Demonstration Hongkong | Bildquelle: dpa

Proteste in Hongkong Straßenschlachten, Tränengas und Gewalt

Stand: 24.08.2019 17:05 Uhr

Chaotische Szenen in den Straßen von Hongkong: Bei neuen Anti-Regierungsprotesten ist es zu Straßenschlachten gekommen. Die Polizei setzte Tränengas ein. Die Demonstranten warfen Steine.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai, zzt. Hongkong

Zum ersten Mal seit zehn Tagen ist es bei den Anti-Regierungsprotesten in Hongkong wieder zu Gewalt gekommen. Im Stadtteil Kwun Tong lieferten sich einige Dutzend Demonstranten Straßenschlachten mit Einsatzkräften. Zuvor hatte die Polizei einen Demonstrationszug mit mehreren tausend Teilnehmern blockiert.

Radikale errichteten daraufhin Straßensperren aus Metallzäunen und Bambusstangen. Sie bewarfen die Einsatzkräfte mit Pflastersteinen und Brandsätzen. Die Polizisten setzten Tränengas und Schlagstöcke ein. Sie nahmen erneut einige Protestierer fest. Zuvor hatte es eine friedliche Demo gegeben.

Gewalt in Hongkong | Bildquelle: dpa
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Bewaffnet mit Schlagstöcken versuchte die Polizei Protestierende zu vertreiben. Sie warfen mit Steinen.

Den Stadtteil Kwun Tong hatten sich die Demonstranten für heute gezielt ausgesucht. Dort wolle Hongkongs-Regierung die öffentliche Kamera-Überwachung massiv ausbauen, sagen Aktivisten. Sie warnen, dass diese Kameras wie in Festlandchina auch zur systematischen Gesichtserkennung verwendet werden könnten. Hongkongs Regierung weist diese Vorwürfe zurück.

Eine angekündigte Blockade-Aktion am Hongkonger Flughafen fiel aus. Der Betrieb in den beiden Terminals lief normal. "Hier sind mehr Polizisten unterwegs als sonst," sagte ein 29-jähriger Fluggast der Nachrichtenagentur Reuters. "Es waren aber alle nett zu mir. Ist also kein Problem."

Proteste seit rund zweieinhalb Monaten

Die Massenproteste in Hongkong dauern nun seit rund zweieinhalb Monaten. Die Demonstranten fordern unter anderem eine unabhängige Untersuchung umstrittener Polizeieinsätze in den vergangenen Wochen. Die Protestierer fordern außerdem demokratische Wahlen in Hongkong. Im Kern richten sich die Proteste gegen den wachsenden Einfluss von Chinas kommunistischer Führung auf die autonom regierte Stadt.

Die frühere britische Kolonie gehört seit Mitte 1997 zu China und genießt ein hohes Maß an Autonomie. So gibt es in Hongkong - anders als in Festlandchina - eine freie Wirtschaft, Rechtstaatlichkeit, Meinungs- und Pressefreiheit sowie eine lebhafte Zivilgesellschaft. Ein Großteil der Proteste verläuft friedlich.

Die Staats- und Parteiführung in Peking versucht hingegen das Bild zu vermitteln, es handle sich um Unruhen von Separatisten, Gewalttätern und Terroristen, die die chinesische Sonderverwaltungsregion in den Abgrund stoßen wollten.

Hongkong-Proteste: Erneut Gewalt, Tränengas, Straßenschlacht
Steffen Wurzel, ARD Shanghai, zzt. Hongkong
24.08.2019 16:54 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. August 2019 um 17:00 Uhr.

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