Die beiden Demokratie-Aktivisten Agnes Chow und Joshua Wong sprechen in Hongkong vor der Presse.  | Bildquelle: JEROME FAVRE/EPA-EFE/REX

Offener Brief aus Hongkong Aktivisten bitten Merkel um Hilfe

Stand: 04.09.2019 00:24 Uhr

Seit Wochen wird in Hongkong gegen Peking demonstriert, immer wieder kommt es zu Gewalt - und Chinas Führung schließt einen Militäreinsatz nicht aus. Nun bat der Anführer der Proteste Kanzlerin Merkel öffentlich um Hilfe.

Die Situation in Hongkong ist explosiv: Die Demonstranten, die sich seit Wochen gegen den Einfluss Chinas in der Sonderverwaltungszone auflehnen, und die Machthaber in Peking stehen sich unversöhnlich gegenüber. Immer wieder kommt es zu Ausschreitungen mit Verletzten. Viele Menschen wurden festgenommen, selbst ein militärisches Eingreifen schließt Peking nicht aus.

Jetzt bittet der Anführer der Hongkonger Proteste, Joshua Wong, Kanzlerin Angela Merkel in einem offenen Brief um Beistand: "Frau Bundeskanzlerin Merkel, Sie sind in der DDR aufgewachsen. Sie haben Erfahrungen aus erster Hand über den Schrecken einer diktatorischen Regierung gemacht," zitierte die "Bild" vorab aus einem Schreiben Wongs und weiterer Aktivisten. "Die Deutschen haben im Kampf gegen den Autoritarismus während der 80er-Jahre mutig an vorderster Front gestanden. Wie die gewaltfreien Demonstranten der Montags-Demos bringen wir unser Anliegen in die breite Öffentlichkeit und plädieren für demokratische Prinzipien."

Der Hongkonger Demokratieaktivist Joshua Wong | Bildquelle: AFP
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Bittet Merkel um Beistand: Der Hongkonger Demokratieaktivist Joshua Wong

Xi Jinping und Merkel | Bildquelle: dpa
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Gute Kontakte: Angela Merkel und der chinesische Präsident Xi Jingping (Archiv)

"Mut gegen Unrechtsregime"

Vor diesem Hintergrund fordert Wong die Kanzlerin auf, den Protestierenden in Hongkong beizustehen: "Wir wünschen uns, dass Sie den Mut und die Entschlossenheit gegen autoritäre Unrechtsregime zeigen, der Deutschland und Europa vor dem Ende des Kalten Krieges inspiriert hat und den Europa heute zeigt", schreibt er. Und warnt zugleich, auf wirtschaftlichen Kuschelkurs mit Peking zu gehen: "Deutschland sollte auf der Hut sein, mit China Geschäfte zu machen, da China das internationale Völkerrecht nicht einhält und wiederholt seine Versprechen gebrochen hat."

Kanzlerin reist nach China

Der Apell der Anführer der Protestbewegung erreichte die Kanzlerin kurz vor ihrer Reise nach China. Die Außenpolitiker der Koalitionsfraktionen verlangten ebenfalls eine klare Stellungnahme der deutschen Regierungschefin.

Nils Schmid, außenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, forderte in der Zeitung "Welt", dass Merkel in Peking "unmissverständlich deutlich macht, dass eine gewaltsame Niederschlagung der Proteste durch Sicherheitskräfte aus Hongkong oder vom chinesischen Festland für uns nicht akzeptabel ist".

Der Außenpolitiker der Unionsfraktion, Jürgen Hardt, zeigte sich zuversichtlich, dass Merkel die von China gegenüber Hongkong verbrieften Freiheitsrechte ansprechen werde. Sie werde dies "aber zweifellos in einer Art und Weise tun, die den Chinesen eine gesichtswahrende, friedliche Reaktion ermöglicht, ohne sich von außen unter Druck gesetzt zu sehen", sagte Hardt der "Welt". Solcher Druck bewirke in Peking häufig das Gegenteil.

In Hongkong gehen seit Wochen Hunderttausende Menschen gegen den Einfluss Pekings auf die Sonderverwaltungszone auf die Straße. Immer wieder kommt es zu massiven Ausschreitungen zwischen Demonstranten und Polizei. Zuletzt erklärte die chinesische Regierung ganz offen, dass die Geduld Pekings Grenzen habe. Ein Militäreinsatz werde nicht ausgeschlossen, sollten die Proteste weitergehen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. September 2019 um 06:30 Uhr.

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