Demonstranten marschieren in Hongkong gegen ein ausgesetztes Auslieferungsgesetz nach China. | Bildquelle: JEROME FAVRE/EPA-EFE/REX

Neue Proteste in Hongkong 100.000 Menschen gegen die Regierung

Stand: 03.08.2019 16:59 Uhr

In Hongkong hat es auch heute eine riesige Demo gegen die Politik der Peking-treuen Stadtregierung gegeben. Längst haben sich die Proteste zu einer generationsübergreifenden Massenbewegung entwickelt.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai, zur Zeit in Hongkong

Die Massenproteste gegen die Hongkonger Regierung gehen in den dritten Monat. Heute zogen nach Angaben der Veranstalter mehr als 100.000 Menschen durch den Stadtteil Mong Kok. Bis gestern war nicht klar, ob die Behörden die Demonstration genehmigen würden. Schließlich einigten sie sich mit den Organisatoren auf eine verkürzte Route.

Bis zum Abend verlief der Protestmarsch weitgehend friedlich. Auch heute riefen die Demonstrierenden stundenlang den kantonesischen Schlachtruf der seit Wochen andauernden Massenproteste: "Gaa Jau", was so viel heißt wie "Auf geht’s – Gas geben!".

"Regierung soll auf Forderungen eingehen"

"Ich möchte, dass die Regierung endlich auf unsere Forderungen eingeht," sagt John. Der 50-Jährige arbeitet bei einer Sicherheitsfirma in Hongkong. "Wir verlangen eine unabhängige Untersuchung zum Vorgehen der Polizei der vergangenen Wochen und zu deren Verstrickungen mit der Unterwelt. Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden."

Alle Bürger seien unglücklich über die Rolle der Polizei in den vergangenen Wochen, erklärt er. Und tatsächlich: Das Ansehen der Hongkonger Polizei hat seit Beginn der Massenproteste Anfang Juni stark gelitten. Da ist zum einen das häufig als übermäßig brutal kritisierte Vorgehen der Polizisten gegen Protestierende. Und zum anderen sind seit dem Angriff eines Schlägertrupps auf Passanten vor zwei Wochen viele Bürger davon überzeugt, dass die Polizei die Schläger mindestens gedeckt hat.

Ruf nach demokratischen und freien Wahlen

Auf Plakaten, die die Demonstranten in die Luft halten, stehen noch weitere Forderungen: Die Hongkonger Regierung solle das umstrittene China-Auslieferungsgesetz formell zurückziehen, alle festgenommenen Aktivisten sollten freikommen. Und auch heute wieder rufen die Demonstranten nach demokratischen, freien Wahlen in Hongkong. Denn die gibt es - entgegen jahrzehntealter Versprechen - immer noch nicht in der früheren britischen Kolonie.

Stattdessen nimmt der Einfluss der autokratischen Staats- und Parteiführung in Peking auf die autonome Stadt immer mehr zu. Mit dabei bei der Demonstration ist auch die 22-jährige Theatermacherin Carmen aus dem hessischen Darmstadt: "Das ist hier nicht nur eine Sache der Hongkonger, sondern eine Sache aller Menschen auf der Welt, wie ich finde. Dass in dieser Sonderverwaltungszone eine andere Partei so viel Einfluss hat, entspricht nicht meinen Werten. Und deswegen ist es für mich wichtig, dabei zu sein und die Leute zu unterstützen."

Straßen und Tunneleinfahrt blockiert

Im Anschluss an den friedlichen Demonstrationszug blockierten einige Aktivisten Straßen und auch die Einfahrt eines Tunnels, der unter dem Hafen Hongkongs durchführt.

Vermummte Protestierer umstellten außerdem eine Polizeiwache. Sie bewarfen das Gebäude mit Gegenständen. Bereitschaftspolizisten setzten Tränengas ein. Es gab erneut Straßenschlachten.

Demonstranten in Hongkong schützen sich vor dem Tränengas, das von der Bereitschaftspolizei auf sie geschossen wurde. | Bildquelle: JEROME FAVRE/EPA-EFE/REX
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Demonstranten in Hongkong schützen sich vor dem Tränengas, das von der Bereitschaftspolizei auf sie geschossen wurde.

Hongkong: Rund 100.000 Menschen demonstrieren gegen Regierung
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
03.08.2019 16:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. August 2019 um 14:45 Uhr und 17:25 Uhr.

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