an der Polizeiwache Tin Shui Wai vorbeifährt und von dem aus Feuerwerkskörper in Richtung der Station und der Demonstranten geschossen werden. Sechs Verletzte gab es nach Angaben der Polizei, die eine Untersuchung des Vorfalls ankündigte.

In der Finanzmetropole gibt es seit Wochen immer wieder Protestmärsche mit Hunderttausenden Teilnehmern. Auslöser war ein umstrittener Gesetzentwurf zur Auslieferung mutmaßlicher Krimineller an China.

Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam hat das Gesetz mittlerweile zwar für "tot" erklärt, allerdings ging sie nicht auf die Forderung der Demonstranten ein, den Gesetzentwurf formell zurückzuziehen. Die Proteste richten sich außerdem gegen die Polizei, der vorgeworfen wird, bei den Demonstrationen in diesem Sommer zu hart vorgegangen zu sein.

Einfluss Chinas wächst

Die frühere britische Kronkolonie Hongkong wird seit der Rückgabe 1997 an China nach dem Grundsatz "ein Land, zwei Systeme" als eigenes Territorium autonom regiert. Anders als die Menschen in der Volksrepublik genießen die Hongkonger das Recht auf freie Meinungsäußerung sowie Presse- und Versammlungsfreiheit. Immer mehr Hongkonger befürchten aber, dass die Führung in Peking ihre Rechte beschneiden will.

Hongkong bleibt unruhig: Neue Zusammenstöße in der Nacht
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
31.07.2019 09:43 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. Juli 2019 um 08:30 Uhr.

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