Polizisten richteten ihre Waffen auf die Protestierenden in Hongkong. | Bildquelle: AP

Proteste in Hongkong Verhärtete Fronten und neue Gewalt

Stand: 25.08.2019 18:02 Uhr

Im Anschluss an friedliche Kundgebungen in Hongkong ist es erneut zu Ausschreitungen gekommen. Die Polizei setzte Tränengas und zum ersten Mal auch Wasserwerfer ein. Ein Polizist gab einen Warnschuss ab.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai, zzt. Hongkong

Die Gewalt im Zuge der Proteste in Hongkong hat eine neue Stufe erreicht. Am Abend lieferten sich radikale Protestierer heftige Straßenschlachten mit der Polizei.

Sie bewarfen die Einsatzkräfte mit Pflastersteinen und Brandsätzen, einige Protestierer gingen mit Baseballschlägern direkt auf die Polizisten zu. Erstmals seit Beginn der Proteste Anfang Juni feuerte ein Polizist einen Warnschuss aus seiner Pistole ab, um die Protestierer zurückzuhalten. Auf einem Video einer Reporterin der "South China Morning Post" ist das zu sehen und zu hören.

Gegenseitige Gewaltvorwürfe

Die Hongkonger Polizei setzte auch zum ersten Mal Wasserwerfer gegen die Protestierer ein, genauer gesagt gegen diejenigen, die im Anschluss an eine genehmigte und friedliche Demonstration im Stadtteil Tsuen Wan Straßensperren errichteten.

Die Fronten sind verhärtet. Hongkongs Polizei wirft den radikalen Protestierern vor, für die Gewalteskalation verantwortlich zu sein. Die Anti-Regierungsdemonstranten wiederum werfen den Polizisten einen übermäßigen Einsatz von Gewalt vor. Sie verweisen etwa auf Videoaufnahmen von einer Demonstration gestern.

Zu sehen ist, wie Polizisten einen festgenommenen Demonstranten an den Händen festhalten und über die Straße ziehen. Der Mann ist in dieser Situation offensichtlich wehrlos, er trägt keine Schuhe mehr und sein Oberkörper ist halb entblößt. Zwei Polizisten schleifen ihn über den Asphalt und schlagen mit Gummiknüppeln auf ihn ein.

Auch Wasserwerfer kamen in Hongkong zum Einsatz. | Bildquelle: JEROME FAVRE/EPA-EFE/REX
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Auch Wasserwerfer kamen zum Einsatz.

Großteil der Demonstranten blieb friedlich

Trotz der Gewalt am Samstag- und Sonntagabend: Der große Teil der Anti-Regierungsproteste in Hongkong verlief auch dieses Wochenende wieder friedlich. Menschen aus allen Bevölkerungsschichten beteiligten sich mit verschiedenen Aktionen.

So gab es einen kleinen Protestmarsch von Schriftstellern und Autoren. Sie marschierten durch den Hongkonger Stadtteil Central. Eine der Organisatorinnen ist Tammy Ho, die Präsidentin des Hongkonger PEN-Clubs. "Auch andere Berufsgruppen haben in den vergangenen Wochen Proteste organisiert. Jetzt waren wir der Meinung: Auch Schriftsteller sollten etwas tun."

"Die zunehmende Gewalt ist besorgniserregend", sagt Protestmarschteilnehmer Tom Cheng. "Damit meine ich sowohl die Gewalt der Protestierer als auch das fragwürdige Vorgehen der Polizei. Deswegen gehen wir jetzt auf die Straße und sagen unsere Meinung."

Tausende demonstrierten im strömenden Regen zunächst friedlich. | Bildquelle: AFP
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Tausende hatten im strömenden Regen zunächst friedlich demonstriert.

Regierung berät über Auswege aus der Krise

Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam teilte am Wochenende mit, dass sie sich mit 19 Vertretern aus Politik und Wirtschaft getroffen hat, um über Auswege aus der politischen Krise in der Sonderverwaltungsregion zu beraten.

Die "South China Morning Post" berichtet, dass zahlreiche Teilnehmer des Gesprächs Lam aufforderten, auf die Protestierer zuzugehen. Sie rieten Hongkongs Regierungschefin demnach, das umstrittene Auslieferungsgesetz vollständig zurückzunehmen. Auch forderten sie Lam dem Bericht zufolge auf, die Polizeigewalt bei den Protesten der vergangenen Wochen unabhängig untersuchen zu lassen.

Hongkong erlebt Wochenende des friedlichen Protests und der Gewalt
Steffen Wurzel, ARD Hongkong
26.08.2019 07:35 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. August 2019 um 18:22 Uhr.

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