Sicherheitskräfte auf einer Fußgängerbrücke der Hongkonger Universität | Bildquelle: AP

Hongkong Ruhe? Von wegen!

Stand: 21.11.2019 03:18 Uhr

Nach den Protesten Anfang der Woche in Hongkong scheint sich die Lage etwas beruhigt zu haben. Doch die Demonstrationen gehen weiter. Viele - besonders junge - Aktivisten sind wild entschlossen, nicht aufzugeben.

Von Ruth Kirchner, RBB, zzt. Hongkong

"Kämpft für Freiheit und für Hongkong", rufen tausend, vielleicht zweitausend Demonstranten in der Innenstadt von Hongkong und recken ihre Hände in die Höhe. Die fünf ausgestreckten Finger stehen für die fünf Forderungen der Demokratiebewegung - darunter das allgemeine Wahlrecht und eine Untersuchung der Polizeigewalt der letzten Monate.

"Wir sind hier, um gegen die wachsende Gewalt der Polizei zu protestieren, und weil Regierungschefin Carrie Lam auf unsere Forderungen bislang nicht eingeht", sagt eine junge Versicherungsangestellte.

Der Protest - pünktlich zur Mittagspause im Finanzviertel - verläuft friedlich. Es ist ein gewaltiger Unterschied zu den schweren Zusammenstößen Anfang der Woche, als an der Polytechnischen Universität im Stadtteil Wasserwerfer, Schlagstöcke und Gummigeschosse zum Einsatz kamen und die Straßen rund um den Campus einem Trümmerfeld glichen.

Die Nachwehen des Uni-Protests

Dass auf dem Unigelände immer noch Aktivisten ausharren, macht den Demonstranten in der Innenstadt große Sorgen: "Wir wollen die Studenten unterstützen. Sie haben nichts mehr zu essen, kein Wasser, sie sind verzweifelt", sagt diese junge Finanzberaterin unter Tränen.

Nach zwei Stunden ist die Demo vorbei, die Angestellten gehen zurück in ihre Büros. Doch für viele, die an der Besetzung der Polytechnischen Universität teilgenommen haben, ist es noch lange nicht vorbei. Einige wenige harren noch in der Uni aus - eingekesselt von Polizei. Rund 800 Demonstranten haben das Gelände verlassen, die meisten sind jetzt in Polizeigewahrsam, ihnen drohen Anklagen, vielleicht hohe Haftstrafen.

Kritik an hartem Vorgehen der Polizei

Weit weg von der Innenstadt, Im Stadtteil Lam Tin, zirpen die Zikaden. Unter einem großen Banyan-Baum, neben 20-stöckigen einfachen Hochhäusern, sitzt die 16-jährige Karen. Ihren vollen Namen will sie nicht nennen, ihr Gesicht hält sie unter ihren langen schwarzen Haaren und einer Maske versteckt. Auch sie war bei der PolyU-Besetzung und -Belagerung dabei. Doch weil sie noch minderjährig ist, wurde sie nach Feststellung ihrer Personalien nach Hause geschickt.

"Wenn ich nicht mitgemacht hätte, würde ich das später bestimmt bereuen. Ich wollte helfen, unsere Probleme zu lösen und würde mir später sonst Vorwürfe machen, dass ich nichts getan habe."

Karen verurteilt das harte Vorgehen der Polizei, die die Besetzung der Uni mit allen Mitteln beenden wollte. Sie selbst wurde von Gummigeschossen getroffen und verletzt. Dass sie selbst Brandbomben gebaut hat, hält sie gleichwohl für gerechtfertigt:

"Eigentlich ist die Gewalt von beiden Seiten nicht richtig. Aber wenn die Polizei als erstes Tränengas gegen uns einsetzt, dann sind Brandbomben ok."

Was mit ihr selbst passiert, ob sie sich mit einer Anklage und einer möglichen Haftstrafe die Zukunft verbaut - Karen zuckt mit den Schultern. Sie habe keine Angst, sagt die 16-jährige entschlossen. Innerlich sei sie auf alles vorbereitet. In der Zwischenzeit geht sie weiter zur Schule - und will weiter protestieren.

Hongkong: Die Proteste gehen weiter
Ruth Kirchner, ARD Peking
21.11.2019 06:34 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. November 2019 um 05:26 Uhr.

Darstellung: