Simon Cheng | Bildquelle: FACEBOOK / FREE SIMON CHE

Ex-Konsulatsmitarbeiter Foltervorwurf gegen China

Stand: 20.11.2019 13:29 Uhr

Das längste Verhör soll 48 Stunden ohne Pause gedauert haben: Der frühere Mitarbeiter des britischen Konsulats, Cheng, hat China Folter vorgeworfen. Cheng war im August während einer Chinareise in Gewahrsam genommen worden.

Ein ehemaliger Angestellter des britischen Konsulats in Hongkong ist nach eigenen Angaben von der chinesischen Geheimpolizei bei Vernehmungen zu den Protesten in Hongkong gefoltert worden. Er sei geschlagen, am Schlafen gehindert und in Ketten gelegt worden, um Informationen über führende Aktivisten preiszugeben, sagte der 29-jährige Hongkonger Simon Cheng der BBC und dem "Wall Street Journal".

Augen verbunden und gefesselt

Auch sei er wiederholt zur mutmaßlichen Rolle Großbritanniens bei den Protesten verhört worden. "Ich war gefesselt, mir wurden die Augen verbunden und eine Kapuze übergezogen." Der Vorfall habe sich im August während einer Reise nach China ereignet. Das längste Verhör dauerte laut Cheng 48 Stunden, ohne Pause.

Die Polizei habe ihn zu einem Geständnis bringen wollen, wonach Großbritannien mit Geldspenden, Material und Ausrüstung die "Ausschreitungen in Hongkong anstachelt". Als Alternative zu einer "unbegrenzten Inhaftierung" sei ihm letztlich angeboten worden, den Vorwurf der "Förderung von Prostitution" zu gestehen. Darauf sei er eingegangen.

Er sagte zudem, dass er aus Angst Passwörter zu seinem Telefon und seinen Konten bei sozialen Medien verraten habe. Auch habe er namentlich zwei britische Konsulatsvertreter genannt, die seiner Auffassung nach einen militärischen und geheimdienstlichen Hintergrund hätten. Zudem habe er Details über einige Menschen preisgegeben, die in die Hongkong-Proteste verwickelt seien. Cheng hatte fast zwei Jahre für die britische Regierung gearbeitet.

Chinesischer Botschafter einbestellt

Der britische Außenminister Dominic Raab sagte, Chengs Behandlung komme einer Folterung gleich. Er habe deswegen den Botschafter Chinas einbestellt. Die chinesischen Behörden müssten den Fall untersuchen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen, sagte Raab dem "Journal".

Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums erklärte, Cheng habe sich 15 Tage in Gewahrsam befunden. Er habe sämtliche zur Last gelegten Verstöße zugegeben. Seine Rechte seien allesamt gewährleistet gewesen.

Chinas Botschafter in London, Liu Xiaoming, hatte am Montag Großbritannien und den USA eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten seines Landes vorgeworfen. Die ehemalige britische Kronkolonie Hongkong gehört seit 1997 zu China. Der Sonderverwaltungszone wird gemäß der Formel "Ein Land, zwei Systeme" ein gewisser Autonomiestatus zuerkannt.

Seit Mitte des Jahres gehen in Hongkong regelmäßig Tausende Menschen auf die Straßen, um für Demokratie und Freiheit zu demonstrieren. Die Proteste schlugen immer häufiger in Gewalt um. Zuletzt gab es rund um die Polytechnische Hochschule gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Aktivisten und der Polizei.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. November 2019 um 13:00 Uhr.

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