Demonstranten in Hongkong werden mit Tränengas beschossen. | Bildquelle: dpa

Massenproteste in Hongkong Erstmals Angriffe auf Chinas Vertretung

Stand: 22.07.2019 07:27 Uhr

Wieder sind in Hongkong Zehntausende auf die Straße gegangen. Wieder kam es zu Ausschreitungen zwischen Polizei und Aktivisten. Erstmals richteten sich die Proteste auch gegen Chinas Vertretung.

Von Benjamin Eyssel, ARD-Studio Peking

Am späten Abend eskalierte die Lage in Hongkong. Vor der Vertretung der chinesischen Zentralregierung setzte die Polizei Tränengas und Gummigeschosse ein, um die hauptsächlich schwarzgekleideten Demonstranten auseinanderzutreiben. Diese warfen Flaschen und andere Gegenstände in Richtung Polizei.

Zuvor hatten einige Demonstranten Eier und Farbbeutel auf das chinesische Staatswappen am Pekinger Verbindungsbüro geworfen und die Wände mit Graffiti beschmiert. Chinesische Staatsmedien verurteilten den Angriff als schwere Straftat, die nicht ohne Konsequenzen bleiben werde. Der Ton in Festlandchina wird rauer. So schreibt die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua, die Verunstaltung des Hoheitswappens der Volksrepublik China mit schwarzer Farbe habe unerträglichen Schmerz und Wut verursacht.

"Diese unrechtmäßigen Vorkommnisse sind inakzeptabel für alle Chinesen, auch für die Menschen in Hongkong. Die eskalierende Gewalt und die provozierenden Handlungen haben den Mob und seine Unterstützer bloßgestellt", heißt es weiter.

Demonstranten halten improvisierte Schilde gegen die Polizei hoch. | Bildquelle: dpa
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Erneut haben in Hongkong Zehntausende demonstriert - dieses Mal auch gegen die chinesische Vertretung.

Peking soll Schlägertrupps geschickt haben

Die Stimmung in Hongkong ist extrem aufgeladen. Im Internet kursieren Videos, die zeigen, wie in Weiß gekleidete Männer in einer U-Bahn-Station mit Schlagstöcken auf Demonstranten einschlagen. Dabei wurden offenbar einige Menschen verletzt. Wer dahinter steckt, ist unklar. Auf Twitter beschuldigen Aktivisten die Staats- und Parteiführung in Peking, die Schlägertrupps geschickt zu haben.

"Wir sind alle enttäuscht"

Gestern Nachmittag marschierten zunächst Hunderttausende Menschen friedlich durch die Innenstadt der chinesischen Sonderverwaltungszone. In Sprechchören und auf Plakaten forderten sie unter anderem den Rücktritt der Hongkonger Regierung und demokratische Reformen. Viele Demonstranten sind frustriert. "Wir sind alle enttäuscht. Die Regierung weist all unsere Forderungen zurück", sagte ein 30-jähriger Aktivist. Deswegen müsse man in dieser unglücklichen Zeit zusammenhalten und sich gegenseitig unterstützen.

Es war bereits das siebte Wochenende in Folge, an dem die Demonstranten auf die Straße gegangen sind. Auslöser war ursprünglich ein umstrittenes Auslieferungsabkommen, das inzwischen gestoppt wurde. Demnach sollten Verdächtige einfacher nach Festlandchina überstellt werden können. Dort gibt es anders als in Hongkong keine unabhängige Justiz.

Lage in Hongkong eskaliert in der Nacht
Benjamin Eyssel, ARD Berlin
22.07.2019 10:43 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 21. Juli 2019 um 23:15 Uhr.

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